Wandern in Berlin – vier überraschende Wanderungen durch Stadt und Umland

Wandern in Berlin? Zweifel sind durchaus berechtigt. Berlin ist keine Stadt, die man sofort mit Wandern verbindet. Wer an Wandern denkt, sieht normalerweise Berge vor sich, Wald, schmale Pfade, vielleicht einen Gipfel am Ende.

Berlin sieht anders aus. Die Stadt steht eher für Häuser, U-Bahn, Verkehr und dichte Bebauung.

Trotzdem lässt sich diese Stadt prima zu Fuß erkunden – nicht als Spaziergang, sondern als richtige Wanderung. Mehrere Stunden unterwegs sein, Strecke machen, zwischendurch Pausen einlegen und merken, dass sich die Umgebung verändert.

Auch beim Wandern in Berlin und Umgebung musst du anders planen als bei einem kurzen Stadtspaziergang. Du brauchst Zeit, Proviant und die Bereitschaft, länger unterwegs zu sein. Dafür bekommst du etwas zurück, das im Alltag oft fehlt: Ruhe, Bewegung und das Gefühl, wirklich unterwegs gewesen zu sein.

Wandern in Berlin

Vier Strecken haben mir besonders deutlich gezeigt, dass Wandern in Berlin und Umgebung tatsächlich möglich ist.

Vom Müggelsee zum Müggelturm – überraschend abwechslungsreich

Meine erste richtige Wanderung in Berlin begann am S-Bahnhof Friedrichshagen.

Schon der Weg vom Bahnhof fühlt sich anders an als eine klassische Stadttour. Ich bin durch die Bösestraße gelaufen – eine ruhige Straße mit kleinen Geschäften und alten Häusern. Nichts Spektakuläres, aber ein angenehmer Einstieg.

Kurz darauf folgt ein Abschnitt, den viele nicht kennen: der Spreetunnel Friedrichshagen.

Zu Fuß durch diesen Tunnel zu gehen ist ein besonderer Moment. Man verschwindet kurz unter der Erde, verlässt den gewohnten Stadtraum und taucht wenige Minuten später wieder am Wasser auf.

Dann liegt der Müggelsee vor einem.

Hier beginnt der Teil, der sich wirklich nach Wandern anfühlt. Der Weg führt am Ufer entlang, mit Blick auf das Wasser. Segelboote liegen draußen auf dem See, und trotzdem wirkt die Umgebung ruhig.

Ein markanter Punkt auf der Strecke ist das Restaurant Rübezahl. Hier endet der offene Uferbereich. Ab diesem Punkt verlässt man das Wasser und geht in den Wald hinein.

Dieser Übergang hat mich besonders überrascht.

Der Weg wird schmaler, der Untergrund verändert sich, und plötzlich fühlt sich die Umgebung deutlich wilder an. Einer der eindrucksvollsten Orte auf dieser Strecke ist das Teufelsseemoor. Es liegt etwas versteckt zwischen den Bäumen und wirkt ruhig und abgeschieden.

Wandern in Berlin

Hier merkt man, wie viel Natur in Berlin steckt, ohne dass man sie im Alltag wahrnimmt.

Am Ende folgt der Anstieg zum Müggelturm.

Er ist kein alpiner Gipfel, aber der Weg nach oben ist lang genug, um ihn zu spüren. Oben angekommen öffnet sich der Blick über Wald und Wasser. Kein spektakuläres Panorama wie in den Bergen – aber Weite und das Gefühl, wirklich Strecke gemacht zu haben.

Diese Wanderung war für mich der Moment, in dem klar wurde: Wandern in Berlin funktioniert.

Havelhöhenweg – eine echte Tageswanderung durch den Grunewald

Wenn es eine Strecke gibt, die eindeutig zeigt, dass Berlin mehr kann als Parkspaziergänge, dann ist es der Havelhöhenweg.

Ich bin mit der S-Bahn bis Nikolassee gefahren und dort gestartet. Folge der Beschilderung zum Strandbad Wannsee und schon nach kurzer Zeit tauchst du in den Grunewald ein.

