Vor zwei Monaten habe ich mein Auto geschrottet. Nicht ideal. Aber es hatte einen Nebeneffekt: Seitdem mache ich am Wochenende häufiger eine Radtour in Berlin – am liebsten am Wasser. Die Havel-Tegelersee-Runde ist eine dieser Strecken, die Geschichte, Kanalwege, Wald und See verbindet. Wer eine längere Radtour Berlin am Wasser sucht, findet hier eine abwechslungsreiche 56-Kilometer-Route.
Radtour Berlin am Wasser: Havel-Tegelersee-Runde (56 km)
Zeit: ca. 3 Stunden 45 Minuten
Länge: 56,1 Kilometer
Start: U-Bahnhof Eberswalder Straße (Prenzlauer Berg)
Charakter: Mischung aus Geschichte, Kanalstrecken, Wald und See
Diese Radtour in Berlin verbindet historische Orte mit überraschend viel Natur. Sie führt vom Prenzlauer Berg über den Mauerweg bis zum Tegeler See und zurück durch Spandau und Charlottenburg – eine abwechslungsreiche Strecke, die Stadt und Wasser perfekt kombiniert. Weitere Ideen findest du im Überblick „Berlin Tipps – besondere Orte zwischen Stadt und Natur“.

1. Abschnitt: Von Prenzlauer Berg zur Gedenkstätte Berliner Mauer
Ich starte am U-Bahnhof Eberswalder Straße und fahre Richtung Westen bis zum Nordbahnhof. Der Radweg verläuft parallel zur Gedenkstätte Berliner Mauer entlang. – einer der eindrücklichsten Orte entlang dieser Radtour durch Berlin.
Ein Spaziergang auf dem ehemaligen Grenzstreifen zeigt, wie nah die deutsch-deutsche Geschichte hier noch ist. Fotos, Schautafeln und erhaltene Mauerreste machen den Ort greifbar. Wer tiefer eintauchen möchte, kann eine Führung bei Berliner Unterwelten e.V. buchen, etwa zur Thematik „Tunnelfluchten unter der Berliner Mauer“. Ich habe diese Tour mit meiner Tochter gemacht – eindrücklich und sehr gut aufbereitet.




Vom Nordbahnhof geht es weiter über die Invalidenstraße, vorbei am Naturkundemuseum bis zum Hamburger Bahnhof.
2. Abschnitt: Mauerweg, Invalidenfriedhof und Günter-Litfin-Gedenkstätte
Hinter dem Hamburger Bahnhof biege ich rechts in den Mauerweg ein. Der Start ist etwas holprig – Kopfsteinpflaster. Nach rund 100 Metern wird der Weg jedoch zu einem gut ausgebauten Radweg entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals.
Auf der gegenüberliegenden Uferseite stehen moderne Neubauten – ein starker Kontrast zur Geschichte dieses Ortes.

Die Strecke führt über den Invalidenfriedhof mit der Auguste-Victoria-Glocke. Sie ist ein Überbleibsel der ehemaligen Gnadenkirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstört und 6. August 1967 auf dem Grenzstreifen gesprengt wurde.

Unweit davon erinnern Gedenktafeln an zwei Maueropfer. Einer der Erschossenen war ein Teenager, der beim Baden im Kanal die Grenze falsch einschätzte. Das andere Opfer ist Günter Litfin. Er ist der erste erschossene Flüchtling nach Mauerbau. Er starb am 24. August 1961 bei einem Fluchtversuch über den Kanal. Ein ehemaliger Grenzturm – heute die Gedenkstätte für Günter Litfin – ist täglich geöffnet. Man kann die zwei Stockwerke im ehemaligen Wachturm hinaufsteigen.

Diese Etappe macht deutlich: Diese Radtour in Berlin ist nicht nur landschaftlich interessant, sondern auch historisch intensiv.
3. Abschnitt: Kanal, Kleingärten und Plötzensee
Ich fahre weiter Richtung Seestraße, vorbei am Freibad Plötzensee und durch Kleingartenanlagen. Schwäne gleiten durchs Wasser, Ruderboote ziehen vorbei. Kaum vorstellbar, dass auf der anderen Seite der Saatwinkler Damm verläuft – früher eine wichtige Zufahrt zum Flughafen Tegel.

Die Tour führt weiter am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang, vorbei am Volkspark Jungfernheide. Der Verkehr ist hier weit weg, der Radweg angenehm zu fahren.
4. Abschnitt: Tegeler See und Greenwichpromenade
Endlich erreiche ich das Ufer des Tegeler Sees. Segelvereine reihen sich aneinander, Kanuten gleiten übers Wasser. Es geht durch den Wald, links glitzert der See. Immer wieder tauchen kleine Badestellen auf – beim nächsten Mal nehme ich definitiv Badesachen mit.
Plötzlich erscheinen Hochhäuser mit großflächigen Murals – Tegel kündigt sich an.


