Menschen zu treffen, die genau ihr Ding machen, ist immer wieder inspirierend – besonders beim Rafting in Kalabrien. Antonio, den ich beim Rafting auf dem Fluss Lao kennenlerne, ist genau so jemand.
Rafting in Kalabrien – das Basecamp
Wir treffen Antonio an einem sonnigen Vormittag im September an der Rafting-Station von River Tribe, seinem Unternehmen im Pollino Nationalpark im Norden Kalabriens. Antonio sucht nicht mehr, denn er hat sein Glück gefunden: Rafting auf Flüssen dieser Welt. Reggaemusik klingt an mein Ohr, tibetische Gebetsfahnen flattern im leichten Wind. Ein junger Hund springt über die Wiese. Die Atmosphäre an diesem Spätsommertag im Basecamp ist entspannt und herzlich.




Antonio zeigt uns die Ausrüstung und ich ziehe mich um. Das Material macht einen guten Eindruck, alles ist sehr solide und von guter Qualität. Die Rafting Tour führt 11 Kilometer stromabwärts auf dem Fluss Lao und wird voraussichtlich knapp 3 Stunden dauern. Rafting-Flüsse werden nach Schwierigkeit kategorisiert, damit du weißt, auf was du dich einstellen musst. Es gibt 6 Level von Kategorie I leicht bis Kategorie VI Grenze der Befahrbarkeit bzw. Lebensgefahr. Der Lao hat ungefähr die Kategorie 3+, also schon ganz ordentlich. Die Boote werden aufgeladen und wir fahren ein kurzes Stück mit dem Auto zum Einstieg in den Fluss.





Antonio bringt das spezielle Rafting-Schlauchboot im Wasser in Stellung. Wir steigen ein und setzen uns, seitlich versetzt vorne links, vorne rechts, mitte rechts, das ist mein Platz und hinten links, da sitzt Antonio der Steuermann. Für die Füße gibt es Schlaufen am Boden, ähnlich den Fußschlaufen beim Windsurfing. Wir sitzen auf dem Bootsrand, also relativ weit “Draußen”. Beim Paddeln musst du dich ordentlich ins Zeug legen, weit vorlehnen und dann das Paddel gut nach hinten durchziehen. Das wird keine gemütliche Sonntagsfahrt!
FORWARD! BACKWARD! STOP!
Anfangs ist es noch harmlos und wir üben die Kommandos auf Englisch. „Forward!“, „Backward!“, „Stop!“. Dazu kommen „To the right“ und „To the left“. Eigentlich sollten wir uns dabei schnell zur richtigen Seite lehnen – wir scheitern kläglich. Spontan weiß niemand, wo rechts oder links ist.
Die Stromschnellen nehmen zu, das Boot wird schneller. Kurz vor der Einfahrt in den Canyon erklärt Antonio, was auf uns zukommt: eng, turbulent, intensiv. Über Bord gehen ist möglich. Entweder zurück zum Boot oder mit der Strömung treiben lassen – letzteres ist hier kaum möglich, denn links und rechts ragen steile Felswände auf.
Mir wird mulmig. Zum Aussteigen ist es zu spät. Antonio lacht: „No problem. As long as you survive, it is perfect!“ Ich konzentriere mich aufs Paddeln. Wir rauschen durch die ersten heiklen Passagen, Wasser spritzt, wir schrammen an Felsen vorbei, ducken uns unter Ästen hindurch. Ein dumpfes „RUMMS“ gehört zum Wendemanöver dazu. Antonio steuert uns souverän durch den Fluss.
Dann wird es ruhiger. Ich bin fasziniert von der Szenerie: Der Canyon ist nur wenige Meter breit, die Felswände ragen fast senkrecht nach oben, nur ein schmaler Streifen Himmel ist zu sehen. Genau diese Natur macht Rafting in Kalabrien so besonders.




Wir erreichen einen Wasserfall. Wer möchte, kann ein Stück im Fluss schwimmen oder sich unter den Wasserfall stellen – eine willkommene Erfrischung. An dieser Stelle führt der Lao zu wenig Wasser. Antonio manövriert das Boot allein durch die Stromschnellen, wir hangeln uns am Ufer an einem Seil entlang.
Obwohl es ein Naturschutzgebiet ist, wird dem Fluss Wasser entzogen. An der Quelle wird Trinkwasser abgefüllt, außerdem wird der Lao zur Stromgewinnung gestaut. Die Chemie des Flusses hat sich verändert, es gibt weniger Fische als früher. Antonio ärgert sich über die Politik.
Die letzten Kilometer Rafting in Kalabrien liegen vor uns. Noch einmal geben wir alles und schießen aus dem engen Canyon hinaus ins weite Tal. Die Sonne erreicht uns wieder. Ein letzter Wasserfall – dann sind wir am Ziel. Wir sind ein Team. Am Ende wusste jeder, wo rechts und links ist, und wir liegen uns glücklich in den Armen.
Rafting? Ich würde es sofort wieder machen – vor allem mit einem so erfahrenen Guide wie Antonio.
Infos für das Abenteuer Rafting in Kalabrien:
River Tribe:
Infos zum Abenteuer Rafting in Kalabrien
River Tribe liegt mitten im Pollino Nationalpark. Neben Rafting werden auch Canyoning und Paragliding angeboten. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Kinder können je nach Tour ab 13 Jahren teilnehmen. Es gibt auch Packages inklusive Übernachtung.
Der Fluss Lao ist 64 Kilometer lang und fließt durch spektakuläre Canyons wie die Gola del Raganello mit bis zu 700 Meter hohen Felswänden. Der Pollino Nationalpark ist seit 2015 UNESCO Global Geopark.
Restaurant Tipp: Rafting in Kalabrien macht hungrig, es besteht die Möglichkeit im Camp von River Tribe zu essen oder ein Stück den Berg hinauf zu fahren und sich durch beste kalabrische Spezialitäten zu futtern. Nach dem Restaurant in Badolato und dem Stocco in Mammola ein weiteres Kulinarisches Highlight: das Agriturismo U’ Curaggiusu. So lecker!




Fotos und Text Britta Smyrak
Danke an ENIT und alle, die mich auf diese Reise durch Kalabrien eingeladen habe. Rafting in Kalabrien, danke Antonio, dass ich mit dir in einem Boot sitzen durfte. Danke Ettore und Anouk, wir sind jetzt ein Team!

Wow, was für ein Motto! Danke für deinen tollen Post! LG