Ich glaube, ich will Golf lernen im Genferseegebiet!

ich will Golf lernen im Genferseegebiet

Ich will Golf lernen im Genferseegebiet! Dass ich das oder etwas ähnlich Positives über diesen Sport mal sagen würde, hätte ich vor wenigen Jahren vehement abgestritten. Lustig, was die Bergluft und -kulisse so mit einem macht …

Golf? Kann man machen!

Jedenfalls habe ich an dem zwei Stunden dauernden Einführungskurs in einer kleinen Gruppe im hochalpinen Golfclub Villars von Villars-sur-Olon einen Mordspaß. Vielleicht liegt es daran, bei dem Profigolfer Gustave Chable die Ehre gehabt zu haben, der peinlich aussehende Trockenübungen mit uns macht? Oder die Erkenntis, dass eher Körperbeherrschung dazu gehört als viel Kraft?

Der Japaner ist immer mit dabei.

Dieser Satz des Lehrers lehrt mich: Geh galant in die Knie, kleine Vorbeuge, hol Schwung aus der Hüfte. Der Move mit dem Schlag aus dem Handgelenk, der danach kommt, sitzt. Ich schwöre.

Übrigens: Wenn du in den benachbarten Orten Villars-sur-Olon, Les Diablerets oder Gryon übernachtest, bekommst du dein Einsteigertraining auf diesem Golfplatz auch for free. Immer Donnerstags, Freitags und Sonntags. #onlyinswitzerland sage ich da nur … Das ist übrigens die kleine schnuckelige Bahn, die einen zum Golfplatz bringt. Aber ich will gar nicht ablenken. Denn eigentlich wird es jetzt gerade ziemlich unschön für mich.

Tiger Woods hätte die Krise geschoben.

Nach der Phase mit interessanten Erklärungen der verschiedenen Hölzer und Eisen und deren völlig unterschiedlichen Schlagflächen (Lehrer) und der Phase des sich-zum-Nappel-machens bei den Trockenübungen (ich) folgt eine seeehr lange sehr unangenehme Phase.

Es ist nämlich der Teil des Kurses, in dem du 50 kleine Golfbälle in einem Körbchen hingestellt bekommst und versuchen darfst, diese ebenso elegant schön weit in die Butnik zu schlagen. Eine äußerst frustrierende Phase, da natürlich von nur spärlichen Erfolgen gekrönt.

Ich für meinen Teil habe immer noch die Horrorgeschichte von einer Mitreisenden im Kopf, die den Schläger einer anderen Übenden um die Ohren gehauen bekommen hat bei so einer Übung, weil sie ihn nicht richtig festgehalten hatte (ja, ich weiß, solche Geschichten werden mit der Zeit immer schlimmer, aber ich habe die meiner Meinung nach nun völlig berechtigte Angst, dass sich mein Eisenhauer in wenigen Sekunden unschön in den Hinterkopf meiner Kollegin bohren wird.)

Golftrainer Genfer Seengebiet @looping-magazin

Jedenfalls klammere ich mich deswegen offenbar recht krampfartig an meinem Eisen fest. Ich schiele immer bei einem misslungenen Schlag um mich, ob jemand von den anderen Schülern gerade schaut. Verrückterweise entpuppen sich die anderen unterschiedlicher als gedacht: Stille Golfwasser sind tief. Ich komme nie nur bis in die Nähe des kleinen Teiches, über den der Ball vom coolen Gustave vorhin so easy rübergeflogen ist. Einige andere aus meiner Gruppe hingegen machen sich richtig, richtig gut. Ich will das auch! Ich will Golf lernen!

Es kommt nur auf die Technik an.

Und plötzlich erlebe ich einen unglaublichen Aha-Effekt: Kurz nachdem sich der Golfprofi die Zeit nimmt, mir zu erklären, dass ich mich locker machen soll. Ich lache. Ich versuche. Ich schwinge. Und probiere jetzt nochmal die Sache mit dem Handgelenk statt mit Muckis. Und ich muss sagen: Meine nächsten Schläge werden der Hit. Tiger, wo bist du? Ich kann’s doch!

Hochmotiviert platziere ich die kleinen weißen Golfbiester immer mehr in die Nähe des Tümpels. Verdammt, es macht mega Spaß! In mir brennt der Ehrgeiz, schneller noch besser werden zu wollen. Doch nein!!! Meine 50 kleinen Freunde sind schon in die ewigen Jagdgründe des Golfplatzes verteilt. Dilettantisch. Von mir höchstpersönlich. Tja, und mehr gibt’s heute nicht. Denn wir sollen lieber wieder etwas Neues lernen. Mist.

Putt, Putt, Putt.

Jetzt hier auf dem Putting-Green kommt es plötzlich nicht mehr auf Schwung an. Sondern auf Gucken. Und im richtigen Winkel stehen. Und ein Gefühl von Pendeln. Also irgendwie exakt dem Gegenteil von eben. Spannend, und ich dachte immer, das Golf ewig gleich wäre. Nix da. Mal ist eine Anhöhe die Schwierigkeit, mal ein abschüssiger Hang. Man muss gucken lernen, abschätzen, vorausschauen, mitdenken. Mag ich.