Der Havelhöhenweg verläuft oberhalb der Havel und gehört zu den abwechslungsreichsten Strecken, die man in Berlin zu Fuß zurücklegen kann.

Wandern in Berlin

Mal läuft man durch dichten Wald, mal öffnet sich der Blick auf das Wasser. Immer wieder tauchen kleinere Höhen und leichte Anstiege auf, die dafür sorgen, dass sich die Strecke wie eine echte Wanderung anfühlt.

Nimm auf jeden Fall Badesachen mit, wenn du im Sommer unterwegs bist. Es gibt viele Badestellen an denen du vorbei kommst.

Was mich besonders überrascht hat auf dieser Tour, war die Ruhe.

Ich war an einem Wochenende unterwegs und habe auf der gesamten Strecke genau zwei Menschen getroffen. Das hat mich ehrlich erstaunt. In einer Großstadt rechnet man mit vielen Menschen, nicht mit stillen Waldwegen über mehrere Stunden.

Die Strecke eignet sich sehr gut als Tageswanderung.

Länge: etwa 10 bis 12 Kilometer
Dauer: rund 3,5 bis 4,5 Stunden
Start: S-Bahnhof Nikolassee
Ende: Bereich Schildhorn / Restaurant Alte Liebe

Am Ende bin ich beim Restaurantschiff Alte Liebe angekommen. Dort kann man direkt am Wasser sitzen und eine Pause einlegen.

Von dort habe ich den Bus 218 zur S-Bahn Heerstraße genommen. Der Bus fährt täglich, allerdings nicht sehr häufig. Es lohnt sich, die Verbindung vorher zu prüfen.

Man kann auch weiterwandern bis zum S-Bahnhof Heerstraße. Das macht die Tour allerdings deutlich länger. Ich war froh, den Bus genommen zu haben.

Wichtig für diese Strecke:
Proviant und Wasser mitnehmen. Unterwegs gibt es kaum Möglichkeiten einzukehren. Und wenn du möchtest ein Handtuch und Badesachen.

Wer in dieser Gegend unterwegs ist, kann den Grunewald auch auf eine ganz andere Art entdecken. Bei meiner Pilzwanderung am Wannsee habe ich gelernt, wie viel Leben sich im Waldboden verbirgt – eine völlig andere Perspektive auf die Landschaft auf der anderen Seite des Wannnsees.

Grüner Hauptweg 13 – vom S-Bahnhof Waidmannslust nach Lübars

Eine ganz andere Erfahrung war meine Wanderung entlang des Grünen Hauptwegs 13 ab dem S-Bahnhof Waidmannslust Richtung Lübars.

Wandern in Berlin

Ich bin eher zufällig auf diesen Weg gestoßen. Erst später habe ich verstanden, dass es in Berlin ein ganzes Netz solcher Wege gibt, die Parks, Wasserläufe und Grünflächen miteinander verbinden. Der Grüne Hauptweg 13 ist einer davon – und zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie schnell sich Berlin verändern kann.

Der Anfang wirkt noch ziemlich städtisch. Straßen, Häuser, Alltag. Doch schon nach kurzer Zeit wird es ruhiger. Einer der ersten schönen Abschnitte führt am Hermsdorfer See entlang. Das Wasser liegt ruhig zwischen den Bäumen, und man merkt schnell, dass sich die Umgebung verändert. Baden ist hier nicht erlaubt, weil der See Teil eines geschützten Naturraums ist – gerade deshalb wirkt die Landschaft besonders unberührt.

Nimm trotzdem Badesachen mit, denn gleich nach dem Hermsdorfer See liegt rechter Hand das Freibad Lübars. Gerade im Sommer ist das ein idealer Ort für eine Pause oder einen Badestopp nach den ersten Kilometern.