Vor mir liegt die Greenwichpromenade. Ausflugsschiffe warten auf Fahrgäste, darunter auch die „Moby Dick“. Hier wird es belebter.

Ich fahre über die „Sechserbrücke“ zurück in den Tegeler Forst, vorbei am Wildgehege. Wildschweine dösen hinter dem Zaun, Damwild beobachtet neugierig die vorbeiziehenden Radfahrer. Links liegt das wieder eröffnete Strandbad Tegel.
Kurz darauf erreiche ich die kleine Autofähre – ein echtes Berliner Unikum. Für Fußgänger kostet die Überfahrt 1 Euro, Fahrräder fahren kostenlos mit. Von der Aalemannkanal-Brücke aus hat man einen schönen Blick auf die Havel.
5. Abschnitt: Spandau, Charlottenburg und zurück in die Mitte
Der Akku meines Handys wird langsam schwach – ich muss sparsam navigieren. Die Route führt Richtung Altstadt Spandau und weiter über die Straße Freiheit durch ein weniger attraktives Industriegebiet. Ein paar Kilometer geradeaus, dann biege ich links in eine Gartenkolonie ab und erreiche wieder das Wasser – diesmal die Spree.
Ich folge dem Ufer bis zum Schloss Charlottenburg. Von dort geht es weiter entlang der Spree bis zur Straße des 17. Juni. Vor mir liegt die Siegessäule, dahinter Richtung Osten das Brandenburger Tor.

Über die Luisenstraße und die Invalidenstraße kehre ich zurück zur Gedenkstätte Berliner Mauer und schließlich zum U-Bahnhof Eberswalder Straße.
56 Kilometer in knapp vier Stunden. Diese Radtour Berlin am Wasser zeigt, wie vielseitig die Stadt jenseits der klassischen Sehenswürdigkeiten ist. Sie verbindet Geschichte, Natur und Stadt auf eine Weise, die man mit dem Auto nie erleben würde.
Wenn du eine ruhigere Route Richtung Norden suchst, ist die Radtour Berlin entlang der Panke bis zu den Karower Teichen das Richtige für dich.
Was erwartet dich auf dieser Radtour Berlin am Wasser?
Diese 56 Kilometer lange Radtour in Berlin führt vom Prenzlauer Berg über den Mauerweg und den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal bis zum Tegeler See und zurück über Spandau und Charlottenburg. Die Strecke ist weitgehend flach, gut ausgebaut und verbindet historische Orte mit viel Natur.
Für wen eignet sich diese Radtour in Berlin?
Diese Tour ist ideal für geübte Freizeitradler und sportlich ambitionierte Fahrer, die einen ganzen Tag Zeit haben. Wer Berlin aktiv erleben und Stadt, Geschichte und Natur verbinden möchte, bekommt hier eine abwechslungsreiche Strecke.
Weniger geeignet ist die Tour für absolute Anfänger oder kleine Kinder ohne längere Fahrpraxis – allein wegen der Distanz von über 50 Kilometern.
Wenn du eine sportlich anspruchsvollere Strecke suchst, ist die Mountainbike Tour Berlin Brandenburg nach Buckow eine echte Herausforderung
Beste Jahreszeit für die Havel-Tegelersee-Runde
Frühling ist ideal: angenehme Temperaturen und weniger Ausflugsverkehr am Tegeler See.
Im Sommer lohnt sich die Tour besonders mit Badepause.
Der Herbst ist durch den Tegeler Forst landschaftlich reizvoll.
Im Winter ist die Strecke fahrbar, aber durch Wind und eingeschränkte Gastronomie weniger attraktiv.
Praktische Tipps für die Radtour Berlin am Wasser
- Badesachen einpacken – besonders im Sommer.
- Ausreichend Wasser mitnehmen, da es lange Abschnitte ohne Kiosk oder Café gibt.
- Kleingeld für die Fähre bereithalten (1 Euro für Personen, Fahrrad kostenlos).
- Navigation per Komoot oder GPS-Gerät ist sinnvoll.
- Zeit für die Gedenkstätten einplanen – sie sind mehr als nur Zwischenstopps.
Häufige Fragen zur Radtour Berlin am Wasser
Wie lang ist die Havel-Tegelersee-Runde?
56,1 Kilometer.
Wie lange dauert die Tour?
Etwa 3 Stunden 45 Minuten reine Fahrzeit. Mit Pausen solltest du 5–6 Stunden einplanen.
Gibt es viele Steigungen?
Nein, die Strecke ist weitgehend flach.
Ist die Strecke asphaltiert?
Größtenteils ja, mit kurzen Abschnitten auf Kopfsteinpflaster.
Einen Überblick über alle drei Strecken findest du hier: Radtouren in Berlin und Brandenburg.
Wenn du Berlin grundsätzlich aktiv entdecken möchtest, findest du hier den Überblick über weitere Touren und Ideen: Berlin Tipps – besondere Orte zwischen Stadt und Natur
Text und Bilder Britta Smyrak
