Sahara Festival in Douz. Wettkampf am Rand der Wüste von Tunesien

Es ist kurz vor Weihnachten und ich bin tatsächlich für das Sahara Festival in Douz zurück nach Tunesien gereist. Schuld daran ist Araff, ein wunderschöner Hengst. Während alle Besucher auf Dromedaren in die nahen Dünen ritten, hatte ich nur Augen für dieses Pferd. Wie er dort stand, stolz und in vollem Ornat, den Hals gebogen, erinnerte er mich an Filmszenen aus dem Hollywoodschinken „Lawrence von Arabien“.

Ich starrte Araff an und Riad, sein Besitzer fragte, ob ich ihn reiten möchte. Natürlich habe ich nicht Nein gesagt. Dann hat Riad von dem Sahara Festival in Douz erzählt, von den Kamel- und Pferderennen und das Araff bei einem dieser Rennen starten wird. Es war eine dieser flüchtigen Begegnungen auf Reisen, aber der Floh saß fest in meinem Ohr: das Sahara Festival in Douz.

Sahara Festival in Douz

Douz ist eine Oasenstadt im Süden des Landes, am Rand der großen Wüste „Grand Erg Oriental“, die sich weit bis nach Algerien und Libyen erstreckt. Zunächst war es das „Fest der Kamele“ und wurde von den lokalen Nomaden veranstaltet. Es war für sie die Möglichkeit einmal im Jahr zusammenzukommen, sich auszutauschen, Hochzeiten zu arrangieren und eben Kamele zu kaufen und zu verkaufen. Später kamen verschiedene Wettkämpfe dazu, vor allem der Marathon der langbeinigen Méhari-Kamele, jener berühmten weißen Rennkamele.

In diesem Jahr findet das Sahara Festival zum 51. Mal statt und geht über 3 Tage vom 20. bis zum 23. Dezember. Es ist in Europa kaum bekannt und selbst Google spuckte bei meiner Recherche nur spärliche Informationen aus.

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Früh am Morgen holt mich Riad mit dem Moped im Hotel ab. Es ist kalt und ich ziehe die Kapuze tief in die Stirn. Wir fahren auf den Marktplatz von Douz und trinken einen Kaffee. Die Sonne scheint und ihre Strahlen wärmen mich auf.

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Der Soundcheck für die verschiedenen Musikgruppen, die in den nächsten Tagen hier spielen werden, ist in vollem Gang. Das Sahara Festival hat sich zu einem der bedeutendsten Festivals Nordafrikas entwickelt und es werden viele Gäste und Teilnehmer an den Wettbewerben aus den arabischen Ländern, vor allem aus Algerien und Libyn erwartet.

Marktplatz-douz-tunesien

Nach dem Kaffee muss ich los. Riad gibt mir noch den Tipp, nicht auf der Tribüne zu bleiben, sondern in die Mitte des Festivalgeländes zu kommen. Er wird mit seinen Kamelen dort sein. Wir sehen uns, in schā‘ Allāh.

Douz in Festtagsstimmung

Es ist viel los an diesem Tag. Ich sichte die ersten Reiter auf der Straße, die sich und ihre Pferde für das Sahara Festival geschmückt haben. Sie posieren stolz auf dem Marktplatz und lassen sich gerne fotografieren.

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Um 9 Uhr wird das Sahara Festival mit einer Zeremonie auf dem Marktplatz eröffnet. Ab 10 Uhr finden verschiedene kulturelle Veranstaltungen statt, unter anderem ein angesagter Poetry Slam, aber leider verstehe ich die arabische Sprache nicht. Die Straßen sind voll, es gibt Zuckerwatte und große Einkäufe werden noch gemacht. Es herrscht eindeutig Festtagsstimmung.

Außerdem ist heute Donnerstag und wie immer findet an diesem Wochentag der Viehmarkt statt. Ich schaffe es gerade noch vorbeizuschauen, bevor er mittags schließt. Die Dromedare und Kamele sind schon wieder weg, aber ein paar Ziegen oder Schafe könnte ich noch kaufen.

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Unterwegs esse ich bei einem Straßenstand ein Mtabga, einen Teigfladen mit Harissa der traditionellen sehr scharfen Chilisoße. Harissa ist so beliebt, die Soße soll soger zum Unesco Weltkulturerbe ernannt werden. Unbedingt probieren!

