Agadir die weiße Stadt am Meer

Voller Lebenslust: Meine ehrlichsten Agadir Tipps – die weiße Stadt am Meer überrascht

Agadir überrascht. Die Stadt am Atlantik ist kein marokkanisches Postkartenmotiv – und genau das macht sie so besonders. In diesem Artikel findest du meine persönlichen Agadir Tipps: von der Kasbah und dem Souk El Had bis zum Nachtleben, das die meisten Touristen nie sehen. Und weil Agadir nur der Anfang ist, verrate ich dir auch die schönsten Ausflüge in die Umgebung.

Seit drei Tagen bin ich in Agadir – und am liebsten sitze ich einfach am Strand und schaue den Menschen zu. Schon morgens früh muss ich ans Wasser, einfach kurz dasitzen und Energie für den Tag tanken.

Agadir Tipps der Strand

Einige sportliche Touristen joggen die Bucht entlang, immer wieder kommt ein Trupp Menschen vorbei, der den Strand akribisch nach Müll absucht. Dieser wunderbare Ort liegt auch den Marokkanern sehr am Herzen.

Tagsüber wird es lebendiger, aber zu dieser Jahreszeit nie wirklich voll. Zu den Sportlern gesellen sich junge Marokkaner, viele Pärchen – Studenten vermutlich, Agadir hat mehrere Unis. Am Nachmittag kommen die Familien dazu und es wird am Strand entlang flaniert. Dabei lag Agadir nicht immer hier unten am Meer.

Agadir Adé. Eine Geschichte von Niedergang und Neuanfang

Die Geschichte von Agadir reicht zurück ins sechzehnte Jahrhundert. Anfangs war es ein einfaches Fischerdorf, bis die Portugiesen kamen und es zu einer Festung ausbauten, zu einer Station auf ihrem Seeweg nach Indien. Mitte des Jahrhunderts wurde die Festung von den Saadiern einer muslimische Dynastie, die von 1549 bis 1664 über das heutige Marokko herrschte, erobert und sie bauten 1572 auf dem Berg die Kasbah mit Blick über den Ozean.

Agadir Tipps

Gleich am ersten Tag meiner Reise war ich oben und habe die Kasbah besichtigt, wobei besichtigen das falsche Wort ist, denn bis auf die imposante Stadtmauer ist dort oben seit dem verheerenden Erdbeben vom 1. März 1960 kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Man sieht eigentlich nur noch ein Geröllfeld.

Nur 8 Sekunden hat die Erde gebebt. 15.000 Menschen starben. Der Schock saß tief und die Angst vor einem weiteren Beben war groß. Es wurde entschieden, die Stadt nach unten ans Meer zu verlegen. Viele Nationen halfen damals beim Wiederaufbau. Die Schweiz baute sogar ein ganzes Viertel auf („Schweizer-Viertel“) und es entstand Agadir die weiße Stadt am Meer.

Tagsüber lungern ein paar Dromedare vor der Mauer herum und eine Hand voll Händler warten verschlafen auf Kundschaft. Abends sieht das alles ganz anders aus, aber dazu später mehr.

Agadir Tipps

Doch trotz vereinter Kräfte, Agadir ist keine schöne Stadt im klassischen Sinn geworden. Der Hafen und die Marina sind herausgeputzt und warten mit vielen Appartements auf Touristen. Eine fürchterliche Bimmelbahn fährt die Strandpromenade entlang und fängt Touristen ein. (Ich frage mich manchmal, wer den Menschen vor Ort immer diesen Blödsinn verkauft) Aber es fehlt ein Zentrum, es fehlt das Herz der Stadt.

Agadir Tipps Hafen

Der Versuch die Medina wieder auf- bzw. nachzubauen, um einen Eindruck zu vermitteln, wie es in den engen Gassen Agadirs vor dem Beben gewesen sein muss, kann über den Verlust nur schwer hinwegtrösten. Es ist zwar alles ganz hübsch geworden, wirkt aber irgendwie künstlich.

Das echte, das lebenslustige Agadir. Nicht (nur) für Touristen.

Der Reiz von Agadir liegt für mich nicht in der Vergangenheit sondern in der Gegenwart. Die Stadt ist authentisch, ehrlich und verzichtet auf den 1001-Nacht-Kitsch. In den Souk El Had gehen nicht nur Touristen, sondern vor allem die Einwohner von Agadir und dem Umland und kaufen dort, was sie zum täglichen Leben brauchen.

Und dann ist da eben dieser Strand. Dieses breite Band, an dem sich alles trifft. Vor dem Abendessen nutze ich die Zeit und setzte mich ein letztes Mal in den warmen Sand.

