Rothenburg ob der Tauber mit Hund erkunden? Auf jeden Fall!

Ich nehme mir eine Auszeit und bin drei Tage in Rothenburg ob der Tauber mit Hund unterwegs. Schon beim Betreten der Altstadt denke ich: Wow! Hier sieht es aus wie im Mittelalter. Ich laufe mit meinem Hund durch das Rödertor. Welches Glück, dass im Zweiten Weltkrieg hier nichts kaputtging.

Ich liege komplett falsch.

Der Tag, an dem Rothenburg brannte

Am Ostersamstag 1945, um 10:30 Uhr, heulten die Sirenen. Eine Staffel von 16 amerikanischen Flugzeugen überflog die Stadt. Eigentlich sollte sie ein Öllager im oberfränkischen Ebrach treffen. Dichter Nebel machte das unmöglich. Rothenburg wurde zum Ausweichziel.

Die Besatzung warf neun Tonnen Phosphor- und Stabbrandbomben ab. Im Einsatzbericht der Staffel, die sich selbst “Black Panthers” nannte, steht ein Satz, der mir kalt den Rücken runterläuft: “Der Abwurf von 9 Tonnen Bomben war erfolgreich. Am Ziel wurde kein Flakfeuer angetroffen.” 12 Männer, 18 Frauen und 9 Kinder starben. Die Stadt brannte bis Ostermontag.

Ich lese alles über diesen Angriff und warum die Stadt fast originalgetreu wieder aufgebaut wurde erfahre ich bei meinem Besuch im RothenburgMuseum. Hunde sind dort an der Leine erlaubt.

Schlafen unterm Storchennest

Ich übernachte im Romantik Hotel Markusturm, direkt unter dem Dach, Zimmer 123. Leicht zu merken. Namensgeber für das Hotel ist der Markusturm direkt nebenan. Bis 1844 diente er tatsächlich als Gefängnisturm. Das Hotel selbst ist ein historisches Zollhaus aus dem Jahr 1264, seit mehr als 125 Jahren und fünf Generationen von derselben Familie geführt. Mein Zimmer ist gemütlich, mit Dachschräge, einer freistehenden Badewanne und einer Espressomaschine. Hunde sind in diesem Hotel erlaubt. Damit ist mein Herz sofort gewonnen.

Oben auf dem Turm brüten Störche. Früh morgens und abends höre ich das Klappern der Schnäbel durchs Fenster. Ich weiß schon jetzt, das werde ich nie vergessen.

Beim Frühstück gibt es kein Buffet, sondern aufmerksamen Service am Tisch. Altmodisch könnte man das nennen. Ich nenne es “Alte Schule”, wunderbar und sehr stilvoll. Statt selber dreimal zum Buffet zu rennen, lasse ich mich sehr gerne bedienen. Außerdem kommt man ins Gespräch, und ich fühle mich als Gast sehr willkommen.

Blick nach unten und Blick nach oben, zwei Perspektiven

Mein erster Tag könnte nicht kontrastreicher sein. Ich lasse den Hund im Hotel und steige den Rathausturm hinauf. Hunde dürfen aus gutem Grund nicht mit. Es ist die schmalste und steilste Treppe, die ich je erklommen habe. Ich brauche tatsächlich meine Hände, um mich am Geländer festzuhalten. Das Ticket wird oben gekauft.

Vom Turm bietet sich ein schöner Rundumblick über die Dächer und das Taubertal. Ich habe eine Schwäche für Türme und Aussichtspunkte, dieser hier hat sich gelohnt.

Weiter geht es zur St. Jakobskirche mit dem Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider, geschnitzt zwischen 1500 und 1505. Der Eintritt kostet 3,50 Euro. Der Altar steht etwas versteckt auf der Westempore, eine Etage höher. Fast hätte ich ihn verpasst.

Die Schnitzarbeit zeigt das letzte Abendmahl und im Zentrum steht nicht Jesus, sondern Judas als Sünder. Beim Näherkommen habe ich das Gefühl, er schaut mich an. Diese Darstellung ist ungewöhnlich und konnte von den Pilgern als Botschaft der Hoffnung gesehen werden. Wenn selbst Judas in der Gemeinschaft bleibt, kann auch ihnen vergeben werden.

Das Reliquienkreuz hängt ganz oben im sogenannten Gesprenge, dem gotischen Zieraufsatz des Altars. In der Mitte des Kreuzes sitzt eine Bergkristallkapsel. Darin liegt ein Stück Stoff, angeblich mit Messwein, der bei einer Messe um das Jahr 1270 verschüttet wurde und sich der Überlieferung nach in Blut verwandelt hat.

