Häppchen für Häppchen durch Kreuzberg futtern.

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Was passiert, wenn ich zu meiner Tochter sage: „Heute machen wir einen Stadtrundgang.“ Bestimmt nicht: „Hurra!“ Mit 99,9%iger Wahrscheinlichkeit kommt eher so was wie: „Oh nein, das ist langweilig. Was soll ich da, was passiert da?“ Und so weiter und so fort. Meist hat sie mit dieser Litanei Erfolg und wir lassen es sein, denn ein nölendes Kind kann den Tag zur Hölle machen. Auf der anderen Seite möchte ich Berlin Kreuzberg mit Kindern entdecken entdecken, etwas erfahren über die Menschen, die Kultur und die Geschichte der Stadt. Was ist die Lösung? Ein Stadtrundgang der anderen Art, sich von Restaurant zu Imbiss über Pizzerier, Eisladen und Café zu futtern und dabei ein paar Anekdötchen zu Berlin und zum Kiez zu erfahren? Mal sehen.

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Treffpunkt ist um 11 Uhr 30 vor dem Moviemento Kino in Berlin, am Kottbusser Damm 22. Wir kommen gerade noch rechtzeitig. Eine Gruppe von ca. 15 Leuten steht schon bereit und Mariam, unser Guide ist dabei den Ablauf zu erklären. Sie verteilt das Programm mit den einzelnen Stationen und dabei, erzählt sie gleich noch etwas zum Moviemento Kino. Es ist nämlich das älteste, inhabergeführte Kino Deutschlands. Wer hätte das gedacht.

Los geht es, vorbei an schönen Häusern und gleich wieder: „Stop.“ Wir halten an, Lilia ergreift die Gelegenheit, verschwindet sofort auf den Spielplatz und von Mariam erfahren wir, dass der Architekt Lenné für die Gestaltung der Straßen und Häuser in diesem Kiez verantwortlich ist.

Schöne Fassaden

Er hatte die Idee, dass wohlhabende und weniger wohlhabende Menschen zusammenleben sollten statt in getrennten Vierteln. Dafür hat er das Konzept von Vorderhaus und Hinterhof entwickelt, das in Berlin ziemlich einmalig ist. Man findet hier bis zu vier Hinterhöfen hintereinander. Logisch waren die Fassaden und Wohnungen im Vorderhaus entsprechend luxuriöser ausgestattet als im Hinterhof, aber es gab bezahlbaren Wohnraum in der Stadt und nicht nur am Stadtrand oder in armen unattraktiven Vierteln. Sehr weit gedacht, klug und fortschrittlich der Mann.

Der Graefekiez

Der Berliner lebt in seiner Stadt, in seinem Stadtteil und vor allem in seinem Kiez. Hier findet er alles, was er braucht und mit seinem Kiez identifiziert er sich voll und ganz. Wir befinden uns im Graefekiez und im Sommer, wenn alle Restaurants und Cafés ihre Tische und Stühle rausstellen, dann wird das hier gerne auch die Toskana von Berlin genannt.

Aber statt zum Italiener gehen wir in ein indisches Restaurant, das Cinnamon Tree. Hier bekommen wir eine Linsensuppe gereicht und wer möchte bestellt sich noch ein Getränk. Da Lilia nicht auf Linsen steht, ködere ich sie mit einem Mangolassi.

Lassi schmeckt, Kind zufrieden, 1:0 für mich! Während wir alle die wirklich köstliche Suppe löffeln, geht Mariam von Tisch zu Tisch und erklärt anhand einer Karte die Entwicklung der einzelnen Stadtteile von Berlin, den Verlauf der Stadtmauer und die Lage der Stadttore. Ich höre interessiert zu und nippe dabei an meinem Chai Tee.

Chai TeeKöstliche Linsensuppe

 Von Indien nach Kolumbien in 10 Minuten

Als alle fertig sind, geht es weiter. Wir schlendern durch die Straßen, vorbei an kleinen Läden und ich denke sofort, hierher muss ich noch mal zurückkommen. Unsere nächste Station ist ein kleiner Imbiss „Zum goldenen Krümel“. Was der Name nicht verrät, hier gibt es kolumbianisches Essen.

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Für uns steht ein großer Tisch vor der Tür und wir erhaschen noch ein paar Sonnenstrahlen. Die nette Bedienung erzählt etwas über die Entstehung der Empanadas. Diese Teigtaschen sind typisch spanisch, mexikanisch, kolumbianisch. Je nach dem, in welchem Land man gerade ist. Der Teig soll das eigentliche Essen vor Sand und Dreck schützen und diese gute Idee hat sich international verbreitet bis zur italienischen Pizza Calzone. Aber egal, wer es erfunden hat, den eigentlichen Unterschied machen die Soßen! Wir haben zwei zur Auswahl und es schmeckt köstlich.

Zeit für was Süßes

Weiter geht es, zurück in die Diefenbachstraße zum Brownies probieren. Wir stehen vor einer Feinschmeckerbäckerei, die ein großes Angebot an Bio Produkten hat. Ob die Brownies dazugehören? Keine Ahnung, aber lecker sind sie.

