Malmö und Lund – 12 Dinge, die man nicht verpassen sollte (Teil 2)

Reisetipps für Malmö und Lund

Noch mehr Reisetipps für Malmö und Lund. Hej! Schön, dich wiederzusehen! Hast du schon Teil 1  für einen garantiert gelungenen Trip nach Südschweden gelesen? Top, dann geht’s hier weiter mit Teil 2 von meinen Empfehlungen:

#7: Privates Essen in einem schwedischen Zuhause

Um ein Land kennenzulernen, muss man seine Leute kennenlernen. Über die Plattform A slice of Swedish Hospitality findest du Familien, die du in ihrem privaten Umfeld besuchen kannst. Ich durfte bei einer jungen Frau in Lund zu Gast sein. Sie und ihre Freundin wären schon vom allerersten Eindruck her perfekt dafür geeignet, halb Europa für diese Plattform zu begeistern:

So eine Verabredung ist witzig – weil nicht voraussehbar ist, was kommt – und lehrreich zugleich: Du wirst schwedisch bekocht und lernst zwischen Küche und Wohnzimmer eine Menge über eine fremde Kultur. Schönes Lernen! Interessant fand ich, wie schnell man vom Smalltalk zu wirklich interessanten Diskussionen gelangen kann. Auf die Frage, warum sie bei der Plattform mitmache, erzählte meine Gastgeberin, dass sie eigentlich irre gerne durch die Welt reisen würde, aber momentan nicht so viel Zeit dafür hätte. Deswegen holt sie sich nun einfach die Welt zu sich nach Hause. Ich bin ziemlich begeistert von dieser Idee, Fremde zu Freunden zu machen und werde im nächsten Schwedenurlaub definitiv ein Essen mit einem Homie einplanen!

Einzig einer war nicht GANZ so begeistert von dem Konzept der schwedischen Gastfreundschaft: die Katzendame Siri.

#8: Alte und neue Architekturperlen bestaunen

Malmo ist die größte Stadt in Skane, der südlichsten Provinz in Schweden, deren Fokus heute stark auf Kultur, innovativer Architektur und einer lebhafte Szene liegt. Und früher? Im 13. Jahrhundert wurde Malmö erstmals als Handelsstadt erwähnt. Durch ein großes Heringsvorkommen florierte ab dem Mittelalter hier der Handel: Damals gab es hier so viele Heringe, dass die Fischer nichts anderes zu tun hatten, als die Fische mit einer Schaufel (!) in ihre Boote zu schippen. Ab dem 16. Jh lösten Tabak und Schiffbau den Herings-Highscore als Wirtschaftsfaktor Nummer 1 ab. Karl X. Gustav von Schweden machte Schonen, diesen Teil Dänemarks, schwedisch. Schau dir den repräsentativ großen Platz mit einem der größten Rathäuser des Nordens an: den Sturtorget.

Ich mag diese herrlich alte Apotheke und die daran angeschlossenen Höfe der Lejonet Passagen:

In der St. Petri Kyrka, einer gotischen Kirche, werden oft Taufen durchgeführt. Dort entdeckst du auch zwei Details, die ganz typisch schwedisch sind: Eine liebevoll hergerichtete Kinderecke. Klar: Taufe – Kinder. Hach! Außerdem einen Platz mit Kaffee for free – soziale Nachhaltigkeit in Schweden, I love it.

Der Sprung ins Heute: Die Vision einer gleichgestellten Gesellschaft ist an vielen Stellschrauben erkennbar.

Schweden hat sehr viele Flüchtlinge aufgenommen und die bestehende Vielfalt birgt natürlich Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten. Malmö arbeitet stark daran: Nicht nur mit „Yalla Trappan“, der Integrationsprojekt, um schrittweise in Arbeit zu kommen. Sondern auch insofern, dass in öffentliche Bauten und Plätze ganz bewusst Möglichkeiten gebaut werden, an denen alle teilhaben sollen bzw. in denen sich Menschen aus allen Bevölkerungsschichten aufhalten sollen. Malmö will eine Stadt sein, die für alle da ist – da wird sehr viel hinein investiert. Es gibt den immer wieder wichtigen Gedanken, auch schon in Kitas und Schulen: „Jeder darf mitkommen.“ Man setzt schon von Kleinauf auf das Miteinander, z. B. durch viel bessere Personalschlüssel oder dadurch, schon in den Kitas mit Mehrsprachigkeit zu arbeiten.

Ein äußerst sehenswertes Beispiel im Bezug auf „Jeder darf mitkommen“ ist die supermoderne Konzerthalle (Konserthus). Selbst wenn du kein Ticket hast für ein Konzert, darfst du hier sein. Denn auch diese Bereiche sollen nicht nur einigen Wenigen, sondern der breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.

Wer sich wundert, warum hier alles so irre stimmig wirkt und warum alt und neu so wunderbar zusammen funktioniert, dem sei verraten: Es gibt einen Farb-Plan für diese Stadt! Ich merke, wie ich immer mehr zum Malmö-Fan mutiere …

Dieser Anbau an der Uni, auch „städtische Hosenträger“ genannt, sorgt für viel Gesprächsstoff. Ich mag ja diesen Kontrast  – und was denkst du?

Ein herrliches Symbol für das Mitdenken und das Miteinander in Schweden findet man in einer klitzekleinen Kleinigkeit: Auf der breiten Sitzgelegenheit, einer Treppe neben der Davidhalls Brücke, sitzen hier und da einige Katzenskulpturen. Warum? Damit man sich nicht so alleine fühlt, sondern schon ein bisschen Gesellschaft hat, wenn man sich dazugesellen will.