Ich versuche den Ball zum Rollen zu bewegen, als wäre ich so konzentriert und gleichmäßig wie das Pendel einer Standuhr. Mit den anderen Greenhorns starten wir einen Wettbewerb. Ich komme in die zweite Runde. YES, I CAN! Und dann fliege ich, wahrscheinlich wegen des zu schnell zu groß gewordenen Selbstbewusstseins, doch noch hochkant raus. Das Siegerstrahlen in ebenso strahlender Schweizer Traumlandschaft gehört den anderen Beiden:

Bonjour, Les Diablerets!

Völlig undiabolisch im Gegensatz zum Namen dieses kleinen, ruhigen Ortes läuft mir eine Katze entgegen, die unbedingt meiner Liebe bedarf. Gerne. – Später, bei köstlichem Käse und dessen spektakulärer Zubereitung im Hotel de la Poste, werde ich dann verwöhnt. Kein Wunder, wird doch die Gegend hier mit Michelin und Gault Millau Lobpreisungen tapeziert wie in Berlin Mitte die Stromkästen: Gastronomieführer Guide Michelin vergab gerade 16 Sterne an 11 Restaurants im Genferseegebiet; im Gault Millau hagelte es für 98 Restaurants 1.368 Punkte.

Kugelrund und glücklich.

So laufe ich Nachts durch die stillen Straßen. Alle Holzgiebelhäuser von Les Diablerets sind in die gleiche Richtung ausgerichtet und verstärken mit ihrem Leuchten mein Bergglück. Auf dem Heimweg lasse ich mir die für den Ort namensgebenden Geschichten der Kobolde und kleinen Teufelchen erzählen, die man bei Tag an den Fassaden sehen kann.

Besonders zu empfehlen ist für alle Käsefans auch der Vacherin Mont-d‘Or, ein Kuhmilch-Weichkäse, den du heiß genießt. Herrlich auch die Läden und Öffnungszeiten in diesem Ort: wie wohltuend für mein gestresstes Großstadtgemüt!

Na klar bin ich neugierig: Deswegen muss ich das Nationalgetränk aus Les Diablerets auch probieren. Nach einer kleinen Alpenwanderung bekomme ich ihn als „Belohnung“. Heidewitzka, ein herrliches Teufelszeug!

SAMSUNG CSC

Während ich das Genferseegebiet entdecke, berausche ich mich hingegen lieber wieder an der Aussicht als an oben genanntem. Auch in den Lavey Thermalquellen in Lavey-les-Bains liebe ich diesen Blick in die Berge.

Als wärmste Thermalquelle der Schweiz bekommt man hier mit Innen- und Außenpools auf 1.000 Quadratmetern alles, was man sich wünscht: von Whirlpools mit Massagedüsen, Kaskaden oder sprudelnden Wasserbetten über Lichträume mit Farbtherapie, Hamam, Sauna und Co. Meine schrumpeligen Daumen recken sich begeistert in die gute Schweizer Luft: Bis bald!

Du möchtest noch mehr über das Genferseegebiet wissen?

Ich will Golf lernen im Genferseegebiet! Dankesstürme für meine neue Sportart an den charmantesten Golflehrer der Welt Gustave Chable und das komplette Team vom Golfclub Villars. Respekt an Dominique Geissberger von Vilars Tourisme für ihr überraschend überragendes Golf-Talent. Freude über das Powergirl aus Les Diablerets Francesca Martini und danke, liebste Melanie Schacker von PR Solutions, für die unvergesslichen Horrorgeschichten. Ich könnte dir ewig zuhören. 

Fotos und Text: Sabine Neddermeyer

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4 Kommentare

  • Mario sagt:

    Hallöchen,

    also unser Motto lautet „Spielst Du schon Golf oder hast du noch Sex?“… 😉

    Spass beiseite. Es ist ein guter Artikel mit schönen Bildern.

    Gruß Mario

  • Hallo Mario,
    danke für dein Lob und danke noch vielmehr für diesen wichtigen Hinweis. Ich werde natürlich ab sofort meine neu entbrannte Golf-Leidenschaft als streng gehütetes Geheimnis in meinem Herzen tragen.
    Beste Grüße von Sabine

  • Witzig, irgendwie höre ich das in letzter Zeit öfter, aber das Panorama ist auch wirklich fsmtastisch. Golf verändert sein Image in letzter Zeit enorm und es ist auch nicht mehr ganz so teuer, hab ich das Gefühl.

    • Hallo Traevelingkinder, hast du es schon mal ausprobiert? Es ist vor allem sportlicher als ich dachte. Von wegen nur für Rentner. Bis du den richtigen Schwung hast, musst du ganz schön viele Bälle kloppen, und wenn du dann auf dem Platz spielst, geht es auch um Tempo, denn von hinten kommen die nächsten Spieler. Also immer schön in flottem Schritt von Loch zu Loch! Und ja, die Kulisse ist der Hammer. Da haben die Planer für Golfplätze oft ein gutes Händchen bewiesen. Nach einem Tag auf dem Golfplatz lässt es sich auf der Terrasse eines Golfklubs gut aushalten. Ich bin definitiv kein Profi, aber wenn sich die Gelegenheit bietet, fange ich immer wieder gerne von vorne an.

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