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Von hier aus führt uns der Weg zur Admiralsbrücke und zum Entsetzen von Lilia leider am Café Isabel vorbei. Ich hatte sie mit einem Eis aus diesem Café gelockt, als ich das Café in dem kleinen Guide entdeckt hatte, den es zur Tour gibt. Und jetzt lassen wir ausgerechnet das aus. Schön blöd. Dafür pfeift uns jetzt der Wind auf der Brücke mächtig um die Ohren. Lilia entdeckt Schwäne im Kanal. Puh, Situation gerettet!

Blick von der Admiralsbrücke

Die Admiralsbrücke ist bekannt für spontane Partys in lauen Sommernächten mit reichlich Alkohol. Davon zeugen auch die vielen Kronkorken, die sich zwischen die Pflastersteine gedrückt haben.

Von der Toskana nach Istanbul

Von der Admiralsbrücke laufen wir weiter Richtung Kottbusser Damm, vorbei am Admiralsdenkmal, das inmitten schön scheußlicher Häuser den Horizont leider nicht mehr sieht, bis zum Leylak Café direkt am Kottbusser Tor.

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Das Leylak Café Bistro war das erste türkische Bistro am Platz und ist eine Institution am Kottbusser Tor. Hier werden nur frische Zutaten verwendet und die hausgemachten Böreks mit Spinat und Schafskäse im Blätterteig sind bei Lilia und mir der Renner. Wer hätte gedacht, dass das dem Kind so gut schmeckt.

Wir tauchen tiefer ein in die türkische Küche und besuchen das Hasir in der Adalbertstraße. Auch dieses Restaurant ist eine Institution in Kreuzberg. Es wurde 1984 eröffnet und ist die Keimzelle eines kleinen Familienimperiums mit mittlerweile sechs Restaurants in Berlin. Hier dreht sich ein riesiger Dönerspieß im Fenster und es geht sehr geschäftig zu.

Wir werden in einen hinteren Raum geführt, wo alle einen türkischen Tee bestellen. Das Interieur des Restaurants ist sehenswert und ich fühle mich schon fast wie in Istanbul.

Und weil es so lecker duftet, ist das Essen in Null Komma nix verputzt.

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Von Istanbul über Italien zurück nach Berlin

Was wäre Kreuzberg ohne einen Besuch auf der Oranienstraße. Wir schlendern sie ein Stück entlang, Richtung Heinrichplatz zu einer kleinen Pizzeria, direkt gegenüber vom SO36, jenem legendären Klub in Kreuzberg. Von außen recht unspektakulär gibt es hier sehr leckere Pizza und wir probieren eine vegetarische Variante. Mal was anderes als Pizza Salami.

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Jetzt bin ich satt, pappsatt und ärgere mich ein bisschen, dass ich so spät gefrühstückt habe. Ich glaube Lilia geht es genauso, denn als wir in unserer letzten Station dem Café Kuchen Kaiser am Oranienplatz ankommen, darf ich den Apfelkuchen alleine essen und sie macht sich nur über die Sahne her. Auch das Kuchen Kaiser ist ein Berliner Original. Gegründet 1866 war es das erste Café mit einer Drehtür und dem ersten elektrischen Kühlschrank. Nach dem 2. Weltkrieg und der Teilung Berlins endete jedoch 1957 die glorreiche Geschichte mit der Schließung des Cafés. 1998 wurde es an historischem Ort wieder eröffnet und besticht durch seine große Kuchenauswahl. So ein Name verpflichtet.

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Essen macht glücklich

Nach dem Kuchen geht nichts mehr. 7 Stationen und ein Blick auf die Uhr sagen mir, dass wir drei Stunden unterwegs waren. Das hätte ich nicht gedacht, es hat sich definitiv kürzer angefühlt und das werte ich als gutes Zeichen. Mir hat die Kombination von Geschichtshäppchen und kulinarischen Häppchen gut gefallen. Es kam keine Langeweile auf, im Gegenteil ich fühlte mich gut unterhalten. Mit Kind hat es auch prima funktioniert, es darf aber nicht zu klein sein, weil wir doch einen großen Spaziergang gemacht haben. Für mich ist ein Stadtrundgang mit eat-the-world eine echte Alternative. So funktioniert die Idee: Berlin Kreuzberg mit Kindern entdecken perfekt. Und vor allem weiß ich danach, wo es lecker schmeckt. Ein schöner Kontrast, wenn man zum Beispiel in einem Hotel am Potsdamer Platz oder in Mitte wohnt und mal ein ganz anderes Berlin kennenlernen möchte. Eat-the-world gibt es außerdem in Bremen, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Münster.

Touren online buchen:

www.eat-the-world.com

Fotos: Britta Smyrak

Danke an Mariam und eat-the-world Ohne ihre Unterstützung wäre dieses Erlebnis nicht möglich gewesen.

 

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