Rauf und runter mit den Buiräbähnli. Wandern im Engelbergtal.

Rauf und runter mit den Buiräbähnli. Wandern im Engelbergtal.

Morgens 9 Uhr und ich stehe an der Brändlen Talstation, einer von Bauern betriebenen kleinen Seilbahn, der sogenannten Buiräbähnli im Engelbergtal. Der Ort heißt Wolfenschiessen und liegt im Kanton Nidwalden in der Zentralschweiz. Es nieselt leicht aus dem verhangenen Himmel.

Buiräbähnli die Seilbahnen für die Bergbauern

Wenn man mit dem Zug durch das Engelbergtal fährt fallen sofort die Holzverschläge rechts und links der Strecke auf von denen Kabel steil den Berg hinaufführen. Insgesamt gibt es noch etwa 30 der über 100 Jahre alten Bergbahnen.

Ursprünglich waren die Buiräbähnli die Seilbahnen für die Bergbauern. Mit Ihnen wurden Material, Tiere und Menschen den Berg hinauf und hinuntertransportiert und jetzt eben auch Touristen.

Vor mir hängt ein altmodisches Telefon an der Wand mit vielen Knöpfen, darüber ein Hinweisschild.

Ich lese die Gebrauchsanweisung und wähle wie beschrieben die Nummer. Ich warte, es tut sich nichts. Ich wähle die Nummer erneut. Wieder nichts.

Wenn niemand antwortet, soll man in die Kabine einsteigen, dort die Anleitung beachten und die Fahrt selber starten. Die Kasse für meinen Abschnitt aus dem Buiräbähnli-Pass befindet sich oben in der Bergstation.

Ich steige in die Bahn, drücke den roten Knopf und tatsächlich, die Gondel setzt sich langsam in Bewegung und fährt den Berg hinauf durch den Nebel.

Auf halber Strecke kommt die zweite Gondel entgegen, denn jede Strecke wird von zwei Gondeln bedient.

Im Regen. Wanderung zur Alp Oberfeld.

Oben am Brändlen angekommen werde ich von einem Hund freundlich begrüßt. Ein Hinweisschild bittet darum, den Hund anzuleinen, falls er hinterherläuft. Allerdings hat der Hund heute keine Wanderambitionen, ganz im Gegensatz zu der kleinen Katze, die mir unbeirrt folgt.

Vom Brändlen geht es nach einem kurzen und steilen Aufstieg bis Schmiedsboden. Dort übergebe ich die kleine völlig durchnässte Katze mit der Bitte um Rückführung zum Brändlen. Sie wird vorerst im Katzenrudel aufgenommen.

Von Schmiedsboden fahre ich mit dem Buiräbähnli abwärts bis Oberrickenbach. Der Regen wird stärker.

Nach einem kurzen Fußmarsch durch den Ort erreiche ich die Talstation in Fellboden. Von hier fahre ich mit zwei Bahnen hoch zur Alp Sinsgäu. Die Gondeln werden immer ausgefallener. Diese Safari gehört ohne Zweifel zu den ausgefallensten Wanderungen in der Schweiz.


Oben angekommen wandere ich durch strömenden Regen zur Chrüzhütte. Ich mache eine kurze Rast, esse einen Happen. Trotz Regenjacke bin ich nass bis auf die Unterhose.

Auf dem bekannten Walenpfad geht es weiter bis zur Alp Oberfeld, vorbei am Bannalpsee und ich träume von einer heißen Dusche.

Alp Oberfeld, die Ziegenalp in der Schweiz.

Leider hat die Alp Oberfeld weder eine heiße Dusche noch Heizung oder Licht im Zimmer. Mit klammen Fingern verteile ich die nassen Klamotten im Raum in der Hoffnung, dass sie irgendwie trocknen und wickel mich bis unter die Nase im Schlafsack ein, um es wenigstens ein bisschen warm zu haben. Aus dem Stall nebenan höre ich das Glockenläuten und Meckern der Ziegen. Bei diesem Wetter haben sie auch keine Lust auf die Alm und ziehen es vor im Stall zu bleiben.

Am nächsten Morgen weckt mich das Gebimmel der Glocken und ich sehe durchs Fenster, wie die Ziegen nach dem Melken aus dem Stall strömen. Pünktlich um 7 Uhr hängt der Kessel mit frischer Ziegenmilch über dem Feuer. Die Käseproduktion ist in vollem Gang.

