Bis ans Ende der Welt. Mit Kind bis nach Neuseeland reisen. Teil 1

Bis ans Ende der Welt. Mit Kind bis nach Neuseeland reisen

18.000 Kilometer! Wir sind 18.000 Kilometer geflogen! Einmal mit Kind bis nach Neuseeland reisen bedeutet fast einmal um die halbe Welt fliegen, über 30 Stunden im Flugzeug verbringen und mit einer Zeitverschiebung von exakt 12 Stunden kämpfen. Wenn hier Tag ist, ist dort Nacht, wenn wir Heute sagen, ist dort schon Morgen. Ich bin skeptisch, ob sich der Aufwand lohnt. Aber es gab Nachwuchs in der Familie und Lilia ist ganz wild darauf ihre kleine Cousine kennenzulernen.

9. Dezember Abflug. Mit Kind bis nach Neuseeland reisen.

Wenn in Berlin Winter ist, ist auf Neuseeland Sommer, also kommen für uns als Reisezeitraum nur die Weihnachtsferien infrage. Ich stelle einen Sonderantrag an der Schule und wir dürfen Lilia eine Woche vorher aus dem Unterricht nehmen. Ab Berlin fliegen wir mit China Air über London und Hong Kong nach Auckland und landen nach knapp 30 Stunden gegen Mittag in der Stadt. Wir haben insgesamt drei Wochen Zeit, zu wenig für die Nord- und die Südinsel, darum konzentrieren wir uns auf den Norden.

Nicht einschlafen, durchhalten bis zum Abend, es klappt besser als erwartet. Zum akklimatisieren verbringen wir die ersten Tage mit der Familie ein Stück südlich von Auckland am Meer in Tauranga. Das Wetter in Neuseeland ist leider enttäuschend. Bewölkt, Nieselregen. Kein Sommer in Sicht. Lilia geht trotzdem baden und freundet sich mit der Hündin Maja an. Auch ein entferntes Familienmitglied und ungefähr so groß wie ein Kalb.

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15.12. Unser Camper heißt Jucy

Zurück in Auckland, das Abenteuer beginnt. Für 7 Tage mieten wir einen Camper und wagen das Experiment. Wir sind noch nie in einem Camper unterwegs gewesen und wollen testen, ob wir uns für diese Art des Reisens überhaupt eignen oder uns nach einer Woche so auf die Nerven gehen, dass es kracht. Wir entscheiden uns für einen Camper von Jucy mit Platz für bis zu 4 Personen. Er ist relativ klein, und zum Schlafen müssen wir ihn jeden Abend umbauen, aber wir wollen auch nicht mit einem riesigen Lkw über die Insel fahren. Außerdem rechnen wir fest mit gutem Wetter und der Chance viel draußen zu sein. Wichtig ist für uns auch, dass wir zu dritt vorne sitzen können und keiner hinten alleine versauern muss. Der Jucy ist nicht zu übersehen.

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Im Laufe der Reise treffen wir viele andere Jucyfahrer und egal ob auf den Campingplätzen oder auf der Straße, Jucyfahrer grüßen sich! Die Fahrt führt durch eine liebliche Hügellandschaft, ganz typisch für die Nordinsel

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Unsere erste Station sind die weltberühmten Waitomo Caves, die Glühwürmchenhöhlen. Wir übernachten auf dem sehr schönen Waitomo TOP 10 Holiday Park und besuchen am nächsten Tag die Glühwürmchen.

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16.12. Waitomo Caves

Eintritt: 50 NZ$ für Erwachsene, 23 NZ$ für das Kind. Wer mit Kind bis nach Neuseeland reisen möchte, der muss wissen, Neuseeland ist kein günstiges Reiseland. Alles ist super organisiert, alles sauber und sicher, aber wenn du etwas erleben möchtest, kostet es Eintritt und das nicht zu knapp. Wir steigen in die Höhle hinab und sind froh unsere Jacken dabei zu haben, denn wie immer ist es unter der Erde empfindlich kalt. Wir gehen vorbei an Stalaktiten, schauen in kleine Nebenhöhlen und lernen, dass es gar keine Glühwürmchen sind, die hier im Licht glitzern, sondern Pilzmückenlarven, die mit ihren leuchtenden Fäden ihre Beute anlocken. Lecker! Am Ende der Höhle steigen wir in ein Boot und lassen uns durch die Dunkelheit gleiten. Ein Highlight ist, als alle Lampen ausgeschaltet werden und wir tatsächlich nur die glühenden Fäden über unseren Köpfen sehen. Es hat etwas magisches, unwirkliches und ich wäre gerne länger in der Höhle geblieben.

