Roman E. Svabek Zeremonienmeister des Wiener Opernballs

Zeremonienmeister des Wiener Opernballs

Ich hatte in Wien das große Vergnügen Walzer zu tanzen. Und das mit keinem Geringeren als Roman E. Svabek, Zeremonienmeister des Wiener Opernballs. Dachte ich vorher, der Walzer ist einfach ein Standardtanz, mehr der weniger langweilig und altmodisch, so wurde ich in einer knappen Stunde eines besseren belehrt: Der Walzer, vor allem der Wiener Walzer hat es in sich. Ich bin begeistert von diesem rauschhaften Tanz und meine Neugier ist geweckt.

Herr Svabek, wie wird man Zeremonienmeister des Wiener Opernballs?

Man wird gefragt.

Von wem?

Damals vom Herrn Direktor Holender. Es ging um ein neues Konzept, eine neuartige Idee dazu und es hat sich so ergeben, dass wir in Gespräche gegangen sind. Und ich bin sehr stolz darauf, muss man wirklich sagen, dass ich sehr schnell Situationen ändern kann, sehr flexibel agier, und dann hat es geheißen, ich sollte den Ablauf durchplanen und mal schauen, was man ein bisschen moderner gestalten kann. Dabei kam eben mein Konzept raus, bei dem, so hoffe ich, 160 Paare im Gleichklang mit viel Spaß eröffnen. Die Koordination wurde neu gestaltet, interne Abläufe, das ganze ein bisschen verschlankt und verjüngt. Das Ziel war immer, dass die Leute viel, viel Spaß dabei haben, weil das ist das Einzige, worum es in Wien eigentlich wirklich geht. Spaß an den Dingen zu haben, die man macht.

Ich war noch nie auf dem Wiener Opernball …

Das ist schade, ich hoffe dann im nächsten Jahr.

… bis dahin muss ich dann tanzen lernen.

Auch da kann ich helfen (lacht) Es soll ja Tanzlehrer geben, so wie mich, die das schnell beibringen können.

Es gab also das Bedürfnis, den Opernball zu modernisieren.

Ja genau. Dieses Jahr war es der 63. Opernball. Wie soll man sagen, altersbedingt und pensionsbedingt hat man da eben neue Ideen gesucht und ja, irgendwie dürfte ich auf der Liste der Staatsoper gestanden sein als guter Choreograf. Und jetzt mache ich das 10 Jahre lang, steh zum 10. Mal da oben und darf die Paare und die Gäste vor allem, denn ich bin der Einzige auf dem Ball, der reden darf, ich bin der Einzige, der ein Mikrofon hat, und darf 7000 Leute halt bespaßen. Das ist eine schöne Abendaufgabe, die um 7 am Abend beginnt und um 9 in der Früh endet.

Wow!

Ja! Dafür habe ich dann drei Tage frei und dann geht es wieder von vorne los.

Ist es schwierig, Karten für den Ball zu bekommen?

Nein, es darf jeder. Das ist eine grundliegende Idee, eine grundliegende Sache von dem Konzept und auch von der Staatsoper. Es darf niemandem verwehrt sein dort hinzugehen, es darf niemandem verwehrt sein dort mitzumachen. Wer eröffnen möchte, darf eröffnen. Wer den Ball besuchen möchte, darf den Ball besuchen. Wie bei einem normalen Konzert, wenn es ausverkauft ist, ist es ausverkauft. Das ist so. Also wer sich rechtzeitig darum kümmert, es gibt keinerlei Einschränkungen und das darf es auch nicht geben. Das ist auch ein wichtiger Punkt für Wien. Und das ist für mich auch Wien, das es keine Einschränkungen gibt und das alles für jeden machbar ist und offen steht.

Wie ist das Publikum, mehr Männer, mehr Frauen, jung, alt?

Bunt gemischt. Wir haben es in den letzten 10 Jahren wirklich so hinbekommen, dass es eine Verjüngung gibt. Das war ja auch die Idee, aber es ist ein wirklich bunt gemischtes Publikum von mittlerweile sehr vielen Jungen, bis zu 30 % sind unter 25, die das als Kultur und Spaß, eigentlich als ein riesiges Happening wahrnehmen und weiter betreiben. Der Rest verteilt sich wie bei jedem anderen Ball auch. Viele Pärchen, viele gehen in Gruppen.

Gibt es eine Kleiderordnung?

Ja, der Mann muss Frack tragen, keine Uhr und für die Damen ist es die Prinzessin.

Wie ist die Mischung, also das Verhältnis von Wiener oder Österreicher zu anderen Gästen?

Ganz viele ausländische Gäste, viele Staatsgäste. Zum Teil sehr traditionell, da gibt es Leute aus Deutschland, die kommen jedes Jahr. Es ist spannend. Der Opernball ist natürlich das Highlight mit 7000 Gästen. Das ist natürlich riesig, aber die Ballsaison generell in Wien ist nicht zu unterschätzen. Wenn wir davon ausgehen, dass in anderen Städten es vielleicht einen oder zwei Bälle im Jahr gibt, wir haben 480 Bälle in der Ballsaison, das heißt in zwei Monaten. Für jede Zunft gibt es einen Ball, der Ärzteball, der Juristenball, der Gewichtsheberball, der sehr legendär ist, der Jägerball.

Dann gibt es auch verschiedene Ballsäale?

In der Hofburg ist an jedem Abend irgendein Ball in der Saison. Und ja, es gibt noch andere Locations.

Ist heute Abend irgendwo ein Ball und wir wissen nichts davon?

Mittlerweile gibt es auch außerhalb der Saison Bälle, das muss man auch sagen. Aber es gibt eine Ballsaison, das ist von Jänner bis zum Rosenmontag, Faschingsdienstag, Aschermittwoch.

Die Ballsaison, das ist sehr kurz für 480 Bälle!

Plus minus und das ist nur Wien. Natürlich nicht nur in der Hofburg, auch in vielen Hotels. Die Oper hat als einzigen Ball den Opernball. Das ist der einzige Tag im Jahr, wo du in der Oper tanzen kannst. Da gibt es nur diesen einen Ball. Dafür wird auch die komplette Oper eine Woche lang umgebaut. Also wirklich drei Tage komplett aufgebaut, Ball, drei Tage komplett abgebaut. Das ist von der Logistik her ein unglaubliches Thema. Das sind 74 Sattelschlepper, die verkehrt in die Oper hineinfahren, die fahren verkehrt hinein und fahren wieder hinaus, aber die richtig großen Dinger! Dass es in drei Tagen überhaupt möglich ist, das umzubauen. Wenn man mal dort ist, das muss man wirklich mal sehen. Was dort alles umgebaut wird. Böden eingezogen, Decken eingezogen, Logen aufgebaut, also wirklich unglaublich.

Die Logen gibt es sonst gar nicht?

Bei der Oper haben wir den Vorteil, die Location ist da. Einen Kaiser haben wir nicht mehr, also nutzen wir sie zum Tanzen.

Danke Herr Svabek für das spannende Gespräch. Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr auf dem Opernball.

Text und Fotos Britta Smyrak und ©Falkensteiner Hotels & Residences

Danke an das Falkensteiner Hotel Wien Margareten für die Einladung zu dieser Pressereise und die Möglichkeit mit dem Zeremonienmeister des Wiener Opernballs einmal Walzer zu tanzen.

 

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