Istanbul classics: Blaue Moschee, Zisterne und Shisha rauchen.

Guten morgen Istanbul! Ich sitze in meinem Hotelzimmer und muss mich erst mal daran gewöhnen, dass da draußen ca. 15 Millionen Menschen leben. Das ist mehr als viermal so viel wie in Berlin.

15 Millionen Menschen und ich bin einer von ihnen

Leider spreche ich bis auf „Merhaba“ immer noch kein Wort türkisch. Dabei habe ich mir nach meinen letzten Reisen in die Türkei geschworen, ich lerne die Sprache. Und vor vier Monaten habe ich sogar die Babble App auf meinem Handy herruntergeladen. Aber aus dem ehrgeizigen Projekt wurde nichts. Ich kann mir die Worte nicht merken, geschweige denn sie aussprechen. Türkisch ist verwandt mit Finnisch und Ungarisch und einfach nicht kompatibel mit meinem Kopf.

Also werde ich mich im Notfall mit Händen, Füssen und lächeln verständlich machen. Zum Glück hatte Atatürk die grandiose Idee die lateinische Schrift einzuführen, so kann ich wenigstens die Straßennamen lesen und bin nicht wie vor Jahren in Athen und Moskau total aufgeschmissen.

Vom Hoteldach aus schaue ich auf den Bosporus und kann auf der anderen Seite die Minarette der Hagia Sophia sehen und davor versteckt die Dächer des Topkapi Palastes. Wie erkundet man eine so riesige Stadt? Alles zu sehen ist utopisch, alles zu planen finde ich absurd. Mut zur Lücke lautet mein Plan.

3 Tage Istanbul Reisetipps: Die Istanbul classics.

Ich habe 3 Tage und starte heute mit dem klassischen Istanbul. Damit ich nicht verloren gehe, habe ich einen Guide. Zeki lebt seit den 70er Jahren in dieser Stadt und kennt gefühlt jeden Stein. Damals hatte Istanbul gerade mal 2 Millionen Einwohner. Pünktlich um 9:30 ist er in meinem Hotel Nidya Galataport und wir fahren mit seinem Auto über die Galata Brücke vorbei an den Anglern, rüber auf die andere Seite nach Eminönü. Wäre Zeki nicht, hätte ich die Straßenbahn genommen. Die Linie 1 fährt fast direkt vom Hotel bis nach Sultanahmet. Im Gegensatz zu gestern flutscht der Verkehr und Zeki parkt seinen Wagen in der Nähe der Blauen Moschee auf einem bewachten Parkplatz. Auch wenn es heute ganz geschmeidig lief, ich möchte nie, nie, nie mit Auto in Istanbul landen! Soviel steht jetzt schon fest. Wir laufen ein kurzes Stück und ich sehe schon die mächtige Hagia Sophia aus dem 6. Jahrhundert.

Hagia-sophia-©looping-in-istanbul

Die Blaue Moschee ist gar nicht Blau!

Gegenüber steht die Blaue Moschee, eigentlich heißt sie Sultan-Ahmed-Moschee und dazwischen liegt der schöne Sultan Ahmet Park mit Springbrunnen. Es ist relativ leer aber nicht ausgestorben. Ich entscheide mich für die Blaue Moschee.

Innenhof-blaue-moschee-©looping-in-istanbul

Bevor du die Moschee betrittst, landest du in einem Innenhof. Durch den gehst du hindurch und gelangst zum eigentlichen Eingang. Ich werde vom Personal kritisch beäugt und bekomme ein Tuch um meine Haare zu bedecken und einen blauen Pluderrock. Den Wächtern ist meine Jeans zu eng. Am Besten also weite Klamotten anziehen und vor allem lang, bis zum Knöchel. Vor dem Betreten der Moschee ziehen wir uns die Schuhe aus und stecken sie in die dafür vorgesehenen Plastiktüten.

Plastiktueten-fuer-die-schuhe-eingang-blaue-moschee-©looping-in-istanbul

In der Moschee ist viel los. Es gibt einen abgesperrten Bereich, zu dem Nicht-Muslime keinen Zutritt haben, und Frauen sowieso nicht. Ich bin Zaungast und beobachte aus der Ferne, wie vereinzelte Männer Richtung Mekka beten. Zeki erklärt mir, das islamische Gebet besteht aus zwei Teilen. Einem Pflichtteil, dem sogenannten Fard und einem freiwilligen Teil, den sogenannten Sunnagebeten. Beim Fard stehen die Männer Schulter an Schulter in einer Reihe und bilden die Gemeinschaft, Cemaat. Wieder was gelernt.

Blaue-Moschee-Innenraum-©looping-in-Istanbul

Die Moschee ist wunderschön, aber leider nicht mehr Blau. Bei der Restaurierung wurde festgestellt, dass die ursprüngliche Grundfarbe weiß ist und die Bemahlung über die Jahrhunderte die weiße Farbe einfach Blau gefärbt hat. An einer Stelle ist das noch zu sehen. Originalgetreu restauriert erstrahlt sie also eher in Weiß mit blauer Verzierung. Trotzdem schön.

blaue-moschee-verziehrungen-©looping-in-istanbul

Als wir aus der Moschee rauskommen, laufen wir ein Stück zurück über den Sulthanamat Platz, bzw. das sogenannte Hippodrom. Hier fand im Frühjahr der gezielte Anschlag auf eine deutsche Touristengruppe statt. Das hat Wirkung gezeigt. Im Moment sind deutlich weniger Touristen in der Stadt.

obelisk-Hippodrom-©looping-in-istanbul

Ich kann durchaus akzeptieren, dass der ein oder andere im Moment Angst hat, hierher zu reisen, halte es aber für übertrieben und falsch. Für mich hätten die Terroristen gewonnen, wenn ich und die ganze Welt ängstlich zu Hause hocken und das lasse ich nicht zu. Tatsächlich ist es immer noch wahrscheinlicher an einer Fischgräte zu ersticken, als einem Anschlag zum Opfer zu fallen. Und ich habe beschlossen, ich esse weiterhin Fisch und reise weiterhin in die Türkei.