17. 12. Rotorua im Regen

Am nächsten Morgen hat das Wetter leider gewechselt. Dauerregen. Trotzdem steuern wir unser nächstes Ziel Rotorua an. Die Gegend ist nicht zu verfehlen, denn es stinkt. Je nach dem, aus welcher Richtung der Wind weht, kriecht der Geruch nach faulen Eiern unsere Nasenlöcher hoch. Wir fahren auf einen Campingplatz direkt am See, dem Lake Rotorua, aber hier pfeift uns der Wind so heftig um die Ohren, dass wir schnell wieder ins Auto steigen und weitersuchen. Schließlich landen wir auf dem All Seasons Holiday Park Rotoru, wo uns Dinosaurier aus dem Gebüsch anstarren. Wir essen im Ort, der im Sommer (kl. Scherz) bestimmt ganz einladend ist. Die Laune ist auf dem Tiefpunkt. Wir verkrümeln uns alle früh in unsere Betten und hoffen auf Sonnenschein. Unsere Stoßgebete werden nicht erhört und am nächsten Tag wandern wir in strömendem Regen durch Wai-O-Tapu. „Explore spectacular nature at New Zealand’s most colourful volcanic area.“ heißt es in der Beschreibung. Davon ist heute leider nicht allzu viel zu sehen.

Nach einer Stunde sind wir komplett durchgeweicht. Uns ist kalt und wir schenken uns die blubbernden Schlammlöcher. Schade. Besonders auf diesen Ausflug hatte ich mich so gefreut, denn diese Szenerie ist wirklich einzigartig. Eintritt für: Erwachsene 32, 50 NZ$, Kinder 11 NZ$ (Familientickets lohnen sich immer erst für Familien mit mindestens zwei Kindern)

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Da die Wettervorhersage für den Süden der Insel nichts Gutes verheißt, ändern wir unseren Plan, streichen den Lake Tapu von unserer Liste und fahren einen Tag früher als geplant zurück in den Norden auf die Halbinsel Coromandel. Lilia ist sauer, sie wollte unbedingt die Hobbithöhlen in Matamata besuchen. Es liegt auf dem Weg, aber ich weigere mich, heute das Auto noch einmal zu verlassen. Der Jucycamper ist leider sehr windanfällig. Wir haben Mühe bei den heftigen Seitenböen auf der Straße zu bleiben. Am Ende kriechen wir mit 20 Meilen in der Stunde über die Landstraße und hoffen, dass die Scheibenwischer nicht abfliegen oder uns ein Lkw einfach von der Straße schiebt. Die Fahrt ist anstrengend und selbst die 50 Millionen Schafe scheinen bei dem Wetter wie vom Erdboden verschluckt zu sein. In den letzten Tagen sah man sie wie weiße Maden auf den grünen Hügeln stehen oder liegen. Heute keine Spur von ihnen.

Gegen Abend hört der Regen endlich auf. Wir sind spät dran und schaffen es unmöglich noch weiter nach Norden zu fahren. Wir entscheiden uns spontan für eine Nacht in einem B&B in Thames zu bleiben. Der Jucy klettert tapfer eine enge Straße den Berg hinauf bis zum Grafton Cottage. Ein wirklich ganz bezaubernder Ort. Kurzfristig haben wir die Nase voll vom Camping und beziehen ein hübsches Zimmer mit Aussicht. Kaum sitzen wir auf unserer kleinen Terrasse reißt mit einem Mal der Himmel auf und nach  zwei Tagen sehen wir wieder die Sonne! Ab jetzt wird alles gut. Wir sind sicher. Mit Kind bis nach Neuseeland reisen, die Fortsetzung findest du hier!

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Unsere geplante Route:

Auckland – Waitomo caves – Rotorua – Thames – Coromandel Hot Water Beach – Orea- Russel (Treaty ground und Isles of plenty) – Auckland

Text und Fotos Britta Smyrak

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