Rom
 mit Kindern entdecken. Hip & Holy.

„753, Rom schlüpft aus dem Ei.“ Nichts lag näher, als der Ewigen Stadt zu Ostern einen Besuch abzustatten. Dass 2016 auch noch ein „Heiliges Jahr“ ist, wie es nur alle Jubeljahre vom Vatikan ausgerufen wird, hatte ich bei der Buchung glatt übersehen. Es sollte wider Erwarten kein Nachteil sein – ist Rom doch fast zu jeder Jahreszeit mit Ausnahme des August ein Touristenmagnet und daran ändert auch ein Heiliges Jahr nicht viel.

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Wo die Metzger Ostern feiern

Dieses Mal fühle ich mich so willkommen geheißen wie selten. Strahlend blauer Himmel, milde Temperaturen, gemäßigter Autolärm, durchmischt von Glockenläuten und Vogelgezwitscher. Ankunft Palmsonntag in Rom. Nachdem unser Quartier nahe des Campo de’ Fiori noch nicht bezugsfertig war, stand gleich der erste Stadtspaziergang in Richtung Piazza Navona an – um abrupt an der ersten Straßenecke, hinter der sich eine kleine Piazza öffnete, zu enden. „Die Speisung der Zehntausend?“, flüsterte ich ehrfürchtig. Ob es sich um einen Streik oder einen anderen Anlass handelt, das weiß man – besonders in Italien – generell erst bei genauerem Hinsehen. Hier aber waren die Zeichen eindeutig: Ein jeder der Versammelten trug einen mit allerlei süßen und herben Köstlichkeiten prall gefüllten weißen Plastikteller vor sich her und da wir nach unserem 1,5-Stunden-Flug einen scheinbar mehr als hungrigen Eindruck machten, nahm sich unser sogleich ein resoluter Herr an, der mich in Richtung (kostenloser) Essensausgabe schob. „Venga, signora, prenda, prenda!“ Und ruckzuck standen wir mit einem Teller in der Hand inmitten fröhlich plaudernder Quartiers-Bewohner, die uns sogleich wortreich darüber aufklärten, dass wir in den Genuss der alljährlich stattfindenden „Pasqua del Macellaio“ der seit 1532 hier ansässigen Kirchenbruderschaft der Metzger und Fleischer gekommen seien. Nichts für zartbesaitete Gemüter also und von Vorteil, wenn man Flexitarier ist. Ein toller Start in der ewigen Stadt … Benvenuti a Roma!

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Rom und die Römer

Die Stadt, Italiens größte, überrascht und fasziniert mich bei jedem neuen Besuch. Weil sich hier auf nahezu jedem Quadratzentimeter und in jeder Sekunde die Antike so sehr lässig mit dem modernen Stadtleben des 21. Jahrhunderts mischt und ich das Gefühl habe, dass es das eine ohne das andere gar nicht geben könne.

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Die Römer sind stolz auf ihre Stadt, zu Recht, und sie leben auf ihre ganz typische Weise mit und in ihr: Der Verkehr scheint nach wie vor wild und unsortiert und man drückt gerne ausgiebig auf die Hupe, in jeder Bar frönen die romani schon frühmorgens beim ersten caffè ihrer Lust an der Kommunikation und aus einem munteren Zwiegespräch wird auch schnell einmal ein lautstarkes Gruppenpalaver. Meine ganz persönliche Bewunderung gilt allen Römerinnen, die in High Heels Tag für Tag elegant und tapfer dem antiken Kopfsteinpflaster trotzen.

Rom
 mit Kindern entdecken. So weit die Füße tragen …

Als lauffreudiger Tourist in bequemen Sneakers kämen wir auf diese Weise vermutlich nicht weit. Dabei ist das Schöne an Rom, dass die meisten Sehenswürdigkeiten nur gerade so weit voneinander entfernt liegen, dass sie gut zu Fuß zu erreichen sind – wenn man die Tages-Trips clever zusammenstellt. In fünf Tagen kannst du als Rom-Neuling locker alle zentralen Highlights, die zu einem Trip in die Ewige Stadt gehören, besichtigen. Zu Fuß bekommst du meiner Meinung nach den besten Eindruck von den Ausmaßen des vergangenen antiken Kaiserreichs. Erklimmt man etwa den 51 m (!) hohen Palatin, breitet sich darunter das großartige Forum Romanum wie ein malerischer Flickenteppich aus.

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Ein Katzensprung ist es dann zum angrenzenden Kolosseum, dem alten Schauplatz für Brot und (mörderische) Spiele. Auf dem Rückweg lohnt ein Schwenk auf die ehemalige Pferderennbahn des Circus Maximus, auf der heute sportliche römische Angestellte während der Mittagspause ihre Laufrunden absolvieren. Gleich daneben lässt sich bei der Bocca della Verità die eigene Aufrichtigkeit prüfen, indem du mutig deine Hand in das Maul des antiken Lügendetektors legt. Es geht die Mär, dass hier vor Zeiten der ein oder andere Bevollmächtigte mit einem Schwert aus dem Hintergrund nachgeholfen habe, um die Glaubwürdigkeit des „Wahrheitsmundes“ zu bewahren.

Weitere 5 bis 10 Gehminuten später hast du die Wahl, ins angesagte Künstler- und Kneipenviertel Trastevere abzubiegen oder quasi wie in einer Zeitmaschine in die überbordende Herrlichkeit des barocken Rom einzutauchen, der famose Baumeister – allen voran Borromini und Bernini – ihr Gesicht resp. ihre Fassaden und Brunnen und Plätze gaben. Um sich dann eben gleich hier auf einem der zahlreichen Brunnenränder, Fassadensockel oder Treppen für eine kleine Siesta niederzulassen. Übrigens: Rom ohne (Peters-)Dom? Geht auch – die so geschenkte Wartezeit vor dem Eingang lässt sich sehr gut anderswo verbringen.

