Eine Liebeserklärung an die Wüste in Tunesien

Reise in die Wüste von Tunesien

Ich vermisse die Wüste, die Stille, die Weite. Wie konnte es nach 2 Tagen, nach dieser kurzen Reise in die Wüste von Tunesien nur so weit kommen?

Leise rieselt der Sand aus meinem Schuh

Drei Wochen ist es her, das ich im Wüstencamp Camp Mars in Tunesien war und ich weiß nicht, wie oft ich meine Schuhe schon ausgeschüttelt habe, immer noch rieselt Sand heraus. Ich freue mich wie ein kleines Kind über jedes Körnchen und fange den Sand in einer Schale auf. Im Koffer, in den Hosentaschen: Sand. Selbst in der Zahnpasta knirscht es. Ich hoffe, das geht nie vorbei, ich hoffe die Wüste bleibt bei mir.

Die Oasenstadt Douz, das Tor zur Sahara

Über Tunis und Djerba, mit Flugzeug und Auto erreiche ich die Oasenstadt Douz, das Tor zur Sahara. Die Stadt hat ungefähr 30.000 Einwohner, Zentrum ist der Marktplatz mit verschiedenen Shops und Cafés.



Ich checke mit einer Gruppe Journalisten im Hotel Offra ein, von meinem Fenster aus kann ich die Dünen sehen. Gleich um die Ecke vom Hotel werden bei Pégase-Douar Selma Dromedar- und Quarttouren in die nahen Dünen angeboten. Ein kleiner Vorgeschmack auf meine Reise in die Wüste von Tunesien.

Ich fotografiere die Dromedare, als plötzlich Riad, mit seinem geschmückten Hengst auftaucht.

Ich sage ihm, das er ein wunderschönes Pferd hat und er fragt, ob ich reiten möchte. Ich zögere keine Sekunde, denn der Hengst Araff ist ein Traum. Riad führt das Pferd und wir folgen den Dromedaren in die Dünen.

Die Dämmerung in der Wüste ist kurz und für den Rückweg müssen wir uns beeilen. Riad springt kurzerhand mit auf den Pferderücken und wir galoppieren zurück ins Lager. Halleluja, ich sollte sofort wieder mit dem Reiten anfangen!

Eine Reise in die Wüste von Tunesien. Von Douz ins Camp Mars

Am nächsten Morgen starten wir nach dem Frühstück ins Wüstencamp Camp Mars, ein echtes Wüstencamp in Tunesien. Wir verteilen uns auf zwei Geländewagen und lassen die Stadt und die letzten Häuser schnell hinter uns. Vor uns erstreckt sich weites flaches Land.

Unser Fahrer heißt Chiheb Mlik. Er kennt und liebt die Wüste und fährt seit 5 Jahren mit Touristen durch die Sahara. Das Fahren auf den Pisten ist nicht ganz einfach, darum dürfen Touristen nur mit einem tunesischen Fahrer in die Wüste fahren.

Wider Erwarten herrscht reger Verkehr auf der Piste, die Fahrer grüßen sich, man achtete aufeinander. Die Pick-ups und Geländewagen sind beladen mit Touristen, dem Hab und Gut gesamter Familien oder mit Waren, die transportiert werden müssen. Die Wüste ist fest in der Hand von Toyota, Nissan und Co.


Nach 1 1/2 Stunden, ungefähr auf halber Strecke machen wir einen kurzen Stopp im Café du Parc, ein sehr optimistischer Name, wie mir scheint. Aber er hat seine Berechtigung, denn wir sind am Rande des Jebil-Nationalparks, dem größten Naturschutzgebiet des Landes. Ein Teil dieses Parks ist umzäunt und man versucht dort Gazellen wieder anzusiedeln, die einst in dieser Gegend gelebt haben.

Unsere Reise in die Wüste von Tunesien geht weiter über Verwehungen und Bodenwellen, die Chiheb Mlik geschickt zu nehmen weiß. Die Dünen werden höher, rechts und links liegt die Sahara. Ich könnte ewig so weiterfahren.

