„Let’s get together and feel alright“. Kingston, die Wiege des Reggae

Jamaika, Kingston, die Wiege des Reggae

Jamaika, Kingston, die Wiege des Reggae kündigt sich durch Lagerhallen rechts und links der Straße an. Waren die Häuser an der Küste und auf dem Land bunt, so sind sie jetzt eher grau und braun. Mit jedem Kilometer, den wir dem Zentrum näherkommen, werden die Gebäude größer, aber nicht schöner.

Wir passieren die Schranke zum Parkplatz vom Knutsford Court Hotel und nach kurzem Check-in und den Koffer aufs Zimmer bringen, fahren wir wieder los auf der Suche nach Jerk. Was in Berlin die Currywurst, das ist in Kingston Jerk, über Holz gegrilltes Hühnerfleisch in einer würzigen Marinade, dazu wird Maisbrot gereicht. Vor einem unscheinbaren Tresen stellen wir uns in die Schlange und bestellen einmal Jerk für alle. Die Dämmerung auf Jamaika ist kurz und noch während wir essen, wird es stockdunkel.

Trench Town

Für mich ist eine Reise nach Jamaika erst komplett, wenn ich Bob Marley, meinem Idol der Jugend gehuldigt habe. Am nächsten Tag besuche ich den Stadtteil Trench Town, genauer gesagt den Trench Town Culture Yard. Früher war es das Zuhaus von Vincent „Tata“ Ford, der Freund und Mentor von Bob Marley, heute ist es ein kleines Kulturzentrum, das Besuchern die Geschichte dieses Viertels näher bringen möchte. Trench Town, das sind eigentlich nur ein paar Straßen, aber es ist unglaublich, wie viele bekannte Musiker hier gelebt und gearbeitet haben. Bob Marley schrieb hier seinen Song „No woman no cry“ der ihm zum Durchbruch verhalf, von hier aus eroberte die Reggaemusik die Welt. Damals wie heute ist es leider nicht die beste Gegend, darum empfehle ich eine geführte Tour vom Trench Town Culture Yard durch das Viertel zu machen.

Stoneman mein Guide geht voran und ich falle auf wie ein bunter Hund, Blicke folgen mir, Kinder kommen neugierig aus den Häusern. Musik tönt aus fetten Boxen. Auch wenn das Viertel arm ist, so geben viele die Hoffnung nicht auf, den Aufstieg wie ihr Idol Bob Marley zu schaffen.

Jamaika Kingston die Wiege des Reggae

Verglichen mit der Größe Jamaikas ist der Output an Musik geradezu gigantisch und das Epizentrum liegt definitiv hier. Im Musikstudio sind alle beschäftigt und ich darf live dabei sein, als ein Song eingespielt wurde. Wer weiß, vielleicht habe ich heute den kommenden Shootingstar am Musikhimmel getroffen. Möglich ist alles.

Bob Marley

Zurück im Trench Town Culture Yard wabern dicke Rauchwolken durch die Luft, ein paar Rastas sitzen im Schatten, ziehen am Joint. Insgesamt stehen hier acht Häuschen und in einer Ausstellung erfährst du alles über die Musikgeschichte von Trench Town. In einer Glasvitrine steht Bob Marley’s erste Guitarre, im Garten rostet sein VW-Tourbus und in einem Zimmer steht sein Bett.

Bob Marley wurde 1945 unter dem Namen Nesta Robert Marley in Nine Miles, Jamaika geboren. Er war Gitarrist und Leadsänger seiner Reggaeband The Wailers und schrieb mit seinen Songs “I Shot The Sheriff”, “No Woman, No Cry” und “One Love” Musikgeschichte.

Die Musik der Band klang anfangs viel schneller, geprägt von dem damals sehr populären Ska. Lee Perry der Produzent hatte die schlaue Idee, die Musik einfach zu verlangsamen. Dieser ungewöhnliche, neue Musikstil hat das Publikum sofort begeistert, der Reggae war geboren und Bob Marley der Star. Er tourte durch Großbritannien und die USA.

Bob Marley konvertierte in den 1960ern vom Christentum zur Rastafarireligion. Seine Dreadlocks, die Erkennungsmerkmal der Rastafaris sind, wurden zu seinem Künstlermarkenzeichen.

1977 wurde bei Bob Marley Krebs festgestellt. Als überzeugter Rastafari ließ er sich jedoch nicht operieren, sodass sich der Krebs weiter ausbreitete und Bob Marley am 11.05.1981 in Miami starb. Sein Album “Exodus” wurde drei Jahre nach seinem Tod zum bestverkauften Album des Reggae.