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Das Schauspiel beginnt mit traditionellen Umzügen

Um Punkt 14:30 bin ich auf dem H’nish Platz am Rand der Stadt, wo eine große Tribüne für die Gäste aufgebaut ist. Der Eintritt ist frei und wer zuerst kommt, hat die besten Plätze. Ich folge dem Rat von Riad und schlüpfe mit meiner offiziellen Presseweste durch die Security durch auf die andere Seite des Platzes. Ich möchte hinter die Kulissen schauen, nah dran sein an den Teilnehmern der verschiedenen Wettbewerbe. Das Festival beginnt mit folkloristischen Umzügen, Reiter, Musiker, Szenen aus dem Leben in der Sahara, mit Karawanen und der Darstellung einer traditionellen Heirat.

Wettkampf am Rand der Wüste von Tunesien

Dann ist es Zeit für den Wettkampf. Den Anfang macht das Rennen der langbeinigen Méharis. Die Tribüne ist gerammelt voll und das Publikum tobt und feuert das Kamel und seinen Reiter an, je näher sie der Ziellinie kommen. Von Weitem sieht ein rennendes Kamel gar nicht so schnell aus, auch hämmern keine Hufe auf den harten Sandboden und ich habe den Eindruck, dass die Kunst vor allem darin besteht, sich überhaupt auf diesen schaukelnden Rücken halten zu können, aber ein Kamel kann bis zu 65 km/h schnell laufen und die Jockeys treiben ihre Tiere mit wedelnden Armen und Tritten in den Nacken an.

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Danach kommt das Pferderennen. Die Pferde jagen einmal um den Platz an der Tribüne vorbei und den Zuschauern gefällt das Spektakel. Ich beobachte die stolzen Reiter auf ihren Hengsten und Kamelen, die jungen Männer mit ihren Windhunden, wie sie sich vorbereiten auf die nächste Show, sich spielerisch untereinander messen in kleinen Kunststücken oder einfach nur posieren.

Und ich treffe Riad wieder. Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist, aber für ihn ist es natürlich einfach, mich in der Menge zu erkennen. Schließlich trage ich eine offizielle Presse-Weste. Riad ist mit seinem kleinen Bruder hier und beide genießen es, stolz auf ihren Dromedaren und in ihrer traditionellen Kleidung durch die Menge zu reiten. 20 Meter ist das Tuch lang, aus dem Riad seinen schwarzen Turban gewickelt hat. Sein Kamel, das kleinere, braune heißt Lahjal und wird morgen auf der Kurzstrecke laufen, das Große heißt Bourak und soll beim Marathon am Samstag laufen.

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Plötzlich ist auch Araff wieder da, genauso schön, wie beim ersten Mal und ich darf wieder aufsteigen. Riad führt mich auf seinem Hengst wie eine Trophäe durch die Menge und grüßt viele Bekannte.

In der Ferne sehe ich zwei weitere Attraktionen des Tages, die Hasenjagd, gefolgt von der Fuchsjagd. Das ist die Stunde der Sloughis, der marokkanischen Windhunde. Für mich sind beides keine schönen Vorstellungen, denn bei der ersten wird ein lebendiger Hase von den blitzschnellen Hunden gejagt und vor den Augen der Menge getötet, beim zweiten ist es ein Fuchs, der noch verzweifelt versucht sich zu wehren aber chancenlos ist. Zum Glück ist das Spektakel schnell vorbei. Der Menge hat es gefallen mir nicht.

Ein Festivalende im Sonnenuntergang

Der erste Festivaltag geht zu Ende. Die Sonne steht tief und die Teilnehmer und Gäste gehen zufrieden nach Hause. Es war ein toller Tag und einige Gäste versichern mir, dass es besser war als die Jahre zuvor. Mehr Zuschauer und eine bessere Stimmung, sie haben Hoffnung, dass es wieder aufwärtsgeht mit Tunesien. Vielleicht war das heute ein Anfang.

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Das Festivalgelände wird den Halbstarken überlassen, den Jungs auf ihren getunten Mopeds, die jetzt ihre Runden drehen, mit durchdrehenden Reifen den Wüstensand aufwirbeln und um die Gunst der letzten Zuschauer buhlen.

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Nachtrag: Riad im Glück

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Am nächsten Tag wird Bourak, das Kamel von Riad beim Rennen den dritten Platz belegen. Außerdem den zweiten Platz als bestes Kamel im Beautywettbewerb gewinnen und sein kleiner Bruder erhält den Jokerpreis als jüngster Teilnehmer. Fehlt eigentlich nur noch Araff.

Araff gewinnt am Samstag den 1. Platz beim Pferderennen und Riad ist glücklich! Als ich die Nachricht erhalte freue ich mich sehr. Leider bin ich schon auf dem Rückweg nach Deutschland.

Noch mehr über meine Reisen nach Tunesien findest du hier:

Fotos und Text Britta Smyrak. Siegerfoto Riad

Auf die Reise zum Sahara Festival wurde ich von Discover Tunisia eingeladen. Vielen Dank vor allem an Andrea Philippi für die Unterstützung.

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