Reisetipps Stavanger, eine Stadt macht in Öl.

Reisetipps Stavanger

„Ich fliege nach Stavanger.“ – Die Reaktion meines Gegenübers ist recht verhalten. Zeit für meine Reisetipps Stavanger, denn diese Stadt ist viel besser als erwartet. Bunte Häuser auf der einen, ehemalige Lagerhäuser auf der anderen Seite umrunden das Hafenbecken. Der Himmel ist stahlblau, die Luft frisch und klar, wie es sich für Norwegen gehört.

Reisetipps Stavanger: schöne Häuser, blauer Himmel und das Meer

Es gibt viel zu entdecken in Stavanger! Zum Beispiel können die Norweger feiern, lange, ausdauernd und laut. Das habe ich diese Nacht durch mein Fenster mitbekommen … Ich hätte halt mitfeiern sollen, statt mich unter dem Kopfkissen zu verstecken.

Noch ein bisschen angeschlagen von der schlaflosen Nacht treffe ich Andrea. Sie stammt aus Eckernförde, hat sich auf die Geschichte Stavangers spezialisiert und wird mir heute die Stadt zeigen. Ihr Mann arbeitet für eine Ölfirma. Das ist sehr lukrativ und darum leben sie hier.

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Wir laufen am Hafenbecken entlang Richtung „Gamle Stavanger“, der Altstadt von Stavanger. Die weißen Holzhäuser stammen aus dem 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Links und rechts stehen sie aufgereiht an der „Nedre Strandgate“, der ehemaligen Flaniermeile der Stadt. Hier wohnten einst die Fischer und Handwerker mit ihren Großfamilien. Heute ist es eine beliebte Gegend für Pärchen.

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Mit den Fischen kam der Wohlstand

Die Lagerhäuser, die ich vom Hafen aus gesehen habe, sind quasi die Rückseite von Gamle Stavanger. Früher reichte das Wasser bis an die Häuser heran und die Ware konnte direkt vom Boot ins Haus geladen werden. Die Ware, das war hauptsächlich Fisch und der Handel boomte! Von 1810 bis 1870 verzehnfachte sich die Einwohnerzahl. Stavanger wuchs zur viertgrößten Stadt in Norwegen.

Bis 1960 stand hier buchstäblich eine Konservenfabrik neben der anderen. Anfangs sorgte der Hering für das starke Wachstum, später war Stavanger eindeutig die Hochburg der Ölsardinen. Was genau genommen falsch ist, denn die vermeintliche Sardine war eine Sprotte!. Die Norweger nannten sie einfach “Sardiner” oder „Brisling“, denn das brachte mehr Umsatz und später eine Klage und Ärger mit den Franzosen.

Reisetipps Stavanger: das Konservenmuseum

Sehr gut veranschaulicht wird diese Geschichte im Konservenmuseum. Ein Mitarbeiter trägt mit so viel Herzblut die Produktionsabläufe vor, alleine das ist schon den Besuch wert.

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Die Arbeit in den Fabriken war hauptsächlich Frauenarbeit. Die kleinen Fische wurden von ihnen aufgespießt in Rahmen gehängt und anschließend geräuchert. Ich habe nicht nachgefragt, aber so ein Rahmen hat 30 Kerben, auf eine Stange passen geschätzt 50-80 Fische, das macht pro Rahmen ca. 1500- 2400 Sprotten. Korrigiert mich wenn ich etwas Falsches erzähle. Tatsache ist, dass eine Arbeiterin dafür nur ca. 40 Minuten brauchte, ein Fisch pro Sekunde!

Nach dem Räuchern wurden die Sprotten geköpft. Den Job übernahmen hauptsächlich Kindern, denn sie bekamen keine Sehnenscheidenentzündung. So war es durchaus üblich, ab 7 oder 8 Jahren hier zu arbeiten. Danach waren die Frauen wieder an der Reihe. In Olivenöl oder Tomatensoße eingelegt, wurden die Fische eingedost. Profis brauchten dafür gerade mal 6 Sekunden. Und eine Dose sollte exakt 106 Gramm wiegen.

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Geld stinkt nicht

Frauen wurden bei diesem Arbeitsschritt per Dose bezahlt. Die wenigen Männer, die hier arbeiteten, erhielten ein Festgehalt. Das lag um zwei Drittel höher. Arbeitszeit war von morgens 6 Uhr bis Abends 23 Uhr 6 Tage die Woche. Die Arbeit war hart und die Arbeiterinnen rochen sehr stark nach Fisch. Es gab sogar extra Busse für sie. Aber sie verlieh ihnen auch eine gewisse Unabhängigkeit und so strömten aus dem ganzen Hinterland junge Mädchen in die Stadt.

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Nach dem Verschließen wurden die Dosen poliert, eingepackt und mit einem Label versehen. Es gab so viele verschiedene Label aus den vielen Fabriken, dass es ein weit verbreitetes Hobby war, diese zu sammeln und zu tauschen, ähnlich dem Briefmarkensammeln.

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Nach dem 2. Weltkrieg herrschte auch in Norwegen eine Rezession und die Konservenindustrie verschwand nach und nach. Doch Stavanger hatte Glück. In den 70er Jahren fand man vor der Küste ein riesiges Erdölfeld in der Nordsee. Aus der Fischereistadt wurde das Zentrum der norwegischen Öl- und Gaswirtschaft, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich laufe um den Hafen wieder zurück auf die bunte Seite von Stavanger und warte in einem Café auf James, der mir Internationale Sreetart in Stavanger zeigen wird. Es gibt also noch mehr Reisetipps für Stavange. Ich bin gespannt!

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Fotos und Text: Britta Smyrak. © Historische Aufnahmen sind aus dem Konservendosenmuseum Stavanger

Vielen Dank an Visit Norway und die Region Stavanger, für die Unterstützung zu meiner Recherche zu den Reisetipps Stavanger!

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