Music everywhere

Aus einem der Häuschen tönt Reggaemusik. Ich trete ein und ein Rasta, der aussieht wie der große Bruder von Bob Marley, lädt mich ein näherzukommen. Er zieht die Regler an seinem Mischpult hoch, die Musik scheppert aus den Boxen und er singt mit. Ein zweiter Mann kommt dazu, beginnt zu tanzen. Beide scheinen zu vergessen, dass ich da bin.

Tipps zu Jamaika, Kingston, die Wiege des Reggae:

Die Reiseberichte, die ich vorher im Netz über Kingston gefunden haben sind nicht die Besten. Trotzdem finde ich, ein Besuch gehört dazu.

Kultur:

  • Trench Town Culture Yard: Der Trench Town Culture Yard bietet drei verschiedene Touren an, die Eintrittsgelder kommen der Community zugute.
    Tour 1: Museumsbesuch. Schau dir die Ausstellung an und dann setzt dich einfach dazu und warte ab, was passiert. Nach meiner Musiksession hat mir Stoneman noch seine selbst bedruckten Ponchos gezeigt und die Geschichte der Welt aus Steinen gelesen. Eintritt: 12 US$
    Tour 2: Ein kleiner Spaziergang durch die Straßen von Trench Town mit einem Guide. Es geht vorbei an Bob Marleys ehemaligem Haus, in dem er mit seiner Mutter gelebt hat und wieder zurück zum Culture Yard wo du anschließend die Ausstellung im Museum sehen kannst. Eintritt: 18 US$ Dauer ca. 90 Minuten
    Tour 3: Bei dieser Tour folgst du dem Text „Natty Dreadlock“ von Bob Marley, vorbei an seinem ehemaligen Haus. Außerdem besuchst du ein Musikstudio. Das war mir besonders wichtig und ich habe es keine Sekunde bereut! Eintritt; 30 US$ Dauer ca. 120 Minuten

Essen:

  • Devon House: Das Devon House ist ein schönes Plätzchen mitten in Kingston in einem gepflegten Park mit Häusern aus der Kolonialzeit. Auch die Jamaikaner lieben diesen Ort und du kannst hier prima Kuchen und Eis essen.
  • Red bones the Blues Café: Mach nicht den Fehler und bleib im Hotel, sondern geh aus. Absolut lohnenswert und super lecker ist ein Besuch im Red bones the Blues Café. Wenn du einen schönen Abend planst, dann solltest du unbedingt vorher reservieren. Das Restaurant ist gut besucht, das Essen wirklich hervorragend und natürlich gibt es oft live Musik.

Übernachten:

  • Ich habe im Knutsford Court Hotel übernachtet. Nichts besonderes, aber sauber, mit Pool und bewachtem Parkplatz.

Ausflüge:

  • Von Kingston aus bist du schnell in den Blue Mountains und ein Ausflug in diese Berge lohnt sich. Auf dem Weg zu einer Kaffeeplantage kam ich an vielen kleinen Boutiquehotels vorbei und beim nächsten Mal würde ich hier eine Übernachtung einplanen. Ein gutes Souvenir ist übrigens der berühmte Blue Mountain Kaffee.

Fazit:

  • Kingston ist die Letzte Station meiner einwöchigen Reise durch Jamaika. Gestarte bin ich im Westen in Negril und von dort an die Küste nach Treasure Beach gefahren. Über die Berge ging es nach Kingston und morgen bringt mich mein Flieger wieder zurück nach Deutschland. Ich bin überwältigt von der Vielfalt dieser Insel, beeindruckt von der Rastafari Kultur und inspiriert von den spannenden Menschen.

Text und Fotos Britta Smyrak

Danke an das Jamaica Tourist Board für die Einladung zu diesem spannenden Roadtrip durch Jamaika, Kingston, die Wiege des Reggae

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1 Kommentar

  • Doro sagt:

    Danke für dieses schöne Plädoyer für Kingston. Oft lese ich nämlich, Kingston sei gar nicht so interessant, dass sich das Risiko lohne, die Stadt zu besuchen. Das können wir überhaupt nicht nachvollziehen, denn auch für Nicht-Reggaelover hat die Stadt viel Sehenswertes. Schliesslich käme ja auch niemand auf die Idee, bei einer Deutschland- Rundreise Berlin auszusparen, weil es dort verhältnismässig mehr Taschendiebstähle gibt, als in Kleinkleckersdorf an der Knatter.

    Den Trenchtown Culture Yard kann ich jedenfalls allen Reggae- Fans wärmstens ans Herz legen. Und wer Glück hat, wird sogar von Oswald „Stoneman“ Comrie geführt. Ein sehr inspirierender Mensch, was er aus Steinen liest ist unglaublich! Liebe Grüsse und Gute Reise!

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