„Und ansonsten, einfach schreien lassen.“

Auf meinem Flug nach Kreta bin ich mit Condor geflogen. Das ist für mich der Ferien- und Familienflieger überhaupt und das hat sicher mit der Geschichte der Airline zu tun, denn zeitweise war Condor die größte Charterfluglinie der Welt und hat Millionen Gäste mit den „Jumbos“ in den Urlaub geflogen. Und heute, was macht Condor so sympathisch, wie funktioniert das Fliegen mit Kindern und wie können sich Airlines noch voneinander unterscheiden, außer über den Preis? Sind es die klatschenden Gäste bei der Landung oder das Personal? Ich frage mal nach bei der Purserette des heutigen Fluges Melanie L.

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Hallo Melanie, was ist eine Purserette?
Eine Purserette ist sozusagen die Chefin der Kabine. Ich bin verantwortlich, die Kabinencrew, also mein Team, zu führen und die fehlerfreien Abläufe an Bord sicherzustellen. Das Wichtigste in der Luftfahrt ist immer die Sicherheit und wir nehmen dieses Thema sehr ernst. Daneben sind wir für den Service an Bord zuständig, schließlich möchten wir ja, dass sich unsere Gäste an Bord wohlfühlen. Aber wie gesagt: Sicherheit steht immer an erster Stelle.

Ich merke schon, bei dem Thema Sicherheit kennt Melanie keinen Spaß.

Seit wann fliegst du mit der Condor?
Ich habe 1996 in Berlin als Flugbegleiterin bei der Condor Berlin angefangen und bin seit 1998 Purserette. Ich bin mit der ersten Maschine ab Berlin geflogen, der Charly Alpha.

Was bedeutet Charly Alpha, das klingt aus deinem Mund richtig liebevoll?
Unter Airlinern sprechen wir über ein Flugzeug immer mit den letzten beiden Buchstaben der Registrierung. Das war der Airbus 320 mit der Registrierung D-AICA. Das ist übrigens die gleiche Maschine, in der wir gerade sind.

Huch, aber die sieht gar nicht so alt aus?
Ein Flugzeug wird nicht alt, wenn man es gut wartet. Innen wurde die komplett renoviert, aber die Maschine ist die gleiche. (Melanie grinst). Und von außen haben wir sie im Retrolook der 1960er Jahre gestaltet und Hans getauft. Die Passagiere lieben unseren Hans!

Das kann ich mir gut vorstellen, denn es schwingt ein bisschen Nostalgie mit im Flugzeug.

Auf welchen Strecken kann ich dich treffen?
Ich fliege europaweit alle Strecken ab Berlin. Das Weiteste sind die Kanarischen Inseln oder Ägypten. Die Langstreckenflüge werden nur ab Frankfurt, München, Wien und neu jetzt auch Köln geflogen, aber ich habe zwei Kinder, da bleibe ich lieber in Berlin.

Zwei Kinder und das funktioniert?
Ja, das ist das Gute bei der Condor, ich kann Teilzeit arbeiten und komme jeden Abend nach Hause.

Das hört sich gut an und Melanie sieht dabei auch ganz glücklich aus. Kommen wir jetzt mal zu Sache.

Was würdest du sagen ist das Besondere an der Condor, warum bist du hier?
Das Arbeitsklima. Der Umgang miteinander ist sehr nett. Das Team wird ja immer wieder neu zusammengewürfelt und ich habe viele nette Kollegen. Das Arbeiten macht Spaß. (Sie überlegt kurz) Schade ist nur, dass die Layovers * seltener sind. Das hat immer Spaß gemacht. Und Condor ist eine sichere Airline. Das ist mir auch wichtig.

Das leuchtet mir ein, denn schließlich möchte Melanie auch jeden Abend wieder zurück zu ihrer Familie. Ich jedenfalls fühle mich bei ihr gut aufgehoben.

