MEET THE LOCALS: Tobias und Familie aus San Diego

Heute stelle ich Tobias ein paar Fragen. Wir kennen uns schon ewig, noch „von zu Hause“. Mitte der 90er Jahre ist Tobi nach San Diego gegangen. Ich habe ihn und seine Frau seit dem einmal besucht und war schon ein bisschen neidisch auf den „Californian way of life“. Ab 17 Uhr war dort nämlich keiner mehr Büro, sondern alles strömte zum Strand und aufs Surfboard. Mal sehen, wie heute das Leben in Kalifornien für die Familie aus San Diego ist.

Hallo Tobias, wärst du auch ohne Greencard nach Amerika gegangen?

Wir haben die Greencard zugeteilt bekommen, während wir uns auf einer 6-monatigen USA-Reise befanden, und hatten überhaupt nicht mehr damit gerechnet, ausgewählt zu werden. Die Ausstellung der „Resident Alien“ Karte war dann allerdings mit einigen bürokratischen Bedingungen verbunden, die innerhalb kurzer Zeit erfüllt werden mußten. Dazu kamen Anwalts- und Administrationskosten, damit man sicher gehen konnte, das auch alles rechtzeitig eingereicht wird. Diese Kosten von mehreren Tausend Dollar hatten uns schon etwas abgeschreckt. Wir hätten beinahe doch nicht zugestimmt.

Die Verlockung war doch sehr groß, es zumindest auszuprobieren und erst einmal im Land zu bleiben.

Wir mussten allerdings sofort heiraten und beide gleich nach Erhalt der Green Card Arbeit finden. Sonst hätten wir nicht einfach bleiben können, denn unsere Reisekasse war fast aufgebraucht.

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Hast du dich bewusst für San Diego entschieden, oder war es Zufall?

Ja, wir haben uns bewusst San Diego ausgesucht. Meine Frau Katrin und ich hatten dort schon Freunde und uns hat das warme südliche Klima sehr gefallen hat. Ich war ein Jahr vorher im November in San Diego zu Besuch gewesen. Ich habe es sehr genossen, dass die Temperaturen auch im Winter oft 25 Grad Celsius tagsüber erreichen.

Ich wollte schon immer mal nah am Meer leben.

Da Katrin das Gleiche empfand und wir auch schon viele andere Ecken der USA kannten, die uns nicht ganz so gut gefallen hatten, fiel die Wahl auf Südkalifornien.

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Wie ist das Leben in Kalifornien mit Familie, was ist einfach, was ist schwierig?

Für Familien ist das Leben in Südkalifornien sehr angenehm, vor allem wegen des gleichmäßigen Klimas. Kinder können jederzeit im Jahr in T-Shirt und kurzer Hose im Freien spielen. Vereinssportarten wie Fußball und Baseball finden das ganze Jahr im Freien statt. Die vielen Strände bieten natürlich auch sehr viele Möglichkeiten für Aktivitäten und Wassersport. Surfen (Wellenreiten) ist am populärsten. Allerdings ist die Wassertemperatur nur in den Sommermonaten nahe, oder über, 20 Grad Celsius. Die restliche Zeit im Jahr schwankt die Wassertemperatur zwischen 14 und 18 Grad. Die großen Freizeitparks wie Seaworld, Legoland, Wild Animal Park und San Diego Zoo bieten alle Jahrespässe für Familien an. Das macht den Besuch wesentlich erschwinglicher, als die Eintagespreise, die Touristen zahlen müssen.

Das öffentliche Verkehrssystem ist in San Diego sehr lückenhaft. Vor allem Jugendlichen erschwert es, sich in der Stadt frei zu bewegen. Aus diesem Grund werden viele Kinder und Jugendliche von den Eltern herumgefahren.

Familien müssen viel Geld für die Sportaktivitäten ihrer Kinder ausgeben,

da hier jede Organisation wie ein Firmenunternehmen betrieben wird, das Gewinn bringen muss. Auch Sommerfreizeiten oder Jugendreisen kosten viel Geld. Ebenso sind die Kosten für Wohnraum, Lebensmittel und Krankenversorgung viel höher als in den meisten anderen Staaten der USA.

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Wie verbringt ihr das Wochenende?

