Norwegisch by Nature.

Zum Skifahren nach Trysil

Als ich in diesem Jahr das Angebot bekam, nach Norwegen in die Nähe von Oslo zum Skifahren nach Trysil zu fahren, war ich erst mal perplex. Und ich muss sagen: Dieser Zustand hielt an.

Looping-Trysil-Norwegen-Morgenlicht

Auf in den Norden zum Skifahren nach Trysil

Genauer gesagt zog er sich durch das gesamte Wochenende, das ich in Trysil, Norwegens größtem Skigebiet, verbrachte. Das ging schon bei der Anfahrt los. Ich FLOG diesmal in die Skiferien, was ich an sich schon lustig fand. In skandinavische Länder bin ich sonst nur mit dem Auto und der Fähre gefahren. Klar, so eine Fährfahrt dauert immer seine Zeit. Jetzt aber war ich innerhalb von nur einer Stunde ab Berlin in Oslo! Und von da aus, also wirklich direkt vom Flughafen aus, in nochmal zwei Stunden mit dem Bus ins Skigebiet. ZÄCK, abgeworfen in Trysil direkt vor dem Hotel. Sonst war Norwegen für mich immer nur Fjorde, Holzhäuser und Seen. Dass sich ziemlich nah an der Grenze zu Schweden ein Ski-Eldorado mit 71 km Pistenkilometern verbirgt, fand ich ziemlich cool.Skigebiet-Trysilfjellet-Norwegen

Spaß hoch 3:

Der Trysilfjellet, so nennt sich das Skigebiet auf norwegisch, geht bis hoch auf 1.132 Meter. Wie du siehst, kannst du auf drei Seiten des Berges Pistenspaß haben. Und das nicht zu knapp – mit insgesamt 67 Pisten ist das Skigebiet im Vergleich zu Alpenverhältnissen zwar noch übersichtlich, aber jede Schwierigkeitsstufe findet hier ihr Glück. Es lohnt sich also zum Skifahren nach Trysil zu kommen.

Zurück zu meiner Perplexität: Am Freitag Abend kamen wir an. Was uns sofort erwartet, ist nicht Abendessen, Beine hoch, ab an den Kamin (schade eigentlich, denke ich noch).

Sondern wir gehen Flutlichtfahren. Irre! Das hatte ich mich noch nie getraut. Äh, haben die Rettungsdienste um diese Uhrzeit nicht schon Feierabend? Sitzen die nicht gerade schon mit allen Anderen beim Après Ski? Was ist, wenn ich mir gleich am ersten Abend ein Bein eingipsen lassen muss? Wiepeinlich wäre DAS bitte?

SAMSUNG CSC

 

Die Kids, die an mir vorbeidüsen, zerschneiden mit ihrem Juchzen meine lächerlichen Sorgen. – Danke! Hach, in den Bergen müsste man wohnen, denke ich stattdessen nun. Wie immer, wenn ich das Prasseln des Schnees durch den Schwung meiner Ski genieße. Und dieser Genuss ist perfekt. Denn ich merke, dass die Hänge an diesem Abend gar nicht voll sind, im Gegenteil. Plötzlich fühle ich mich ganz wunderbar. Hallo, Norwegen!

Rock’n’Moen!

Samstag morgen steht eine Langlaufstunde mit Anita Moen an. Um es mal vorweg zu nehmen: Da war plötzlich mein Mann mal perplex. Denn er ist so einer von der Sorte, die sich immer über Ski-Langlauf lustig gemacht haben. Das  wäre ja nix. Macht keiner, dazu muss man nix können et cetera pp. ABER: Da kannte er Anita Moen noch nicht.

Looping-Trysil-Skilanglauftraining

Diese blonde tolle Powerfrau hat für Norwegen bereits unzählige Medaillen bei Weltmeisterschaften geholt. Und bei Olympischen Spielen war sie dreimalige Silbermedaillen-Gewinnerin und einmalige Bronzemedaillen-Gewinnerin im klassischen Stil. Ich bin ja seit meiner Kindheit bekennender Skilanglauf-Fan, denn ich finde, das ist mindestens genauso toll wie joggen. Es macht den Kopf frei und trainiert dabei alle möglichen Muskeln. Doch was ist das bitte für ein Hammergefühl, heute mit einer Olympionikin laufen zu gehen? Ich bin aufgeregt.