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Rom
 mit Kindern entdecken. Hip & Holy

Rom lässt sich mit und vor allem von Kindern toll entdecken. Wir haben in der Engelsburg Verstecken gespielt, im gruseligen Mithräum von S. Clemente versucht, dem verborgenen Wasserrauschen auf die Spur zu kommen, auf dem Pincio in der Mittagspause die „leckerste pizza a taglio aller Zeiten“ verzehrt, das „echte“ Gips-Beinchen entdeckt, das ein kleiner frecher Engel aus dem riesigen illusionistischen Deckengemälde von S. Ignazio di Loyola herausstreckt, uns zusammen mit den Gladiatoren am Kolosseum fotografieren lassen, eine Münze in die Fontana di Tevi geworfen, damit wir auch ja wiederkommen und sind natürlich NICHT auf Berninis Elefanten geritten (weil auf dessen Rücken schon ein Obelisk steht). Und wenn du mal eine Pause brauchst? Im Park der Villa Borghese kannst du vortrefflich chillen. Viel Spaß hatten wir beim Rudern auf dem See und das nächste Mal wollen wir unbedingt Rikschafahren oder mindestens das Marionettentheater angucken. Wie es im Petersdom aussieht, das kannst du bei My Family On Tour nachlesen.

Meine 11 persönlichen Rom-Highlights in diesem Jahr:

Sightseeing:

  • Die Via del Portico D’Ottavia. Das ist zum einen ein kleiner, quietschlebendiger Straßenzug im ghetto, dem jüdischen Viertel Roms. Ehemals ein Fischmarkt, reihen sich heute kleine Läden, Osterien und Bars aneinander; in vielen kann, wer will, koscher essen, hübsche Straßencafés mit Außenbestuhlung laden zum dolce far niente ein.
  • Gleich um die die Ecke liegt die Piazza Mattei mit einem der hübschesten Brunnen Roms, dem Schildkrötenbrunnen.

  • Die Via Monserrato und die Via dei Banchi Vecchi. Beide Straßen liegt abseits der Touristenströme und sind zu empfehlen. Hier findest du eine alternative Szene, die in Geschäften und Restaurants DYI, Handwerk, Klamotten, Bücher, Antikes und frisch Zubereitetes anbietet.
  • Der Park der Villa Borghese. Expresserholung bei lahmen Füßen und Reizüberflutung garantiert.

Essen:

  • Das Restaurant Supplizio. Im kleinen Restaurant Supplizio in der Via dei Banchi Vecchi 143 bekommst du um die Mittagszeit fantastische Suppli in verschiedenen Kreationen. Auch nett im Blog An American in Rome beschrieben.
  • Pizzeria Il Buchetto in der Via Flaminia. Wenn du mich fragst, findest du hier die „leckerste pizza a taglio aller Zeiten“!rom-mit-kindern-pizza
  • Gelateria von Antonietta Cecere. Sollten deine Kinder zwischendurch schlappmachen, mit dem Ausblick auf das nächste Eis wird sich sicher wieder freudige Erwartung breitmachen. Die kleine Gelateria von Antonietta Cecere in der Nähe des Trevi-Brunnens hat es uns dieses Mal besonders angetan. Zum Dahinschmelzen sind die Eissorten Pistazie und Zabaione, dazu gibt es eine sagenhaft freundliche Bedienung und Beratung durch die Chefin persönlich!

Übernachten:

  • Suore Pallotine. Einfach, aber bequem ist es bei den Suore Pallotine in der Via delle Mura Aurelie, die in ihrem „Casa per ferie“ verschiedene Zimmergrößen und Übernachtungsoptionen für Familien ebenso wie für Einzelreisende bereithalten.
  • Hotel Colonna Palace. Ganz zentral und feudal residierst du im altehrwürdigen Hotel Colonna Palace vis-à-vis des Parlaments mit Frühstück auf dem Rooftop und grandiosem Blick über die Dächer der Stadt. Kinder sind hier vielleicht vom altehrwürdigen Ambiente beeindruckt, dürften sich aber schnell langweilen; besser geeignet für einen romantsichen Wochenendtrip zu zweit!
  • Albergo Pomezia. Wer es lebendiger mag, sucht sich seine Unterkunft rund um den Campo de’ Fiori. Das kleine Stadthotel Albergo Pomezia ist hier sehr zu empfehlen. Geeignet für Familien mit größeren Kindern, die schon gerne ein (Doppel-)Zimmer alleine bewohnen und keinen sperrigen Kinderwagen o. Ä. mehr benötigen.
  • Maison Giulia. Das Maison Giulia ist ein kleines Boutiquehotel, das neben dem eigenen Hotel einige Stadt-Palazzi mit komplett möblierten Apartments betreibt. Das Apartment Nummer 6 an der Piazza Capo di Ferro zum Beispiel ist für Familienbedürfnisse bestens zugeschnitten: im Split-Level gruppieren sich Küche, Wohn- und Schlafzimmer im obersten Stockwerk rund um den kleinen Innenhof des alten Palazzo; zum Apartment gehört eine grandiose Dachterrasse, auf der sich bei einem Glas Rotwein der erlebnisreiche Tag in der Stadt Revue passieren lässt.

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Wer es noch cooler mag: Zur Maison Giulia gehört neuerdings auch das Navona49, wo man in stylishen Apartments über der Piazza Navona nächtigt.

Hier sind noch weitere Tipps von Bloggern für die ewige Stadt:

Reportage und Fotos: Katharina Zeutschner

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