Im Frühtau zu Berge wir geh’n, fallera.

mit Kind auf der Hütte übernachten
Seit ich beim Snowboardfahren in Imst die Muttekopfhütte hoch oben auf dem Berg entdeckt habe, möchte ich unbedingt mal mit Kind auf der Hütte übernachten. Mit Rucksack den Berg hochwandern, oben mit Blick auf die Gipfel einschlafen und vom Glockengebimmel der Almkühe am Morgen aufgeweckt werden.

Gute Vorbereitung ist alles: Route, Rucksack, Regenjacken

Wir sind keine erfahrenen Wanderer, also habe ich vorher ein bisschen recherchiert. Zu lange und zu steile Wanderungen kommen für uns Flachlandtiroler am Anfang nicht infrage. Im Kaisertal im Kufsteiner Land habe ich die Ritzau Alm entdeckt, ein Alpengasthof mit Doppelzimmern statt Bettenlager und da wandern wir jetzt hin: 12 Kilometer in 6 Stunden den Berg hoch. Ganz einfach sagen die Österreicher, aber das sagen sie ja immer!
Für die Wanderung habe ich mir extra einen neuen Rucksack gekauft. Ich war mir bei der Größe nicht ganz sicher, bin jetzt aber sehr froh, dass mir der Verkäufer zum größeren Modell mit 32 Liter Fassungsvermögen geraten hat. Mit Wechselklamotten, Regenjacken, Kamera und Proviant ist er fast voll. Jetzt bin ich sehr gespannt, ob er sich bequem stundenlang tragen lässt. Schlafsäcke müssen wir zum Glück nicht mitnehmen, auf der Hütte gibt es Betten. Meine Wanderschuhe wurden bereits in der Schweiz und in Norwegen eingelaufen, da drohen keine Blasen. Lilias sind neu toi, toi, toi.
 Wanderschuhe
Am Morgen treffen wir Lisi, unsere Wanderführerin. Das Wetter ist so lala. Wir parken das Auto auf dem Wanderparkplatz in Ebbs-Eichelwang und ziehen ein Parkticket. Blöderweise kann man kein Ticket für zwei Tage ziehen. Bei mehrtägigen Touren also besser nicht mit dem Auto anreisen. Zum Glück gibt es eine nette Bekannte von Lisi, die morgen früh ein zweites Ticket an mein Auto hängen wird. An was man so alles denken muss…

Stairway to Heaven

stufen_ins_kaisertal_0239

Der Anfang hat es in sich. 300 Stufen den Berg hoch! Zum Glück ist es nicht ganz so schlimm, denn Lisi lenkt mich gekonnt ab und verwickelt mich in ein Gespräch, schon sind wir oben. Ab jetzt geht es nicht mehr ganz so steil weiter. Der Weg ist schön, es geht vorbei an knorrigen Bäumen und in der Ferne sieht man ab und zu die Festung mit der Burg von Kufstein. Um Punkt 12 schallt sogar das Konzert der Heldenorgel herüber.

Wanderung_im_Kaisertal_Kufstein_9914Kufstein-Festung

Ab in die Steinzeit

Wir machen einen Abstecher zur Tischofer Höhle. Dafür müssen wir in Serpentinen steil den Berg hinunter gehen. Ich liebe Höhlen. Die Tischofer Höhle ist knapp 40 m langen und etwa 20 m breit. In der Steinzeit wurde sie vor allem von Bären benutzt. Viele Knochenreste hat man hier bei Ausgrabungen gefunden, aber auch Werkzeuge aus Knochen und diese können auf ein Alter von knapp 30.000 Jahren datiert werden. Damit ist die Höhle bis heute die älteste Fundstelle menschlicher Erzeugnisse in Tirol.

Eingang-der-tischofer-hoehle
In-der-Tischhofer-Hoehle

Mir ist richtig warm geworden vom Wandern und ich zieh‘ mich bis aufs Unterhemd aus. Hier sieht mich ja keiner. Es geht zurück, den Weg wieder hinauf zu unserem Wanderweg.

So langsam kommt der Hunger und wir kehren im Veitenhof ein. Das Essen ist superlecker und der Hof bietet auch Gästezimmer an. Ich habe sie mir angesehen, sie sind herrlich altmodisch. Definitiv ein Tipp, falls man am ersten Tag nicht weiter möchte und lieber auf der Terrasse sitzen bleibt.

Gasthof-veitenhof

Mit Pause sind wir jetzt ca. 3 1/2 Stunden unterwegs. Wir kommen an der alten Stempelstelle vorbei, die leider geschlossen ist, genau wie der Gasthof Pfandlhof. Und wir haben schon wieder Hunger!

Das kommt vom Wandern! Lisi vertröstet uns auf den nächsten Hof. An der Eliasquelle freut sich Lilia, dass sie das Wasser einfach so trinken kann. Was für ein Luxus!

Obwohl wir schon seit gut vier Stunden unterwegs sind, wird weiterhin jede Gelegenheit genutzt, um über die Wiesen zu laufen. Ausgestattet mit zwei zünftigen Wanderstöcken wird jedes Schaf, jede Ziege begrüßt.

Ich hatte mit vielen Kühen auf den Wiesen gerechnet, lerne aber, dass das Vieh im Sommer wegen der Bremsen und Mücken tagsüber lieber im Stall ist und erst nachts rauskommt! Also schauen wir auch ab und zu in die Ställe.

Kuehe-im-stall-Kaisertal

Endlich wieder Brotzeit!

Letzte Pause vor der Alm. Wir haben Glück, es gibt noch ein Marmeladenbrot. Mir ist doch glatt der Name von diesem Hof entfallen, aber den liefere ich nach, denn hier werden zwei ganz besondere Ferienhäuser vermietet!

Endspurt, frisch gestärkt nehmen wir die letzten Kurven, der Wegweiser sagt noch 45 Minuten. Ich merke, dass die Kräfte nachlassen und wir langsam müde werden. Lisi ist klasse und verwickelt Lilia immer wieder in ein Gespräch, so merkt sie die Müdigkeit nicht.

 

So richtig schön mit Kind auf der Hütte übernachten. Die Ritzau Alm.

Der Kurven Countdown läuft: 10, 9, 8, … Da ist sie, die Ritzau Alm, mit Kühen, Gipfelkreuz und kleiner Kapelle! Juhuuu, wir haben es geschafft!

Was für ein schönes Gefühl. Wir sind stolz auf uns. Müde und glücklich beziehen wir unser schönes Zimmer mit den typischen rotweiß karierten Betten. Jetzt bloß nicht reinlegen, sonst stehen wir nie wieder auf! Außerdem haben wir schon wieder HUNGER!

Die Küche auf der Ritzau Alm ist hervorragend! Wir essen den weltbesten Kaiserschmarrn, aber auch die Knödel auf den Nachbartellern sehen verlockend aus. Satt, müde, glücklich gehen wir ins Bett. Vor dem Einschlafen werden noch Pläne geschmiedet für die nächste Wanderung. Wir wollen dann länger bleiben, zwei oder drei Nächte mit Kind auf der Hütte übernachten und alle Gipfelkreuze um uns herum erklimmen. Wir haben Blut geleckt. Die Kühe bimmeln uns in den Schlaf. Gute Nacht!

Schoenes-Zimmer-auf-der-Ritzaualm

Am nächsten Tag geht geht es querfeldein runter zum Senner Helmut.

Fotos: Britta Smyrak und Lilia Smyrak

Mit Kind auf der Hütte übernachten, einfach genial! Danke an das Ferienland Kufstein für die Einladung zur Hüttenwanderung und an Lisi für die nette Begleitung.

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