Der Schreiner Erhart Harscher erhielt für das Anfertigen des hölzernen Gehäuses übrigens wesentlich mehr Geld, als Riemenschneider für seine Schnitzarbeit.

Der Altar ist wirklich sehenswert. Der Besuch hat sich gelohnt.

Achtung, Decke! Ein Spaziergang auf der Stadtmauer

Beim Spaziergang auf der Stadtmauer darf der Hund mit. Rund vier Kilometer umgibt sie die Altstadt, 46 Türme und Tortürme säumen den Weg. Ich fühle mich wie in einem Mittelalterfilm, schaue immer wieder durch die Scharten und frage mich, wie das Leben damals war. Große Menschen sollten nicht nur durch die Scharten schauen, sondern vor allem die Decke im Blick haben. An manchen Stellen kann man sich leicht den Kopf stoßen.

Immer wieder sehe ich Namensschilder von Spendern, die in die Mauer eingelassen sind. Wer den Wiederaufbau der Mauer unterstützen wollte, konnte früher einen Meter für 49 D-Mark sponsern. Heute liegt eine Spende für einen Namensstein bei rund 1.000 bis 1.200 Euro. Weltweit haben Menschen gespendet, viele aus Japan und den USA. Das zeigt, wie viele Fans diese Stadt hat, nicht nur in Deutschland.

Von Turm zu Turm

Manche Türme und Tore erzählen düstere Geschichten. Der Weiberturm zwischen Galgentor und Rödertor diente bis weit ins 19. Jahrhundert als Gefängnis für Frauen, meist säumige Schuldnerinnen. Durch das Galgentor führte der Weg direkt zur Köpfleinswiese, wo der Galgen stand.

Man kann auch außerhalb der Mauer um die Stadt herumlaufen. Mit Hund ist das besonders schön, oft bin ich auf der Wiese und unter den Bäumen ganz allein unterwegs.

Rothenburg ob der Tauber mit Hund

Ich gehe heute nicht den ganzen Mauerweg, denn ich möchte noch in die Untere Schmiedgasse hinunter zum Plönlein.

Auffällig sind die schmiedeeisernen Ladenschilder in der ganzen Stadt und besonders in dieser Straße, fast jedes Geschäft trägt eins.

Und dann stehe ich vor dem Plönlein. Der Name kommt vom lateinischen “planum” und bedeutet eigentlich nur kleiner Platz. Hier ist es ein kleiner Platz am Brunnen und dahinter ein kleines Häuschen. Das Plönlein gilt als das meistfotografierte Haus Rothenburgs, und das zurecht.

Nur einen kurzen Spaziergang vom Plönlein entfernt befindet sich das Mittelalterlichen Kriminalmuseums in der Burggasse. Wer mehr über Recht und Strafe im Mittelalter erfahren möchte, dem rate ich zum Besuch. Hunde sind dort erlaubt, sogar kostenlos, nur an der Leine. Wie vielseitig das Museum wirklich ist, beschreibe ich ausführlich in meinem separaten Artikel zu Rothenburgs Museen.

Wandern mit Hund im Taubertal

Rothenburg ob der Tauber mit Hund

Rund um Rothenburg gibt es 13 markierte Rundwanderwege mit über 170 Kilometern Gesamtlänge. Ich plane, den Panoramaweg Nr. 6 mit einer Einkehr in den schönen Biergarten “Unter den Linden” direkt an der Tauber zu kombinieren. Laut Karte kreuzt der Wanderweg Nr. 2 den Weg Nr. 6.

Soweit die Theorie. In der Praxis verpasse ich den Abzweig und wandere dann Planlos kreuz und quer. Dafür komme ich am Topplerschlösschen vorbei.

Rothenburg ob der Tauber mit Hund

Das kleine Schloss ließ sich Bürgermeister Heinrich Toppler 1388 als Sommersitz bauen. Toppler war über Jahrzehnte der mächtigste Mann der Stadt, unter ihm wuchs Rothenburgs Reichtum, und er selbst wurde noch reicher. Am Ende brachte ihn genau das zu Fall. 1408 verhaftete man ihn während einer Ratssitzung wegen Diebstahl, Steuerhinterziehung und Amtsmissbrauch. Er starb im Kerker unter dem Rathaus, in dem er jahrzehntelang regiert hatte, noch bevor es zu einem Prozess kam. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt.

Zurück in der Stadt laufe ich durch das Kobolzeller Tor und die Obere Schmiedgasse zurück zu meinem Hotel.

Zum Abend esse ich bei Don Gallo einem mexikanischen Restaurant. Ich kann es wirklich empfehlen, die Burritos sind richtig gut. Für meinen Hund gibt es ungefragt ein Tütchen Leckerlis dazu. Solche kleinen Aufmerksamkeiten machen für mich den Unterschied.

