Rundreise durch die Westtürkei: Izmir, Pergamon, Troja.

Rundreise durch die Westtürkei

Meine Rundreise durch die Westtürkei startet in Tegel und die Schlange am Check-in nach Izmir ist lang, sehr lang. Ausnahmsweise bin ich 1 1/2 Stunden vor Abflug in Tegel und das ist keine Sekunde zu früh. Mir wird schlagartig wieder bewusst, dass in Berlin die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei lebt und die Sehnsucht nach Familie und Heimat bei vielen Türken ungebrochen ist.

Ein weiterer Grund für die Warteschlange ist die Security, die heute Morgen nur mit halber Besetzung am Start ist. Es dauert also eine gute Stunde, bis ich an der Reihe bin und noch mal eine halbe Stunde bis ich auf meinem Platz im Flieger von SunExpress sitze. Der Flug ist direkt und dauert drei Stunden. Die Türkei ist uns eine Stunde voraus, darum Uhren stellen nicht vergessen.

Flughafen Berlin Tegel Airline Sunexpress

Izmir, eine lebendige Stadt am Meer

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei hinter Istanbul und Ankara und mit 4,1 Millionen größer als Berlin. Am Abend besuche ich die Hafenpromenade nicht weit vom Hotel entfernt. Ich bin nicht alleine. Die Bewohner von Izmir nutzen genau wie ich den lauen Abend und flanieren am Wasser oder sitzen auf der Wiese und in den Bars.

Hafenpromenade Izmir Strassenhaendler an der Promenade in Izmir

Über allem schwebt Atatürk. Die Türken verehren ihren ersten Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk sehr. Er ist der Begründer der modernen Republik Türkei und sein Antlitz ist überall in der Stadt präsent.

Attatuerk Neonlicht in Izmir

Noch ein letzter Blick vom Hoteldach auf das Lichtermeer der Stadt, dann heißt es für mich schlafen gehen. In den nächsten drei Tagen warten auf meiner Rundreise durch die Westtürkei an der türkischen Ägäis mehr als 1000 Kilometer Strecke auf mich.

Blick auf die Stadt Izmir bei Nacht

Ich bin gespannt ob diese Reise auch für Familien zu empfehlen ist. Mit dabei sind Katrin von viel unterwegs und Beatrice von Reisezeilen. Unterstützt wird unsere Reise von Öger Tours.

Rundreise durch die Westtürkei. Von Izmir nach Pergamon

Morgens um 7 Uhr klingelt der Wecker, geplante Abfahrt ist um 8:30 Uhr. Die erste Etappe der Rundreise durch die Westtürkei führt von Izmir nach Pergamon und Troja bis nach Çanakkale, über 400 Kilometer und mehr als 6 Stunden Autofahrt. Der Verkehr stadtauswärts fließt, stadteinwärts staut es sich bereits. Izmir ist eben kein Dorf.

Hatte ich romantische Küstenstraßen erwartet, die sich am Meer entlangwinden, so werde ich enttäuscht. Die Straße sieht eher nach Autobahn aus und zerschneidet vierspurig die Landschaft. Die Wolken hängen dick am Himmel, hin und wieder regnet es und die Schönheit der sogenannten „Olivenreviera“ lässt sich leider nur erahnen.

Wer nach Pergamon will, der landet automatisch in der Stadt Bergama. Diese liegt am Fuße eines alles überragenden Berges auf dem im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. die damals so mächtige Stadt Pergamon stand. Wir parken an der Liftstation und fahren mit der Gondel hinauf. Oben angekommen genießen wir erst einmal die Aussicht.

Seilbahn hoch nach Pergamon

Vorbei an ein paar Straßenhändlern betreten wir die diesen geschichtsträchtigen Ort. Die meisten kennen vielleicht den berühmten Pergamonaltar, der im gleichnamigen Museum in Berlin steht. Dieser Altar wurde hier bei Ausgrabungen 1878 von dem deutschen Carl Humann gefunden. Dann mit Genehmigung der türkischen Regierung 1902 in vielen Einzelteilen nach Berlin gebracht und dort wieder zusammengesetzt und aufgebaut. Hier sind leider nur noch die Fundamente zu sehen und ein Modell in einem Schaukasten zeigt den Altar.