Ski, Satz, Sieg.

Premiere: Das hier ist gerade die erste Sportart in meinem Leben (und höchstwahrscheinlich auch die einzige), bei der ich mal besser bin als mein Mann, ätsch! Die Technik kann man aber auch nicht von jetzt auf sofort: langgezogene Schritte, dabei das hintere Bein lange nach hinten raus schwingen und dabei die Balance halten. Ich laufe, seitdem ich drei Jahre alt bin. Sicher machst du, wenn du auch Yoga und Pilates machst, schnell eine gute Figur und gleitest grazil und superschön schnell durch die Landschaft. Anita Moen lobt meinen Stil und ich schweeebe die restliche Stunde einen halben Meter über die Loipen.

Looping-Trysil-Ski-Anita-Moen-Mama-Tochter

Oh Gott, sie ist ein Star.

Jeder, den wir unterwegs treffen, spricht sie an. Sie erklärt uns, dass sie gerade in einem TV-Reality-Format mitgemacht hat. Bei Dropped werden Profisportler in der Wildnis ausgesetzt und müssen sich bis zur Zivilisation durchschlagen. Wir lernen also die Herzlichkeit wildfremder Norweger kennen. Wir lernen, dass Skilanglaufwilligen hier ganze 100 km Loipe zur Verfügung stehen. Und wir lernen schweißtreibende Techniken wie Doppelstockschub,  Doppelstockschub mit Zwischenschritt und natürlich den Diagonalschritt. Genial: Über eine Videoanalalyse auf einer Skilanglauf-Trainer-App zeigt dir Anita, wie du an deiner Technik weiterarbeiten kannst. Finde ich super. Hinterher sehe ich, wie mein Mann Langlaufrennen auf Youtube guckt und Begriffe wie „Hochleistungssport“ murmelt. Finde ich noch superer.

Schatz, gib mir noch eine Schanze!

Ähnlich wie ich über 100 km Loipe dürftest du als Snowboarder von den Sprungschanzen in den vier Funparks begeistert sein. Also kannst du auch gut mit größeren Kindern hierher fahren. Stichwort groß und klein: Kinder bis 7 fahren hier for free. Insgesamt ist das Skigebiet hier äußerst familienaffin aufgebaut – perfekter Skiurlaub mit der ganzen Familie. Die Aufteilung der Pisten passt: 21x Grün, 17x Blau 17, 17x Rot und 11x Schwarz. Die längste Abfahrt ist 5,4 km lang. Und beleuchtet sind 6 Abfahrten.

Die machen extra Theater.

Für Kinder gibt es hier überall extra Angebote: Hier eine mini mini mini Schanze, dort nett gemachte Figuren, die du beim Vorbeifahren entdeckst. Sogar mit einem Theater werden die Kids zwischendurch am Hang bespaßt. Nett, oder?

Diese Kinderfreundlichkeit finde ich total charmant. Aber warum ich außerdem definitiv zum Skifahren nach Trysil wiederkommen werde ist, dass tatsächlich 80% der Unterkünfte so gelegen sind, dass du direkt von dort Ski-in und Ski-out hast – kein langes Gekurve bis zur Piste. Perfektes Nach-Hause-Kommen nach einem Tag im Schnee.

Wir versuchen alle möglichen Pisten zu testen, was uns an einem Wochenende definitiv nicht gelingt. Ich sage nur 32 Ski-Lifte! Und: Schneesicherheit! Mein Fazit: Das hier ist eine echte Entdeckung. Großer Spaß mit kleinem Aufwand. Takk! Und bis ganz bald.

Danke an visitnorway.com und speziell an Runa Eggen, die umwerfend tolle Tryslingerin, ohne die wir niemals so viel von Trysil gelernt hätten. Tausend takk! 

Fotos und Text: Sabine Neddermeyer

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