So vermeidest du das Massentourismus-Gefühl auf Kreuzfahrten

Stell dir vor, du stehst an der Reling, der Wind zerzaust deine Haare und vor dir liegt nichts als die unendliche, tiefblaue Freiheit des Ozeans. Es ist dieser eine magische Moment, für den du monatelang gespart, geplant und geträumt hast. Doch dann drehst du dich um und die Realität trifft dich mit der Wucht eines nassen Handtuchs. Hunderte Mitreisende drängen sich am Buffet um die letzten krossen Speckstreifen, am Pool wird ein erbitterter Kampf um die Liegen ausgefochten, der jedem antiken Gladiator Respekt abgerungen hätte, und beim Landgang fühlst du dich wie ein winziges Teilchen in einem riesigen Ameisenhaufen.

Viele Reisende möchten genau dieses Gefühl vermeiden und fragen sich, wie sie Massentourismus auf Kreuzfahrten vermeiden können, ohne auf das Erlebnis Schiff zu verzichten.

Doch keine Sorge, du musst deinen Traumurlaub nicht an den Nagel hängen oder panisch auf ein einsames Floß umsteigen. Es ist durchaus möglich, auch auf den großen Pötten eine intime und entspannte Atmosphäre zu genießen. Du musst nur wissen, wie du dich bewegst. Das Geheimnis liegt in der richtigen Strategie. Ein erfahrener Kreuzfahrer verhält sich wie ein eleganter Geheimagent. Er ist da, aber er schwimmt gegen den Strom. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen die Meere bereisen, wird Individualität zum höchsten Gut.

Warum dein Wecker dein bester Freund ist

Der Durchschnittsurlauber ist ein absolutes Gewohnheitstier. Er steht um neun Uhr auf, frühstückt gemütlich um halb zehn und liegt pünktlich um elf Uhr wie ein Seestern am Pool. Genau hier liegt deine Chance. Sei ein Zeit-Rebell. Das klingt im ersten Moment anstrengend, ist aber der absolute Schlüssel zur glückseligen Einsamkeit. Wenn du deinen Wecker auf eine Zeit stellst, zu der sich die meisten Passagiere noch im Land der Träume befinden, gehört das Schiff dir ganz allein. Ein Spaziergang an Deck zum Sonnenaufgang ist nicht nur unverschämt romantisch, sondern auch menschenleer.

Dasselbe Prinzip gilt für die Mahlzeiten. Die Restaurants gleichen zu den klassischen Stoßzeiten oft einem wild gewordenen Bienenstock. Verschiebe deinen Rhythmus einfach um eine Stunde nach vorne oder hinten. Geh sehr früh oder sehr spät zum Abendessen. Viele Schiffe bieten mittlerweile flexible Tischzeiten an, die du unbedingt nutzen solltest.

Nischenprodukte und das Schiff im Schiff

Natürlich spielt auch die Hardware eine entscheidende Rolle. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass Kreuzfahrtschiffe schwimmende Städte sind, die mit ihrer gigantischen Infrastruktur tausende von Menschen versorgen, unterhalten und beherbergen. Wer absolute Stille sucht, ist auf einem Megaliner mit 6000 Passagieren vielleicht falsch aufgehoben – es sei denn, er bucht klug. Die großen Reedereien haben das Bedürfnis nach Exklusivität erkannt und bieten Konzepte an, die man als „Schiff im Schiff“ bezeichnet. Bereiche wie der Yacht Club bei MSC oder The Haven bei Norwegian Cruise Line sind exklusive Zonen, die nur mit speziellen Schlüsselkarten zugänglich sind. Dort gibt es eigene Restaurants, Pools und Sonnendecks, auf denen du von der Hektik und dem Trubel des restlichen Schiffes absolut nichts mitbekommst.

Alternativ lohnt sich der Blick auf kleinere Schiffe oder Expeditionskreuzfahrten. Diese sind zwar oft etwas preisintensiver, bieten dir aber ein völlig anderes Reisegefühl. Wer beispielsweise die Küsten Marokkos oder kleine griechische Inseln erkunden will, kommt mit einem kleineren Schiff in Häfen, die den großen Riesen verwehrt bleiben. Das reduziert automatisch das Gefühl von Massentourismus, da du nicht mit 3000 anderen gleichzeitig in ein kleines Fischerdorf einfällst.

Bloß nicht dem Regenschirm folgen

Der vielleicht kritischste Moment einer jeden Kreuzfahrt ist das Anlegen. Die Gangway wird heruntergelassen und tausende Passagiere strömen wie Wasser aus einem gebrochenen Damm an Land. Draußen warten bereits hunderte Busse und Reiseleiter, die bunte Regenschirme oder Schilder in die Höhe recken. Das ist der Moment, in dem du tief durchatmest und einen großen Bogen um dieses Szenario machst. Organisierte Landausflüge der Reedereien sind bequem, aber sie sind auch der Garant für das ultimative Herdentrieb-Gefühl. Man wird im Gänsemarsch durch Sehenswürdigkeiten geschleust, hat fünf Minuten für ein Foto und zehn Minuten für den Souvenirshop.

Deine Lösung um Massentourismus auf Kreuzfahrten zu vermeiden heißt Individualität. Recherchiere vor der Reise. Buche lokale Guides, die nichts mit dem Schiff zu tun haben. Ein privater Fahrer in Agadir oder ein lokaler Food-Guide in Barcelona zeigen dir Ecken der Stadt, die kein Bus-Tourist jemals sehen wird. Wenn du mutig bist, miete dir Fahrräder oder nutze den öffentlichen Nahverkehr. Entferne dich so schnell wie möglich von der touristischen Hauptschlagader. Oft reicht es, zwei Straßen weiterzugehen, um in das echte Leben einzutauchen. Setz dich in ein kleines Café, beobachte die Einheimischen und lass die Seele baumeln, während die anderen durch die Kathedrale gehetzt werden. Das Erlebnis wird dadurch authentischer, entspannter und vor allem einzigartig. 

Massentourismus auf Kreuzfahrten vermeiden

Massentourismus auf Kreuzfahrten vermeiden oder wo die Stille wohnt

Selbst auf dem vollsten Schiff gibt es Orte, die fast immer leer sind. Du musst sie nur finden. Ein klassisches Beispiel ist die Bibliothek. In Zeiten von Tablets und Smartphones verirren sich nur wenige Passagiere dorthin, dabei bieten diese Räume oft fantastische Aussichtssessel und eine wunderbare Ruhe. Auch die unteren Decks im Außenbereich sind oft verwaist. Während sich oben am Pooldeck die Handtücher stapeln, kannst du auf den Promenadendecks oft kilometerweit laufen, ohne einer Menschenseele zu begegnen.

Ein weiterer Geheimtipp sind Bars oder Lounges, die gerade keine Happy Hour oder Live-Musik haben. Tagsüber werden viele Nachtclubs oder Panoramabars kaum genutzt und eignen sich hervorragend zum Lesen oder Dösen. Es lohnt sich, am ersten Tag das Schiff einmal komplett zu erkunden, und zwar bis in den letzten Winkel. Such nach den toten Winkeln, den vergessenen Terrassen am Heck oder den Sitzgruppen in den Fluren vor den Konferenzräumen. Mach das Schiff zu deinem persönlichen Abenteuerspielplatz. Wer die Laufwege der Masse analysiert und vermeidet, wird feststellen, dass sich Massentourismus auf Kreuzfahrten vermeiden lässt, ohne auf Komfort zu verzichten.

Copyright Bilder: © pexels.com , © pixabay. Titelbild © Bazoom AI

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