Wie funktioniert das Fliegen mit Kindern, was rätst du Familien?
Ach, das ist eigentlich ganz einfach. Viel Zeit einplanen, damit man den Urlaub entspannt beginnen kann. Während Start oder der Landung ein Kaugummi kauen oder ein Bonbon lutschen, das macht den Druckausgleich einfacher. Babys am besten trinken lassen. Und es gibt Ohrenstöpsel, die man auch hier an Bord kaufen kann, die sollen gegen die Ohrenschmerzen helfen, aber ich habe sie selbst noch nicht ausprobiert. Und ansonsten, einfach schreien lassen. Das hilft auch.

Ich mag diese unorthodoxe Antwort, denn jeder ist ja ständig bemüht etwas zu tun, wenn ein Kind schreit. Aber warum die Angelegenheit nicht ganz entspannt sehen. Kurzer Schrei, Ohr wieder frei und alles ist gut. Dauert ja nicht ewig.

Sind Kinder wirklich so schlimm, wie alle denken?
Ich hatte noch keine schlimmen Kinder. Es gibt Erste Hilfe-Situationen wie Ohnmachtsanfälle, die sind viel eher eine Herausforderung als Kinder. Die sind easy. Und mit ein bisschen Charme geht alles. Außerdem gibt es bei Condor altersgerechte Spiele. Das hilft gegen die Langeweile.

Bei der Gelegenheit zeigt sie mir das gesamte Sortiment, angefangen von der Rassel über ein Malbuch bis zu Würfelspielen, Vier gewinnt und Geschicklichkeitsspielen. Damit kann das Fliegen mit Kindern ganz entspannt sein. Außerdem gibt es ja auch noch das Bordprogramm. Kopfhörer nicht vergessen!

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Hand aufs Herz, wer sind die schwierigeren Gäste, Kinder oder Erwachsene?
Condor ist einfach familienfreundlich, wir zeigen tolle Filme und auf den Langstrecken würde ich sagen, iPad mitnehmen. Ich glaube, es gibt keine „schwierigen“ Gäste – jeder ist halt anders, aber das gehört ja zu meinem Job, dass ich mich darauf einstelle und sich am Schluss jeder bei uns wohlfühlt.

Oh ja, auf das iPad würde ich auch nicht mehr verzichten wollen. Melanie bleibt ganz entspannt und das liegt einfach daran, dass sie gerne mit Menschen zu tun hat. Sie gerne „betüddelt“ wie sie sagt.

Und ist dir schon mal was Peinliches passiert?
Ja, eine Sache, die ist aber schon ewig her, da saß eine Frau im Exit Bereich und ich dachte sie ist schwanger und wollte sie woanders hinsetzten. Sie war aber nicht schwanger.

Melanie lächelt und ich glaube mit dem Lächeln hat sie die Situation damals auch charmant gemeistert.

Melanie, danke für das nette Gespräch und ich hoffe ich treffe dich wieder.

Der Flieger landet, die Gäste klatschen vereinzelt, und ich bin, wie immer froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Der Flug war angenehm und ich fühlte mich bei Melanie und dem gesamten Team gut aufgehoben. Und was macht jetzt den Unterschied? Ich glaube, es sind die Menschen, die mich an Bord begrüßen. Natürlich kann ich damit auch mal Pech haben, denn wir wissen ja, jeder hat mal seinen schlechten Tag hat. Aber wenn die Crew sich untereinander gut versteht und gerne zusammenarbeitet, dann färbt das sicher auch auf die Gäste ab. Und das macht dann eben den Unterschied! Ganz ehrlich, das ist mir wichtiger, als auf jeden Euro zu schauen. Schließlich geht es um meinen Urlaub, die schönste Zeit im Jahr und da will ich mir nicht die Laune verderben lassen. Und für gute Laune sorgen sogar die sick bags an Bord. Herrlich!

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Für den Urlaub am Strand gibt es bei der Condor auch Wasserbälle. Meiner hat mich auf Kreta in die schönsten Hotels begleitet, bis er mit vom Pool gehüpft ist. Viel Spaß dem glücklichen Finder!

*Layovers sind die Übernachtungen an der Zieldestination bevor es wieder zurückgeht.

 

Fotos: Britta Smyrak

Danke Condor für den Flug samt Upgrade und an Melanie für das sympathische Gespräch.

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