MEET THE LOCALS: Von Ostfriesland nach Los Angeles

Von Ostfriesland nach Los Angeles

Darf ich euch Miriam vorstellen, meine ehemalige Mitbewohnerin? Schon damals trieb ihre beneidenswert schöne Hautfarbe mich aschfahles Wesen regelmäßig in den Wahnsinn. Dennoch zog ich 1993 in ihre WG ein. 1995 hatte sie genug von – nein, nicht von mir!, sondern von den ekelhaften Wintern in Deutschland – und ging in die USA, woher auch ihr Papa stammte. Seitdem ward Miriam in Deutschland nur noch auf Besuch gesehen: Verliebt, verlobt, zwei wundervolle Söhne. Für mein Interview spricht sie aber auch von den Kehrseiten des Lebens in L.A.

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L.A. schimmert glamourös. Wie fühlt sich euer Alltag an?

L.A. hat sehr glamouröse Seiten. Aber für die normale Familie gibt es die gleichen Tagesabläufe wie fast überall auf der Welt – Schule, Arbeit, Kochen, Hausaufgaben, Hobbys.

Wenn Veranstaltungen wie die Oscar-Verleihung stattfinden, hält man sich am besten für einige Tage aus Hollywood fern.

Denn dann sind sämtliche Straßen gesperrt. Ansonsten kriegt man von dem Ganzen eigentlich nicht viel mit. Die Stadt ist sehr weitläufig, sodass man oft nur hin und wieder in gewisse Ecken kommt. Und es gibt natürlich auch die nicht so glamouröse Seiten von L.A. .

Walk-of-fame-Hollywood

Wie gefährlich ist diese Riesenstadt als Familie mit Kindern?

Auch nicht gefährlicher als andere Großstädte. Es gibt ein paar Stadtteile, die man möglichst nachts meidet. Aber man kann auch in Beverly Hills zur falschen Zeit am falschen Ort sein und Pech haben. L.A. ist nicht sonderlich fahrradfreundlich und der Verkehr macht es daher eher gefährlich für Kinder (oder auch erwachsenen Radfahrer) einfach in die Schule oder zu Freunden zu radeln. Das nervt und macht Kinder in der Beziehung recht unselbstständig. Man muß die Kids ständig herumkutschieren.

Ansonsten ist wohl das große Erdbeben in Kalifornien, was für irgendwann in den nächsten Jahrzehnten vorhergesagt wird, das gefährlichste hier. Aber Zeitpunkt und genauer Ort sind ja überhaupt nicht vorhersehbar.

Beverly Hills, Hollywood, große Promidichte. Seht ihr oft welche?

Hin und wieder sieht man jemanden aus dem Fernsehen oder auch mal was Hochkarätiges. Meine Highlights waren bisher Harrison Ford vor vielen Jahren in einem Restaurant oder Jermaine Jackson mit zwei von Michael Jacksons Kindern in der Autowaschanlage.

Und Michael Jacksons Vater hat sich mal an der Wursttheke bei mir vorgedrängelt.

Man ist dann zwar schon begeistert und erzählt Familie und Freunden aufgeregt davon. Aber es gehört auch ein bisschen zu dem L.A. Leben dazu. Ich halte nach wie vor die Augen nach Thomas Gottschalk und David Hasselhoff offen!

Los Angeles-Leo Cabrillo Tide Pools

Wünscht ihr euch manchmal auch raus aufs Land?

Absolut! Gerade mit Kindern wäre es toll, wenigstens hin und wieder aufs Land zu fahren. Ich bin ja vor meiner Einschulung auf dem Bauernhof groß geworden und habe dann in einer Kleinstadt gewohnt. Als Teenager konnte ich es nicht abwarten, da rauszukommen.

Jetzt beneide ich manchmal Freunde und Familie, die dort geblieben sind.

Allerdings weiß ich nicht, ob ich so ganz auf dem Land leben könnte. Ostfriesland war ja doch recht abgeschnitten. Bis zur Autobahn mussten wir erst gute 20 Minuten fahren. Man war also auch nicht schnell mal in der nächsten größeren Stadt, wo es mehr an kulturellen Angeboten oder tollen Restaurants gibt. Das würde ich dann doch vermissen.

Glücklicherweise kann man in L.A. viel draußen unternehmen. Es gibt viele Wandermöglichkeiten praktisch mitten in der Stadt, die Strände und die Berge sind ca. 3 Autostunden entfernt. Und das Wetter ist das ganze Jahr schön für solche Unternehmungen.

Los Angeles-Santa Monica Beach

Fehlt dir deine Familie aus Ostfriesland ab und zu?

Ja, die fehlt mir schon öfter mal. Ich bin zwar Einzelkind, habe aber viele Tanten und Onkel mit insgesamt über 20 Cousins und Cousinen in Deutschland. Wenn Familienfeiern stattfinden, bin ich schon recht betrübt, wenn wir nicht dabei sein können.

Gibt’s Sonntags morgens immer noch Pfannkuchen und Badewanne? 

Pfannkuchen gibt es sogar manchmal morgens an Wochentagen. Ich bin inzwischen richtiger Profi und habe ein super Rezept mit Buttermilch und zerlassener Butter. Viel besser als die WG-Pfannkuchen damals. Aber in den Genuss wirst du wohl erst kommen, wenn du uns endlich besuchen kommst, Sabine.

Hach! Mein Los Angeles-Sparstrumpf wächst, liebste Miriam. Das Rezept hol ich mir nämlich definitiv persönlich ab. 

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