Wandern in Berlin

Ein Stück weiter biegt links der Eichwerder Steg ab, der über das Tegeler Fließ führt. Schautafeln am Holzsteg informieren über die Tiere und Pflanzen, die hier leben. Von dort blickt man auf Wasser, Schilf und weite Flächen – ein überraschend ruhiger Ort mitten in Berlin. Der Steg führt wieder zurück Richtung Bebauung. Ich bin dort umgedreht, um auf dem Hauptweg weiter nach Lübars zu wandern.

Dieser Übergang ist das eigentlich Spannende an dieser Strecke. Man merkt unterwegs, wie schnell sich Berlin verändern kann. Wenige Kilometer reichen, und die Umgebung wirkt deutlich ländlicher. Wege führen durch offene Flächen, vorbei an Wiesen und Feldern.

Lübars selbst ist ein besonderer Ort. Fachwerkhäuser, kleine Straßen und viel Grün prägen das Bild. Es gehört zu den wenigen Bereichen in Berlin, in denen man kurz vergisst, dass man sich noch innerhalb der Stadtgrenzen befindet. Nach mehreren Stunden unterwegs fühlt sich das Dorf fast wie ein Ziel außerhalb der Stadt an.

Diese Wanderung hat mich überrascht, weil sie zeigt, dass Berlin nicht abrupt endet. Die Stadt geht langsam über in Landschaft – Schritt für Schritt.

Und genau das macht diese Strecke so interessant.

Länge: etwa 12 bis 14 Kilometer
Dauer: rund 3 bis 4 Stunden
Start: S-Bahnhof Waidmannslust
Ziel: Dorf Lübars

Unterwegs gibt es nur keine Möglichkeiten zur Einkehr. Es lohnt sich, Wasser und einen kleinen Snack mitzunehmen. Gerade an warmen Tagen sind Badesachen sinnvoll – entweder für einen Stopp im Freibad Lübars oder für eine längere Pause am Wasser.

In Lübars gibt es den Gasthof Alter Dorfkrug, der zur Zeit nur am Wochenende ab 13 Uhr geöffnet hat. Am besten vorher im Internet checken.

Die Grünen Hauptwege – ein Wanderwegenetz quer durch Berlin

Bei meiner Wanderung nach Lübars bin ich zum ersten Mal bewusst auf einen Grünen Hauptweg gestoßen. Vorher wusste ich nicht einmal, dass es so etwas gibt.

Dabei existiert in Berlin ein offizielles Wanderwegenetz mit insgesamt 20 Grünen Hauptwegen.

Diese Wege verbinden Parks, Wälder, Gewässer und Grünflächen miteinander. Ziel ist es, längere Strecken durch die Stadt zu ermöglichen, ohne ständig entlang stark befahrener Straßen laufen zu müssen.

Zusammen ergeben die Grünen Hauptwege ein Netz von über 550 Kilometern Wanderwegen.

Viele Berliner kennen diese Wege nicht – dabei sind sie eine ideale Grundlage für längere Touren. Manche verlaufen entlang von Seen, andere durch Wälder oder entlang ehemaliger Bahntrassen.

Der Grüne Hauptweg 13, auf dem ich Richtung Lübars unterwegs war, ist nur einer von vielen.

Allein dieses Wegenetz zeigt, dass Wandern in Berlin kein Zufall ist. Es ist möglich – und an vielen Stellen überraschend abwechslungsreich.

66-Seen-Wanderweg – von Birkenwerder nach Wensickendorf (16 km)

Eine Strecke, die sich für mich besonders nach klassischem Wandern angefühlt hat, war ein Abschnitt des 66-Seen-Wanderwegs von Birkenwerder nach Wensickendorf.

Ich bin mit der S-Bahn nach Birkenwerder gefahren. Von dort dauert es nicht lange, bis man den Ort hinter sich lässt und in ruhigere Landschaft kommt.

Schon am Anfang wartet ein echtes Highlight: der Boddensee. Direkt am see gibt es das Restaurant Boddensee mit schöner Terrasse. Wer will kehrt hie rein bevor es richtig los geht.

Wandern in Berlin

Hier verläuft der Weg über schmale Stege durch eine feuchte Landschaft. Die Planken sehen aus wie Holz, bestehen aber aus Kunststoff und sind angenehm zu laufen.