Camp Mars, ein Wüstencamp in Tunesien

Nach drei Stunden erreichen wir das Camp Mars, ein Zeltcamp umgeben von Dünen. Ungefähr 30 weiße Zelte stehen aufgereiht im Sand. Die Zelte sind sehr geräumig, mit Teppichen ausgelegt und mit einem bequemen Doppelbett ausgestattet. Durch einen Vorhang abgetrennt gibt es auch ein kleines Bad mit Waschbecken und Toilette. Innen ist es recht dunkel, damit der Sand draußen bleibt, sind die Planen vor dem Eingang geschlossen. Dafür steht eine Kerze auf einem kleinen Tisch neben dem Bett bereit und schafft sofort eine gemütliche Stimmung. Im großen Hauptzelt, das gleichzeitig das Restaurant ist, essen wir zu Mittag. Als Vorspeise gibt es eine Gerstensuppe, gefolgt von Brik, dem typischen Beduinenessen, eine Art frittierte Blätterteigtasche, gefüllt mit Ei und Gemüse. Dazu wird frisches Brot serviert. Sogar Wein gibt es im Camp. Ich würde sagen, im Nirgendwo fehlt es an nichts.

Camp Mars Wüstencamp in Tunesien Camp Mars Wüstencamp in Tunesien Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Die Macher von Camp Mars sind Riadh Mnif und seine Frau Célia Mnif. Sie bieten mit dem Camp Mars nicht nur eine einzigartige Unterkunft inmitten der Sahara, sondern veranstalten auch viele Events wie zum Beispiel das Konzert „Musique et Silence“ zu dem wir am nächsten Tag eingeladen sind.

Durch die Dünen, immer höher, immer weiter

Nach dem Essen hält mich nichts mehr auf meinem Stuhl. Ich muss raus, ich muss in die Wüste. Dünen können ganz schön hoch sein und der Aufstieg ist gar nicht so einfach. Saad Ali begleitet mich und zeigt, wie ich mit Anlauf hinaufkomme. Er arbeitet diesen Winter als Barmann im Camp Mars und im Sommer geht er vielleicht nach Monastir oder dort hin, wo es gerade Arbeit gibt. Er lebt von Saison zu Saison und verdient im Moment ungefähr 650 Dinar, die Hälfte davon gibt er seinen Eltern. Saad Ali hat noch zwei Schwestern die beide in Tunis Sprachen studieren. Sie möchten danach gerne nach Deutschland gehen. Die Arbeit ruft, Saad Ali muss gehen. Ich bleibe in den Dünen zurück und warte auf den Sonnenuntergang.

Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Als ich ins Camp zurückkomme, ist es voll, weitere Gäste und die Musiker sind angekommen. Wir setzten uns um das Lagerfeuer. In der Glut wird das traditionelle Brot gebacken, es ist Zeit für das Abendessen.

Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Auf dem Weg in mein Zelt sehe ich den Sternenhimmel, als ob es zum ersten Mal ist. Er ist geschmückt mit Milliarden Sternen und die Milchstraße spannt sich wie ein weißes funkelndes Band über meinem Kopf. Diese Schönheit ist kaum zu fassen. Ich starre gebannt nach oben, bis mir der Nacken weh tut. Die Nacht in der Wüste ist ungewohnt dunkel, keine Konturen, keine Anhaltspunkte, einfach nur schwarz. Der Mond kommt erst viel später. Ohne Taschenlampe wäre ich jetzt aufgeschmissen.

Auf der Suche nach Stille.

Am nächsten Tag sieht die Wüste ganz anders aus. Die Sonne scheint und gibt den Dünen scharfe Konturen. Schleierwolken ziehen am blauen Himmel. War der Sand gestern noch rötlich und dunkel, so ist er heute viel heller. Die Wüste verändert ständig ihre Form, ihre Farbe.

Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Ich suche die absolute Stille, möchte nichts mehr hören, außer meinen Schritten auf dem Sand. Menschen mit Höhenangst erzählen oft, dass die Tiefe sie anzieht, bei mir ist es die Weite. Kaum stehe ich auf einem Dünenkamm, entdecke ich den Nächsten, den ich unbedingt erklimmen möchte und dahinter den Nächsten und den Nächsten. Was erwarte ich zu sehen, das Ende? Es gibt kein Ende und trotzdem lohnt sich jeder Ausblick, denn es ist immer wieder anders, neu und faszinierend.

Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Es fällt mir wirklich schwer zurückzukehren, aber am Tafelberg Tembain, der Name bedeutet übersetzt: „Der Berg, der von Weitem zu sehen ist,“ findet heute das Event „Musique et Silence“ unter freiem Himmel  statt. Es ist schön die Musik zu hören, trotzdem bin ich nervös, wie ein Junkie. Ich will zurück in die Stille.

Musique et silence im Camp Mars Wüstencamp in Tunesien

Wind ist aufgekommen und peitscht den Sand über die Dünenkämme. Ich muss aufpassen, denn die feinen Körner können jedes Kameraobjektiv problemlos ruinieren. Ich bekomme eine Ahnung davon, wie es in einem Sandsturm sein muss. Der Saharasand ist feiner, als alles was ich kenne. Wie Puder dringt er in jede Ritze.

Abenteuerspielplatz Wüste

Am Abend ist der Wind genauso schnell verschwunden, wie er gekommen war und wir feiern den Sonnenuntergang mit einer Flasche Wein auf der höchsten Düne mit Blick auf das Camp Mars. Als wir anstoßen, taucht hinter uns plötzlich ein Geländewagen auf dem Dünenkamm auf und bringt Gäste nach oben. Was für ein Frevel hier hochzufahren, denke ich noch, als der Fahrer uns anbietet, mit ihm hinunterzufahren. Wir nehmen die Einladung an, ich setze mich auf den Beifahrersitz, alle anderen klettern auf die Rückbank. Der Fahrer heißt Ťhã Mēr und mus verrückt sein, denn es ist verdammt steil. Er macht sich eine Spaß daraus  und lässt das schwere Fahrzeug wie einen Schlitten die Düne hinunterrutschen.

Unten angekommen fragt er, ob ich Lust habe noch mal hoch in die Dünen zu fahren. Und ob ich das habe! Wir fahren durch die Dunkelheit rauf und runter, die Dünenkämme nur erleuchtet vom Scheinwerferlicht. Plötzlich geht nichts mehr, wir stecken fest. Nach etlichen Versuchen, das Auto wieder freizubekommen, gibt Ťhã Mēr auf und wir stolpern durch die Dunkelheit die Dünen hinunter zurück zum Camp.

Zurück in die Zivilisation

Noch vor Sonnenaufgang verlassen wir Camp Mars, denn wir müssen zurück nach Tunis. Allerdings nicht, bevor wir im Café Tembain bei Mohammed zum Frühstück vorbei schauen. Er freut sich über unseren Besuch und zaubert in seiner kleinen Küche das beste Brik meines Lebens. Dazu gibt es frisch gebackenes Brot und schwarzen Tee.

 Sonnenaufgang Wüstencamp in TunesienTembaine Tunesien

Über 8 Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto vom Wüstencamp nach Tunis. Für mich geht das viel zu schnell. Nach meiner Reise in die Wüste von Tunesien bin ich irritiert von der Stadt, dem Lärm, den vielen Menschen und frage mich ernsthaft, was ich hier soll? Ich will das Leben in der Wüsten nicht romantisieren. Es ist hart und voller Entbehrungen, trotzdem will ich sofort zurück. Ich vermisse die Stille, die Unendlichkeit, die Freiheit. Ich glaube, ich habe Wüste.

Stationen meiner Reise in die Wüste von Tunesien:

Noch mehr Infos über Tunesien findest du hier:

Bilder und Text Britta Smyrak

Auf diese Reise in die Wüste von Tunesien wurde ich von Discover Tunisia eingeladen. Vielen Dank vor allem an Andrea Philippi für die Unterstützung.

Print Friendly, PDF & Email

2 Kommentare

  • Elfriede Beck sagt:

    ein wunderbarer Bericht, so habe ich es auch oft erlebt und die gleichen Touren mit meinem verstorbenen Mann gemacht.

    • Hallo Elfriede, danke für Deinen netten Kommentar. Warst du auch in Tunesien oder in einem anderen Land. Es tut mir leid, dass dein Mann verstorben ist. Das schöne am Reisen ist auch das Teilen der Eindrücke und Erlebnisse. Viele liebe Güße Britta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.