Als unsere Kinder jünger waren, haben wir nicht weit von der Mission Bay entfernt gewohnt. Damals sind wir fast jedes Wochenende an der Bay und den Strand entlang Fahrradgefahren. Seit einigen Jahren spielen beide meiner Töchter aktiv Fußball in Vereinen und der Schule, daher sind wir oft bei den Spielen und Turnieren am Wochenende dabei. Da fangen dann die Spiele schon mal um 8:00 Uhr morgens an, und das Warmmachen auf dem Feld beginnt um 7:00 Uhr. Die Saisonzeiten sind dafür Februar – Mai und August – November.

Mindestens einmal im Monat treffen wir uns mit Freunden Samstags oder Sonntags am Strand.

Während der Ferien im Sommer auch sehr viel öfters, dann auch während der Woche. Entweder zum Surfen oder Boggieboarding, oder manchmal auch zum Picknick.

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Ich spiele samstagmorgens mit Freunden im Park Fußball, nur zum Spaß, mit kleinen Toren. Katrin trifft sich zu der Zeit mit ihren Freunden, um am Strand oder an der Bay mehrere Kilometer zu joggen. Sophia hat einen Führerschein, seit sie 16 ist und verabredet sich jetzt am Wochenende vermehrt mit Freunden oder Freundinnen. Ansonsten sind wir alle nicht superaktiv und oft verbringen wir einen Wochenendtag auch einfach nur im Haus oder auf der Terrasse.

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Die Kinder brauchen auch am Wochenende zusätzlich Zeit für Hausaufgaben und Projekte (Referate), da während der Woche oft nicht genug Zeit dafür ist. Der lange Schultag dauert bei beiden bis ca. 15:00 Uhr, dann 2-3 Mal die Woche 2 Stunden Fußballtraining und zusätzlich 1-2 Stunden Hausaufgaben. Da freut man sich auch als Eltern auf die Tage, an denen man nicht nur Chauffeur sein muss, vor allem auch, wenn die Ferien beginnen.

Was sollten Familien in San Diego auf jeden Fall ausprobieren?

Auf jeden Fall das Surfen (Wellenreiten) oder zumindest Boggieboarding. Es gibt fast das ganze Jahr über sehr gute Wellen, allerdings ist besagte Wassertemperatur ein kleines Hindernis. Man braucht bis auf wenige Monate im Jahr ein Wetsuit (Surfanzug). Man kann auch sehr gut schnorcheln gehen und im nahen La Jolla gibt es ein Wasserschutzgebiet in denen viele Fische zu sehen sind, im September auch kleine Haie und Rochen. Im gleichen Stadtteil gibt es den Strand „Children’s Pool“. Das war früher ein Strand für Kinder, aber vor 20 Jahren ist dieser von Dutzenden Seehunden und Seelöwen eingenommen worden, die dort am Strand liegen und eine Kolonie gebildet haben. Man kann sich bis auf wenige Meter nähern und die Tiere lassen sich nicht stören. Ebenso interessant sind Bootstouren, um Wale zu beobachten. Diese Touren finden vornehmlich im Winter statt, wenn die Wale an der Küste vorbeiziehen.
Die großen Freizeitparks wie Seaworld, Legoland, Wild Animal Park und der weltbekannte Zoo sind San Diegos größte Attraktionen für Familien. Die Eintrittspreise können sich allerdings ganz schön summieren. Die langen Schlangen an den Wochenenden und in den Ferien sind auch nicht so angenehm. Am Strand in Mission Beach gibt es einen Vergnügungspark mit einer alten Holzachterbahn und vielen anderen Karussells und Jahrmarktständen.

Meet-the-locals-familie-aus-san-diego-kalifornienDer „Belmont Park“ ist das ganze Jahr geöffnet und es ist auch an Wochentagen was los, da San Diego das ganze Jahr über ein Touristenziel ist.

Die besten Monate San Diego zu besuchen sind der September und Oktober.

Für Familien ist es im Juli und August wahrscheinlich am Passendsten, aber dann sind Unterkünfte generell sehr viel teurer und die Freizeitparks überlaufen. Im Mai und Juni bleibt es an der Küste oft bewölkt, obwohl es im Inland sonnig und heiß ist.

Danke, Tobi, für das Gespräch und wie es aussieht, surfst du noch immer!

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