Gleich daneben sieht man die Reste des Athenaheiligtums aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Auch für die Göttinnen Demeter und Hera und den Gott Dionysos wurden Tempel errichtet. Am besten erhalten ist der Trajantempel, der dem  römischen Kaiser Trajan gewidmet ist. Weiße Marmorsäulen ragen in den Himmel, die Einflüsse der Griechen und Römer sind fließend und offensichtlich wurden Götter und Kaiser gleichermaßen verehrt.

Zu der einstigen Weltstadt der Antike gehörte auch eine Bibliothek. Sie war nach Alexandria die zweitgrößte der Welt und umfasste mindestens 200.000 Buchrollen. Es heißt auch, dass hier das aus Tierhäuten bestehende Pergament erfunden wurde. Davon zu sehen ist leider nichts.

Die Anlage ist riesig und für Geschichtsinteressierte ein wahres Eldorado. Auch für Kinder, kann es spannend sein, denn hier wird Geschichte erlebbar, wenn die Antike im Geschichtsunterricht gerade ein Thema ist. Ich bin beeindruckt von dem Können und Wissen der Menschen, die hier vor mehr als 2500 Jahren gelebt haben und mir läuft es kalt den Rücken hinunter, als ich ganz oben im Theater stehe. Es ist das steilste Theater der Antike und fasste damals mehr als 10.000 Zuschauer. Was muss das für ein Spektakel gewesen sein, eingebettet in diese spektakuläre Naturkulisse.

Pergamon Theater

Nach kurzer Teepause machen wir noch einen kurzen Abstecher zu den ganz in der Nähe gelegenen Ruinen eines Asklepieion. Diese Anlage war dem griechischen Gott der Heilkunst (Asklepios) gewidmet und diente als antike Heilstätte.

Asklepion in der Naehe von Pergamon

Rundreise durch die Westtürkei. Von Pergamon nach Troja

Das nächste Ziel heißt Troja. Kaum sitzen wir im Auto geht ein Wolkenbruch los, der sich gewaschen hat. Glück gehabt. Wer beim Namen Troja an die strammen Waden von Brad Pit im Film „Troja“ denkt, der wird beim Anblick der Ruinen von Troja etwas enttäuscht sein. Das Pferd im Eingangsbereich und die zwei verkleideten „Möchte-gern-Trojaner“ mit denen man sich fotografieren lassen kann, sind nicht sehr überzeugend.

Im Gegensatz zu Pergamon sieht man nicht mehr viel von der Stadt. Sie wurde ja auch laut Homer von den Griechen belagert und am Ende zerstört. Das alles geschah wegen der schönen Helena. Die Frau des Menelaos, König von Sparta, wurde von Paris, dem Sohn des trojanischen Königs Priamos entführt und nach Troja gebracht. Die Griechen wollten sie natürlich zurückholen und nach langer Belagerung der Stadt hatte schließlich Odysseus die Idee mit dem Trojanischen Pferd.

Ob der Krieg allerdings wirklich stattgefunden hat ist strittig und wo genau das Troja jener Zeit stand ist auch nicht endgültig geklärt, insgesmat wurden 9 Siedlungsschichten gefunden.

Wer das einzig wahre Trojanische Pferd sehen möchte, der sollte unbedingt ein Stück weiter nach Çanakkale weiterfahren, denn dort steht die original Requisite aus dem Hollywoodfilm „Troja“. Das ist eindeutig der neue Touristenmagnet der Stadt und es sieht auch richtig gut aus!

Trojanisches Pferd Filmrequisite

Von Çanakkale geht es morgen weiter nach Bursa und von dort nach Sardes und zurück nach Izmir. Falls du einen Urlaub mit mit Kindern in dieser Gegend planst und ein paar Tage Strandurlaub machen möchtest, ganz in der Nähe gibt es ein sehr schönes Hotel direkt am Meer, den Club Orient Garden.

Folge mir auf meinem Roadtrip:

 

Text und Fotos: Britta Smyrak

Die Rundreise durch die Westtürkei wurde mir von ÖgerTours ermöglicht.

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