Ich frühstücke, packe meine Sachen zusammen und mache mich wieder auf den Weg. Zögerlich gibt der Nebel die Gipfel frei.

Dann endlich, die Sonne bannt sich mühevoll ihren Weg und ich stehe über den Wolken. Über mir der blaue Himmel, die wärmende Sonne und ich ahne, wie gigantisch die Landschaft um mich herum ist.

Auf dem Walenpfad zur Brunnihütte.

Von der Ziegenalm führt mein Weg zu einer Kuhalm und ich werde neugierig beäugt. Wie Grenzposten stellen sich die Kühe vor mir auf und denken gar nicht daran, auch nur einen Schritt zu weichen. Warum auch. Schließlich ist das ihre Alm.

Ich zögere kurz, eigentlich sind Kühe nur mit Kalb gefährlich, aber stimmt das auch? Ich glaube die Kühe amüsieren sich prächtig über mich und mein hilfloses Gezappel mit den Armen. Erst als ich einen großen Stock finde, mit dem ich sie beiseite knuffen kann, verschaffe ich mir kurzzeitig Respekt und sie machen Platz. Sie behalten mich aber im Auge. Und als ich schon ein Stück weiter unten bin, fangen sie plötzlich an muhend in meine Richtung zu rennen. Ich beschleunige meinen Schritt, versuche den Abstand zu halten und bin froh den Übergang zur nächsten Almwiese zu erreichen.

Auf dem Walenpfad wandere ich weiter Richtung Brunnihütte. Eigentlich ist das eine großartige Panoramawanderung in der Schweiz, aber leider steigen die Wolken aus dem Tal auf und hüllen mich wieder in undurchdringlichen Nebel ein.

An der Brunnihütte angekommen entscheide ich mich für den Sessellift und die Luftseilbahn zurück nach Engelberg. Es macht einfach keinen Sinn, durch den feuchten Nebel zu irren.

Diese Fahrten sind im Bähnlipass nicht enthalten und müssen separat bezahlt werden. Meine Wanderung ist zu Ende. Leider habe ich nicht viel von der Landschaft  gesehen. Aber so ist das manchmal in den Bergen.

Zurück in Engelberg gehe ich zu Fuß direkt zur Bahnstation und fahre zum Flughafen nach Zürich.

Wer wissen möchte, wie toll die Gegend eigentlich ist und was das für eine großartige Rundwanderung in der Schweiz ist, dem empfehle ich den Artikel Walenpfad Höhenwanderung mit wirklich tollen Fotos.

Infos zur Buiräbähnli-Safari:

Auch wenn meine Wanderung in der Zentralschweiz buchstäblich ins Wasser fiel, möchte ich die Buiräbähnli-Safari empfehlen, denn es ist ein kleines Abenteuer in diesen alten Seilbahnen den Berg hinaufzufahren. Die ganze Rundwanderung im Engelbergtal dauert insgesamt drei Tage und die Anreise mit der Bahn ab Zürich ist unkompliziert.

Den Buiräbähnlipass gibt es im Tourist Center in Engelberg, Klosterstrasse 3, 6390 Engelberg oder online im Webshop. Der Pass beinhaltet 9 Buiräbähnli im Engelbergertal und kostet für Erwachsene CHF 47.00

  •       Mettlen – Rugisbalm – Lutersee
  •       Geissmattli – Büelen
  •       Diegisbalm – Wolfenschiessen
  •       Oberalp – Diegisbalm (nur bei Zusatzschlaufe erforderlich)
  •       Zälgli – Brändlen
  •       Schmiedsbode – Oberrickenbach
  •       Fell – Spies
  •       Spies – Sinsgäu
  •       Oberbord – Engelberg

Weitere Informationen und Beratung zu Reisen in die Schweiz findest du bei Schweiz Tourismus unter Telefon 00800 100 200 30 (kostenlos)  und Telefax 00800 100 200 31 (kostenlos) oder bei www.MySwitzerland.com  und  info@myswitzerland.com.

Text und Fotos Britta Smyrak.
Zu dieser Buiräbähnli-Safari wurde ich von Engelberg-Titlis Tourismus AG eingeladen.

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