Im November nach Ägypten? Sehr gute Idee!

Reise im November nach Ägypten

Es gibt eigentlich nichts Dümmeres, als sich am Flughafen noch schnell eine Sonnenbrille zu kaufen, es sei denn du flüchtest im November nach Ägypten!

Im November nach Ägypten, der Sonne hinterher.

Wenn es in Deutschland schon dunkel und trübe ist, scheint in Ägypten die Sonne und das jeden Tag von morgens bis abends. Die Flugzeit von Berlin nach Hurghada beträgt gerade mal 4 Stunden und 17 Minuten. So kurz und so schnell zurück in den Sommer. Beim Aussteigen blendet die Sonne, die neue Brille kommt sofort zum Einsatz! Der Himmel ist blau, ein sanfter Wind streichelt die Haut.

Die erste Nacht verbringe ich im Hotel Sunrise Crystal Bay Resort direkt am Meer mit einer schönen und weitläufigen Poollandschaft. Ich halte den Fuß ins Meer, eindeutig Badetemperatur! Das Hotel hat die Strandsituation ganz geschickt gelöst, statt sich mit einem kurzen Strandabschnitt zu begnügen, wurde einfach eine kleine Lagune angelegt und der Strandabschnitt dadurch verdoppelt. Rechts und links können sich die Gäste prima auf die zahlreichen Liegen verteilen.

Von Hurghada nach Luxor

Nach einem entspannten Vormittag steige ich nach dem Mittagessen in den Bus und fahre gut vier Stunden über perfekt ausgebaute Straßen Richtung Luxor. Die Landschaft ist zerklüftet und kahl. Ungefähr alle 50 Kilometer passieren wir eine Straßenkontrolle, die Papiere des Fahrers werden kontrolliert und die Kontrollposten zeigen demonstrativ ihre Gewehre. Ich finde es etwas übertrieben, denn ich fühle mich total sicher, aber ich glaube, sie machen das, um mich zu beruhigen.

An einem Rastplatz auf halber Strecke machen wir kurz Pause. Unsere Ankunft bleibt nicht unbemerkt, schließlich sind Touristenbusse selten geworden in Ägypten. Ein paar Beduinenmädchen kommen mit Eseln und Ziegen für ein Foto vorbei. Für einen Euro wird gerne gelächelt und die Ziege auf den Esel gestellt. Leider sieht das auch ein Polizist und nimmt den Mädchen das Geld ab. Ob später noch geteilt wird, ich bezweifel es.

Wir setzten unsere Reise fort und folgen den Strommasten in den Sonnenuntergang.

Ein Blick auf die Uhr, es ist gerade mal 18:30 Uhr und stockdunkel. Wir kommen durch eine kleine Stadt, die Straßen sind nur spärlich beleuchtet. Säße ich selbst am Steuer, ich hätte Angst jemanden umzufahren, aber unser Fahrer bleibt cool.

Entgegenkommende Fahrzeuge blenden immer wieder die Scheinwerfer auf, damit sie nicht übersehen werden. Warum sie überhaupt ohne Licht fahren, ist mir ein Rätsel. Alle paar Meter taucht eine Bodenschwelle, die dafür sorgt, dass die Fahrzeuge sehr, sehr vorsichtig fahren. Unser Fahrer kennt sie alle.

Der Nil und Agatha Christie lässt grüßen.

In Luxor angekommen verbringe ich die Nacht nicht in einem Hotel sondern auf einem Schiff! Herrlich plüschig das ganze Interior, Agatha Christie lässt grüßen.

Am nächsten Morgen, aufwachen und schnell an Deck, der Nil. In der Mythologie der Ägypter trennt der Nil in Luxor das Reich der Lebenden auf der Ostseite vom Reich der Toten auf der Westseite des Flusses. Die Griechen nannten Luxor übrigens Theben und sprachen in ihrer Überlieferung von Ost- und Westtheben. Träge fließt das Wasser vorbei, eine Fischer rudert mit der Strömung. Rechts und links liegen viele Schiffe fest vertäut am Ufer und warten auf Touristen. In der Ferne steigen die Fesselballons auf, bereit für die Fahrt zum Tal der Könige.


Ich gehöre noch zu den Lebenden und gehe in den Salon zum Frühstück. Es ist unglaublich, was für ein leckeres Buffet die Crew in der kleinen Küche für die Gäste zaubert. Stilvoll werden frische Eierspeisen zubereitet und auch sonst fehlt es an nichts.

Luxor und seine Tempel.

Der Grund, warum die meisten Touristen nach Luxor kommen, ist zweifellos der Karnak-Tempel, benannt nach einem Dorf etwa 2,5 Kilometer nördlich von Luxor. Es ist die größte Tempelanlage von Ägypten. Ursprünglich über 100 Hektar groß, umfasst das heute zugängliche Gelände knapp 30 Hektar. Da die einstige Schutzmauer zerstört wurde, überschwemmte das jährliche Nil-Hochwasser jahrhundertelang das Gelände und die Ruinen verschwanden unter meterdickem Schlamm.

Erst Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Ausgrabungen, der Schlamm wurde abgetragen und Tempel, Säulen und Statuen freigelegt. Noch bis in die Neuzeit bauten die Einwohner von Luxor ihre Wohnhäuser innerhalb der einstigen Mauern. Und auch wenn einige Häuser wieder abgerissen wurden, so wird ein Großteil wohl auf den im Schlamm versunkenen Ruinen stehen bleiben.

Hauptteil der Tempelanlage ist der Amun-Bezirk. Schon von Weitem ragen die mächtigen Pylone in den Himmel, dieses doppeltürmige Bauwerk, das den Eingang zum Tempel bildet. Davor befindet sich die Widder-Allee. Der Widder gilt bei den Ägyptern als Zeichen von Fruchtbarkeit.


Die Tempelanlage ist verwirrend. Dutzende Herrscher bauten hier über 13 Jahrhunderte lang verschiedene Tempel, veränderten ständig die Struktur und bis heute ist es den Archäologen nicht gelungen, die letzten Rätsel zu lösen. Ich versuche mir zu merken, was ich rechts und links sehe, bin aber schnell überfordert. Am meisten beeindrucken mich die gigantischen Säulen der großen Säulenhalle, die von Haremhab begonnen und unter König Sethos I. und seinem Sohn Ramses II. vollendet wurde.

Auf einer Fläche von 103 Metern Länge und 53 Metern Breite standen einst über 130 sogenannte Papyrussäulen, die das ehemals hölzerne Dach trugen. Im Mittelschiff der Halle waren die Säulen über 20 Meter hoch und von oben bis unten mit Hieroglyphen versehen. Die Papyrussäule stellt ein Abbild der Papyruspflanze dar, die als Sinnbild für das Wachsen und Gedeihen steht und die Wappenpflanze von Unterägypten ist.

In der Antike verband eine Allee, die beidseitig von 365 Sphingen gesäumt war, den Amun-Tempel mit dem ca. 3 km entfernten Luxor-Tempel im Zentrum von Luxor. Dieser Tempel ist viel kleiner, aber nicht weniger beeindruckend. Am Eingang stehen zwei mächtige Statuen von Ramses II. und auf der linken Seite ein Obelisk. Das Pendant dazu befindet sich in Paris auf der Place de la Concorde. Im Inneren der Tempelanlage sind noch Reste von kleinen Kirchen erkennbar, außerdem eine Moschee, die im Mittelalter, als der Tempel schon halb vom Wüstensand zugeweht war, auf einem erhöhten Bodenniveau errichtet worden war. Und natürlich sehe ich wieder zwei riesige Ramses-Statuen, eine davon ist sehr gut erhalten.

Ramses II. gilt für viele als Bauherr von Ägypten. Er vollendete nach der Thronbesteigung die Bauten seines Vaters und errichtete neben den Tempeln in Luxor auch den Tempel von Abu Simbel in Assuan. All das geschah vor gut 1200 Jahre vor Christus!

Infos für die Reise nach Ägypten:

  • In Ägypten kannst du einen Badeurlaub prima mit einzigartiger Kultur verbinden. Ich bin im November nach Ägypten gereist, die beste Reisezeit für Rundreisen und Wüstentouren oder Trekking sind Oktober und November bzw. Februar bis April. Im Sommer ist es in Oberägypten (Luxor, Assuan) einfach zu heiß.
  • Im Moment ist eine Reise nach Ägypten recht günstig. Der Wechselkurs ist ungefähr 1:20, das heißt für einen Euro bekommst du 20 LE.
  • Die Ägyptische Währung ist das Ägyptische Pfund (= LE in lateinischer Schrift nach dem französischen Namen livre égyptienne. Das L wird eigentlich wie ein britisches Pfund-Zeichen geschrieben, aber der Einfachheit halber wird das einfache L verwendet), das in 100 Piaster (Pt) unterteilt ist. Es gibt 1, 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Pfund Noten.
  • Zur Zeit sind recht wenig Touristen im Land. Das hat den Vorteil dass du in den Tempelanlagen viel sehen kannst und nicht ständig von Touristen umgerannt wirst. Beste Besuchszeiten für die Tempel sind am frühen Morgen, oder am frühen Abend.
  • Öffnungszeiten und Eintrittsgeld:
  • Der Karnak Tempel ist täglich geöffnet von 6 Uhr- 17:30 im Sommer bis 18 Uhr. Die Preise ändern sich ständig, was auch am schwankenden Wechselkurs liegt. Stand von November 2017: Eintritt: 120LE / Studis 60LE.
  • Der Luxor Tempel ist momentan täglich geöffnet von 6 Uhr- 22:00. Luxor Tempel 100LE / Studis 50LE. Wenn Du mit Stativ fotografieren möchtest, kostet es nochmal 20 LE extra.

Fortsetzung folgt: Vom Ostufer zieht es mich weiter zum Reich der Toten auf der Westseite.

Fotos und Text Britta Smyrak

Danke an ÖgerTours für die Einladung zu dieser fantastischen Reise im November nach Ägypten.

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