Ab in die Unterwelt. Die Yerebatan Zisterne.

Mein nächstes Ziel ist die Yerebatan Zisterne. Ein alter Wasserspeicher unter der Erde. Viel kühler als draußen und mystisch schön. Von diesen Zisternen gibt es nicht mehr viele in Istanbul und ich glaube diese gehört zu den imposantesten. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert, ist ca. 140 Meter lang und 70 Meter breit mit 336 Säulen in 12 Reihen à 28 Säulen. Das Wasser gelangte über ein Aquädukt aus den Wäldern nördlich der Stadt hierher.

yerebatan-zisterne-©looping-in-istanbul

Der Wasserspiegel ist heute wesentlich niedriger als damals, aber immer noch schwimmen Karpfen im Wasser, ein Garant für die gute Wasserqualität. Am Ende der Zisterne stehen zwei Säulen auf alten Medusenköpfen. Das ist im Prinzip antikes Recycling, denn zu der Zeit, als die Zisterne erbaut wurde waren sich die Bewohner der Stadt eigentlich schon einig, dass es nur einen Gott gibt, aber den Medusenkopf zu zerstören hat sich auch niemand getraut, also wurde er zum Sockel einer Säule umfunktioniert.

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Wenn du genauer hinschaust, entdeckst du, dass so einige Säulen, die hier untern stehen, oben offensichtlich keiner mehr haben wollte. Sie haben teilweise dorische, ionische und korinthische Kapitelle. Ein Beispiel ist auch die Tränensäule, die Einzige mit Verzierung.

traenensaeule-yerebatan-zisterne-©looping-in-istanbul

Zurück im Licht kommen wir am „Milion Stone“ vorbei. Er wurde im frühen 4. Jahrhundert n. Chr., also noch vor der Hagia Sophia errichtet und war der Ausgangspunkt aller Messungen für Meilensteine an Straßen, die zu den wichtigsten Städten des Oströmischen Reiches führten. Gleichzeitig war an dieser Stelle der Anfangspunkt der römischen Via Egnatia. Von hier sind es schlappe 2258 Kilometer bis nach Paris.

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Ohne Zeki wäre ich hier wahrscheinlich daran vorbei gelaufen, genau wie an dem unscheinbaren Pudding Shop. Das Restaurant war in den 60er Jahren beliebte Anlaufstelle für die Hippies auf dem Weg nach Indien.

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Von außen betrachtet ist das gut besuchte Restaurant nichts Besonderes, aber in der Hippiezeit, also den wilden 60ern war es ein beliebter Treffpunkt der Szene. Viele, die auf dem Landweg nach Indien unterwegs waren, kamen hier vorbei. Wer kein Geld mehr hatte, konnte im Café arbeiten und genug für die Weiterreise verdienen. Das Café diente aber vor allem als Schwarzes Brett. Nachrichten für Freunde wurden hinterlassen oder Mitreisende gesucht, bevor es weiterging durch den Iran, Afghanistan und Pakistan bis nach Indien.

schwarzes-brett-puddingshop-©looping-in-istanbul

Das waren noch Zeiten. Die Reise nach Indien dauerte damals mehrere Wochen! Wiedereinmal habe ich das Gefühl, ich bin zu spät geboren worden … Aber immerhin bin ich in meiner Jugend noch durch Europa getrampt!

Eine Shisha für jeden Geschmack

Zeki muss los, sein Kollege Osman übernimmt und führt mich zu Ali Pasa Medresesi. Diese ehemalige Schule ist heute ein beliebter Ort um eine Shisha Pfeife zu rauchen. Der Spaß kostet 20 Lira, umgerechnet 6 € und du kannst unter verschiedenen Geschmacksrichtungen auswählen. Ich habe jetzt nicht alle durchprobiert, sondern einfach beim ersten Angebot „Ja“gesagt. Wie sich herausstellt, ist es Apfel/Minze.

So ein Pfeifchen braucht seine Zeit, also nimm sie dir, setzt dich hin, trinke einen Tee dazu und schau den Leuten zu. Da ich ewig nicht mehr geraucht habe, muss ich ein bisschen üben, bis es ordentlich blubbert im Wasser. Im Ali Pasa Medresesi trifft sich alles, alt und jung, Männer, Frauen, Türken und Touristen. Ein herrlicher Ort um die Zeit zu vertrödeln, derweil draußen die Stadt tobt. Ich rauche noch zu Ende und dann geht es weiter zum Großen Basar. Istanbul ist nach Izmir und Bursa die dritte Großstadt die ich in der Türkei besuche, fehlt nur noch Ankara. Ich bin gespannt was mich erwartet, Fortsetzung folgt in Kürze.

Wer nicht so lange warten kann, hier sind Reiseberichte von anderen Bloggern die ich empfehle:

Text und Fotos: Britta Smyrak

Danke an ÖgerTours, die mich zu dieser Reise eingeladen haben und an Zeki und Osman die darauf aufgepasst haben, dass ich nicht verloren gehe.

 

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