Die Legende vom Meistertrunk

Eine Geschichte, die ich noch gar nicht erwähnt habe: der Meistertrunk. Dieses Festspiel von 1881 wird bis heute zu Pfingsten aufgeführt. Viele Rothenburger spielen dort selbst mit. Worum geht es? Im Dreißigjährigen Krieg belagerte der kaiserliche Feldherr Johann T’Serclaes von Tilly 1631 die protestantische Stadt. Wenige Monate zuvor hatten seine Truppen das nahe gelegene Magdeburg fast vollständig ausgelöscht. Nur wenige Tausend der 35.000 Einwohner überlebten.

Rothenburgs Stadtmauer war für Tillys Armee kein ernsthaftes Hindernis. Die Stadt fiel.

Aus Angst vor einem Schicksal wie in Magdeburg bot man Tilly der Legende nach einen Willkommenstrunk in einem prächtigen Humpen an. Statt daraus zu trinken, ließ er sich auf einen ungewöhnlichen Handel ein. Schaffte es jemand, den Humpen mit 3,25 Litern Wein in einem Zug zu leeren, würde er die Stadt verschonen.

Altbürgermeister Georg Nusch nahm die Herausforderung an und schaffte es angeblich. Rothenburg blieb verschont.

Belegt ist das nicht, aber die Geschichte ist schön und das Spektakel sicher sehenswert.

Nur drei Tage, und ich fühle mich schon fast wie zu Hause

Bei meiner Umrundung der Stadt fehlt mir noch die südliche Stadtmauer, der sogenannte “Kappenzipfel”. Routiniert durchquere ich die Altstadt bis zum Rödertor. Vor zwei Tagen erst habe ich die Altstadt zum ersten Mal betreten. In so kurzer Zeit ist mir Rothenburg schon vertraut geworden.

Ich spaziere außen entlang der Mauer im Schatten der Bäume, das gefällt dem Hund. Dann wieder oben auf dem Wehrgang, mit wunderschönen Ausblicken auf die Häuser und Straßen.

Rothenburg ob der Tauber mit Hund

Auf dem Weg zum Abendessen gehe ich durch die Judengasse und entdecke dort eine Gedenktafel. Im Haus Nummer 27 wohnte 1986 für drei Monate ein junger argentinischer Priester, der als Sprachschüler am Goethe-Institut Deutsch lernte. Sein Zimmer war gerade einmal neun Quadratmeter groß. Der Priester hieß Jorge Mario Bergoglio und wurde 2013 als Papst Franziskus gewählt. Er starb 2025.

Meine Tipps für Essen und Trinken

  • Café Lebenslust, Kirchgasse, direkt bei der Jakobskirche: ich war dort, schöner Innenhof zum Draußensitzen
  • Café einzigARTig, Galgengasse: es war leider kein Platz frei, aber es sieht sehr hübsch aus, hier kann man draußen sitzen und Leute beobachten
  • Weinstube Zur Höll, Burggasse: urige Kneipe, der hintere Teil des Hauses soll bereits um 900 nach Christus gestanden haben, gilt als eines der ältesten Häuser der Stadt
  • Altfränkische Weinstube, Klosterhof: fränkische Küche, gute Weinauswahl
  • Don Gallo, Obere Schmiedgasse: sehr gute Burritos, der hundefreundliche Mexikaner in Rothenburg
  • Schneeball: jeder Bäcker in der Stadt verkauft einen, ich habe es komplett vergessen zu probieren, empfehle es aber einfach mal

Praktische Infos für Rothenburg ob der Tauber mit Hund

Mit Hund lässt sich Rothenburg ob der Tauber sehr gut erkunden.

  • Stadtmauer und Turmweg: frei zugänglich, rund um die Uhr
  • Mittelalterliches Kriminalmuseum: kostenloser Eintritt für den Hund, Leinenpflicht
  • RothenburgMuseum: der Hund durfte bei mir an der Leine mit hinein
  • Rathausturm: geht nicht mit Hund, die Treppe ist ohnehin viel zu steil und schmal
  • St. Jakobskirche: erlaubt wie die meisten Kirchen keine Hunde
  • Restaurants und Cafés: der Hund war überall kein Problem
  • Biergarten “Unter den Linden”: Leinenpflicht, dafür kann der Hund direkt in der Tauber plantschen

Für die Wanderwege außerhalb der Stadt empfiehlt sich vorab eine GPX-Route, zum Beispiel über Komoot, da die Beschilderung wie erwähnt lückenhaft sein kann, oder ich habe sie einfach übersehen.

Text und Fotos: Britta Smyrak

Diese Reise fand im Rahmen einer Pressereise statt. Danke an Rothenburg Tourismus für die Einladung.

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