Links und rechts stehen Bäume direkt im Wasser. Dieser Abschnitt wirkt fast wie eine kleine Moorlandschaft und gehört für mich zu den eindrucksvollsten Momenten der Strecke.

Wandern in Berlin und Umgebung

Danach führt der Weg weiter durch dichte Wälder.

Besonders die Kiefern haben mich beeindruckt. Ihre Stämme stehen dicht nebeneinander und wirken aus der Entfernung fast wie aufgereihte Strohhalme. Der Boden ist weich, mit Nadeln bedeckt, und die Geräusche der Umgebung werden immer leiser.

Was mir auf dieser Strecke besonders aufgefallen ist: die Ruhe.

Ich habe nur wenige Menschen getroffen. Für eine Strecke, die von Berlin aus so gut erreichbar ist, hat mich das überrascht.

Diese Wanderung eignet sich gut für eine längere Tagestour.

Länge: etwa 16 Kilometer
Dauer: rund 4 Stunden
Start: S-Bahnhof Birkenwerder
Ziel: Bahnhof Wensickendorf

Unterwegs gibt es keine festen Einkehrmöglichkeiten. Deshalb lohnt es sich, ausreichend Proviant mitzunehmen. Besonders praktisch ist auch eine kleine Decke, um unterwegs eine Pause einzulegen oder ein Picknick zu machen.

Diese Strecke fühlt sich weniger nach Stadt und mehr nach klassischem Wandern an. Sie zeigt, wie schnell sich die Umgebung verändert, sobald man ein Stück weiter aus Berlin hinausgeht. Mehr über die 66-Seen-Wanderung rund um Berlin findest du in diesem Artikel.

Was du beim Wandern in Berlin beachten musst

Beim Wandern musst du anders planen als bei einem kurzen Spaziergang.

Ein paar Dinge habe ich auf diesen Strecken schnell gelernt:

  • Entfernungen wirken kürzer, als sie tatsächlich sind
  • Wasser wird schneller knapp, als man erwartet
  • Eine Regenjacke gehört eigentlich immer in den Rucksack, genauso wie ein Blasenpflaster.
  • Proviant macht den Unterschied, wenn es unterwegs keine Einkehr gibt
  • Badesachen mitnehmen lohnt sich, es gibt mehr Seen in Berlin als du denkst.

Gerade längere Strecken wie der Havelhöhenweg oder die 66-Seen-Wanderung sind keine spontanen Abendrunden. Sie brauchen etwas Vorbereitung.

Dafür bekommt man etwas zurück, das im Alltag selten geworden ist: mehrere Stunden draußen sein, ohne ständig unterbrochen zu werden.

Mein Fazit: Wandern in Berlin ist möglich – und überraschend abwechslungsreich

Berlin ist keine klassische Wanderregion. Es gibt keine Berge und keine dramatischen Gipfel.

Aber es gibt Wege.

Lange Wege, ruhige Wege und überraschende Übergänge zwischen Stadt und Landschaft.

Vom Müggelsee über den Havelhöhenweg bis zum Grünen Hauptweg nach Lübars und weiter auf den 66-Seen-Wanderweg zeigt sich eine Seite der Stadt, die viele nicht kennen.

Auch eine Großstadt wie Berlin bietet Raum für Bewegung, für Wanderungen auf längeren Strecken. Und die größte Überraschung, du bist oft fast alleine unterwegs. Wer also glaubt, dass Wandern nur außerhalb der Stadt funktioniert, wird hier eines Besseren belehrt.

Wer Berlin nicht nur zu Fuß, sondern auch auf zwei Rädern entdecken möchte, findet hier weitere längere Strecken:
Radtouren in Berlin und Brandenburg – drei Strecken, drei Perspektiven

Und wenn du Berlin grundsätzlich zwischen Stadt, Wasser und Natur entdecken möchtest, findest du hier weitere Ideen:
Berlin Tipps – besondere Orte zwischen Stadt und Natur

text und Fotos ©Britta Smyrak

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