Plötzlich stellt sich ein Typ zwischen mich und die Sonne. Aha denke ich, typische Strandanmache und in Gedanken durchlaufe ich den Standarddialog: Alleine hier? Wie heißt du? Was machst du? Wo kommst du her? Aber irgendwie ist das Gespräch viel netter. Mohamed spricht perfekt englisch und wir reden über das Surfen, seine Geschwister in Frankreich und Kanada, meine Familie. Ich frage ihn, ob er auch weg will aus Marokko, wie so viele Leute im Moment. Aber er hat andere Pläne es gefällt ihm hier. Er liebt das Meer und die Sonne und dagegen fällt mir definitiv kein Argument ein. Wir schweigen und sehen der Sonne zu, wie sie langsam im Meer versinken will.

Dann der Vorschlag: Kommst du mit hoch zur Kasbah? Klar, warum nicht. Mohamed holt schnell das Auto von seinem Kumpel und keine 10 Minuten später sind wir unterwegs. Der Wettlauf mir der Sonne hat begonnen. Wir machen noch einen kurzen Halt beim Liquor Store, der um diese Uhrzeit, wen wunderst’s, brechend voll ist, und düsen ausgestattet mit ein paar Bierchen den Berg hinauf. Meine Bedenken bezüglich Alkohol in einem moslimischen Land teilt Mohamed nicht. Als wir oben ankommen, haben wir verloren, die Sonne ist längst abgetaucht, aber die Aussicht auf die Lichter der Stadt ist einfach nur schön.

Die Szenerie am Abend  ist komplett anders als tags zuvor, es ist rappelvoll. Die Dromedare und ein Pony sind im Dauereinsatz und tragen jauchzende Kinder die Straße hinauf und hinunter, immer an der Mauer entlang.

Das Popcorn ist heiß begehrt, Fotos und Selfies mit Aussicht schwer angesagt. Es ist eine entspannte ausgelassene Atmosphäre und ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Das hier oben ist Agadir, wie ich es liebe.

Als es kühl wird, fahren wir den Berg wieder hinunter und gehen in einen Pub gleich gegenüber vom Hotel. Das Publikum ist gemischt und ich würde sagen, die meisten sind keine Touristen. Anfangs legt noch ein DJ auf, der keine Miene verzieht. Richtig lustig wir es, als eine live Band auftritt und traditionelle marokkanische Musik spielt. Der Saal tobt. Das junge Publikum hält nichts mehr auf den Stühlen. Musiker, Gäste, alle, tanzen oder wippen im Takt.

Spätestens jetzt ist klar: Die Vergangenheit kann Agadir nicht einfach rekonstruieren – aber das muss diese Stadt auch gar nicht. Ihre Gegenwart ist viel reizvoller.

Würde ich Agadir weiterempfehlen? Ja – aber nicht für jeden. Wer marokkanische Bilderbuch-Atmosphäre sucht, ist in Marrakesch besser aufgehoben. Wer erleben will, wie eine junge, lebendige Stadt einfach lebt – am Strand, in den Souks, nachts in einer Bar mit Live-Band – der ist in Agadir genau richtig. Ich komme wieder, sobald ich kann.

Agadir und Umgebung: Was hinter der Stadt wartet

Agadir ist ein guter Ausgangspunkt – aber wer nur an der Strandpromenade bleibt, verpasst das Beste. Südlich der Stadt liegt Tifnit, ein altes Fischerdorf mit einem vier Kilometer langen, fast menschenleeren Strand. Noch weiter südlich, rund 70 Kilometer entfernt, lockt Sidi Moussa d’Aglou mit wilder Atlantikküste, die vor allem bei Einheimischen beliebt ist. Und das Dorf Mirleft mit seinen weißen Sandstränden und ordentlichen Wellen ist längst ein Geheimtipp unter Surfern – auch wenn der wachsende Surftourismus die Gegend langsam verändert.

Das absolute Highlight in der Umgebung ist aber das Paradise Valley: ein grünes Tal mit Palmen, Wasserfällen und kleinen Cafés mitten in der kargen Atlaslandschaft, nur 30 Kilometer von Agadir entfernt. Dazu kommt ein Besuch in einer Frauen-Arganöl-Kooperative, der dir zeigt, wie viel Arbeit in jedem Fläschchen Arganöl steckt – und ein Abendessen in der Atlas Kasbah Ecolodge mit Blick über die Landschaft bis die Sonne untergeht. Alles das und mehr findest du in meinem Artikel Agadir und Umgebung: Paradise Valley, Arganöl und Atlas Ecolodge.

Noch mehr Artikel zu Marokko findest du hier:

Fotos und Text Britta Smyrak

Agadir, ich komme wieder, sobald ich kann! Danke an das Staatliche Marokkanische Fremdenverkehrsamt für die Einladung und die Möglichkeit zur recherche meiner Agadir Tipps.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert