Fine stagione. Kalabrien im Herbst.

kalabrien im herbst

Kalabrien im Herbst. Wie fühlt es sich an, wenn man im Spätherbst an einen Ort reist, der vor allem für sein quicklebendiges Strandleben bekannt ist? Bekommt man a) Depressionen und kann man b) noch im Meer baden – oder ist der Strand bereits hochgeklappt, sind sämtliche osterie und gelaterie geschlossen? Kalabrien im Herbst, wir haben den Selbstversuch gewagt.

Zugegeben, zunächst standen die Zeichen auf Sturm. Nachdem uns noch am Flughafen München die goldene Oktobersonne hinter den Isolierglasscheiben im Wartebereich zum Transpirieren gebracht hatte, hieß uns zwei Stunden später der aeroporto Lamezia Terme nach einer extrem holprigen Landung im bereits stockdunklen und verregneten Kalabrien willkommen. Unser Ziel: Capo Vaticano, rund 70 km südlich von Lamezia Terme, dort, wo sich die angeblich schönsten Strände Italiens in kleinen Badebuchten mit kristallklarem Wasser aneinanderreihen; wo „die Zitronen blühn und die Goldorangen glühn“, wo gegenüber im Meer der Stromboli aufragt und wo man – bei klarem Wetter und scharfen Augen – schräg hinunter bis nach Sizilien schielen kann.

Nachdem die Herausforderung „Wetter“ am zweiten Tag geklärt war – strahlender Sonnenschein bei steigenden Temperaturen (22° C!) – und Strand und Meer sich als herrlich urlaubstauglich erwiesen hatten, stand die Frage im Raum bzw. im Pinienhain: Was kann man in einer knappen Woche in dieser tollen Kulturlandschaft erleben, ohne dass das ebenfalls erwünschte Laissez-faire nicht zu kurz kommt? Der Rhythmus einen Tag chillen, einen Tag erleben stellte sich als tragfähiger Kompromiss für Klein und Groß heraus. Die Stichwörter Vulkan, Eis, Baden und Berge taten ihr Übriges, um die Tagestrips zu kleinen Abenteuerreisen werden zu lassen.

Ausflug 1: Der geschlossene Vulkan

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Die Erkundung des wunderschönen, spektakulär auf einem Felsen thronenden Hafenstädtchens Tropea verdanken wir dem Umstand, dass die Saison für Tagesausflüge zum Stromboli mit dem 31. Oktober eines jeden Jahres endet. Auch ein eilends vor Ort zusammengetrommeltes Touristengrüppchen für einen privaten Charter konnte den am Hafen von Tropea ausfindig gemachten Schiffskapitän nicht erweichen: „Lo stromboli è chiuso.“ Umso mehr ist ein Shopping- oder Kulturbummel durch die verwinkelten Gassen Tropeas vorbei an kleinen Läden und Boutiquen, barocken Kirchen, Bars und Restaurants zu empfehlen.

Ausflug 2: Ab auf die Piste …

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Siebzehn (oder achtzehn?) Autobahntunnel ab der Ausfahrt Rosarno in Richtung Reggio Calabria –vorbei an der Stretto die Messina, wo Sizilien nur einen Steinwurf entfernt scheint – geht es hinauf in die Wildnis des Aspromonte. Der „raue Berg“ an Italiens südlicher Stiefelspitze erobert sich mit seinem höchsten Punkt, dem Montalto auf 1.955 Metern, auch die Herzen der Skifahrer, die bei ausreichender Schneelage im Winter ihre Schwünge mit Blick aufs Ionische bzw. Tyrrhenische Meer genießen können.

Noch mehr begeistert der Nationalpark aber durch seine unverwechselbare Landschaft: wild, unzugänglich und dicht bewaldet mit uralten Steineichen, Kastanien und Schwarzeichen, wo sich Wolf und Wildkatze gute Nacht sagen. Steinige Trockenflussbetten prägen die engen Täler im Sommer, weiter oben haben uns Wasserfälle und rauschende, ganzjährig wasserführende Bäche beeindruckt. In tieferen Lagen hingegen überrascht die mediterrane Macchia und ausgedehnter Oliven-, Mandel- und Weinanbau. Und natürlich die Bergamotte, Kalabriens typische Zitruspflanze.

Ein bisschen Schaudern ist in dieser besiedelten Gebirgslandschaft übrigens auch dabei: Der Aspromonte diente der kalabresischen Verbrecherorganisation ’Ndrangheta über viele Jahre als Rückzugsgebiet; heute werden aber angeblich keine Entführungsopfer mehr in der wilden Bergwelt gefangen gehalten. Von Wanderungen durch die Berglandschaft wird allerdings wohl nicht aus diesem Grund abgeraten, vielmehr liegt dies an der unzureichenden Beschilderung und der relativ hohen Möglichkeit, sich zu verlaufen. Keine Wanderung in Kalabrien im Herbst? Das gab einen klaren Pluspunkt bei den Kindern.

Abfahrt: Spürnasen, aufgepasst!

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Auf der Rückfahrt zum Flughafen lohnt sich ein Stopp in Pizzo, dem alten Städtchen am Meer, in dem das (echte!) Tartufo erfunden wurde. Hier reiht sich eine gelateria an die nächste und während man das Eis-Original – oder eine seiner vielfältigen Variationen – schleckt, empfiehlt sich ein Rundgang durch den auf steilen Klippen und bereits in griechischer Zeit erbauten Ort mit dem Castello Aragonese on top.

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Fazit: Kalabrien im Herbst ist ein echtes Highlight – drei Klimazonen, Meer und Berge nah beieinander, Kultur und Natur pur. Und verhungern muss man auch dann nicht, wenn die meisten Lokale schon geschlossen haben. Der Koch unserer kleinen Ferienanlage hatte sich in seiner letzten Arbeitswoche der Saison zumindest noch einmal zu mediterran-kalabresisch-kulinarischen Höchstleistungen aufgeschwungen und so gab es neben pizza und der immer kindertauglichen pasta al sugo di pomodoro bzw. al ragù stets die klassische italienische Menüabfolge zur freien Auswahl, angefangen beim antipasto über den primo, den secondo bis zum dolce resp. formaggio.

Text und Fotos: Katharina Zeutschner

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2 Kommentare

  • Sabine sagt:

    Für Gelati und Pasta ist Italien wirklich mehr als bekannt, ich liebe italienisches Essen und das typische dolce far niente! Umso besser, dass ihr dort aufgrund geschlossener Lokale nicht verhungern musstet 😉 LG, Sabine

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