Eine weitere schöne Idee ist ebenfalls diese Installation von Ulla Kraitz: ein Schuh-Kunstwerk von verstorbenen Malmöer Künstlern. Abends wirkt der Granit so, als läge für die zu ehrenden Künstler ein roter Teppich .

#9: Lunch bei Johan P.

Malmö hat viele innovative Restaurants. Wenn du gerne Fisch ist, dann solltest du hier unbedingt weiterlesen. Alle anderen bitte zum nächsten Punkt skippen! Johan P. in der Hjulhamnsgatan 5 ist Malmös bestes Seafood-Restaurant. Außerdem ein Eldorado, wenn du offene Küchen und stylishes Interieur liebst. Ich lasse mal die Bilder für sich sprechen.

#10: Ein Ausflug zur längsten Seebrücke Schwedens nach Bjärred

„In drei Ecken Meer!“ heißt es in Schonen – nie weiter als 30 km zum Meer. Schonen ist der Name der historischen Provinz Südschwedens, welche nahezu deckungsgleich mit der heutigen Provinz Skåne ist. Was liegt näher, als das zu testen? Von Malmö aus kommst du über Lomma, was circa 7 km von Malmö Hafen entfernt ist. Lomma Beach ist ein sehr beliebter Strand, der allen Kindern kostenlose (!) Ferienaktivitäten bietet. Alle sollen mitmachen können, niemand wird ausgeschlossen. Klasse Konzept, ich bin immer wieder auf’s Neue beeindruckt.

Aber auf zum nächsten Highlight nach Bjärred: Der Besuch der 574 Meter langen See- und Badebrücke, an dessen Ende das Restaurant Saltsjobad liegt. Von hier aus hast du normalerweise eine einmalige Aussicht auf die mäjestätisch geschwungene Öresundbrücke am Horizont. Ich hatte leider Pech bei meinem Besuch: Es war extrem diesig, wolkenverhangen und stürmisch. Sehen konnte man diesmal wenig. (Es hat noch nichtmal für ein Foto gereicht – Pech!) Auch für Fußballfans ist Bjärred im Übrigen ein Must-See: Hier befand sich das Mannschaftsquartier des deutschen Weltmeister-Teams bei der Fußball-WM 1958.

Sauna und Kallbadehus

Im hiesigen Kaltbadehaus gibt es täglich bis 22 Uhr Schwimmbad und Sauna, getrennt nach Geschlechtern. Ein wunderschöner Ort, um zu relaxen. Und auch das Restaurant mit Panorama-Terrasse glänzt mit allerleckerstem Buffet:  Vorzüglicher Fisch in skandinavisch-mediterranem Crossover-Stil.

#11: Ein Ausflug nach Lund

Die historische Stadt mit jugendlichem Flair (47.000 Studenten von 110.000 Einwohnern!) hat zwei absolute Must Sees: Zum einen die Kathedrale von Lund, die mit 70.000 Besuchern  und 85.000 Gottesdiensten im Jahr als die meistbesuchte Kirche Schwedens prahlen dürfte (doch da sie in Schweden steht, prahlt sie natürlich nicht, sondern steht ganz bescheiden da und ist dabei trotzdem einfach irre toll). 

Schau dir die Krypta und die große astrologische Uhr aus dem 14. Jahrhundert an. Ein Mondzeiger im oberen Teil der Uhr zeigt die Phase des Mondes und die Position am Himmel, ein Sonnenzeiger zeigt die Uhrzeit auf einer 24-Stunden-Uhr. Im unten Teil der meterhohen Installation befindet sich auch noch ein  Tierkreiszeiger, den du hier siehst: 

Das Open-Air-Museum „Kulturen“

Lund hält einen äußerst plastischen Einblick in die Geschichte Schwedens für dich parat: Kulturen, das zweitälteste Freilichtmuseum der Welt, begeistert Kinder und Erwachsene.

Den Gründer von Georg Fredrik Johansson Karlin beschlich im Zeitalter der Industrialisierung die unangenehme Idee, dass wichtige Handwerkskünste und Traditionen der Agrargesellschaft verloren gehen würden. Deswegen befinden sich hier heute mehr als als zwei Mio. Einzelstücke aus traditionellem schwedischen Leben. Von Werkszeug über Kleidung, Möbel und Einrichtung der Gebäude – vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Probier’s aus: Geh in verschiedenste Häuser und  lass‘ dich von Schauspielern in alte Zeiten Schwedens zurückversetzen lassen. Sehr liebevoll gemacht.

#12 Das Skizzen-Museum (Skissernas Museum)

Kennst du das auch? Du stehst in einem Museum vor einem Kunstwerk. Es ist bombastisch. So groß, so ehrwürdig, so perfekt – und du würdest gern mehr darüber wissen. Es spricht dich an. Oder andersrum: Es spricht dich nicht an. Es ist so abstrakt, dass es dir leider relativ unverständlich ist. Du würdest eigentlich schon ganz gern wissen, wie es dazu kam, dass es genau SO aussieht, wie es jetzt aussieht. Ich habe es schon so oft von Freunden oder Familienmitgliedern gehört. Für alle, denen es so oder so ähnlich geht, ist das Skissernas Museum ein geradezu perfekter Ort. Bekannte Künstler wie Matisse, Robert und Sonia Delaunay, Henry Moore, Claes Oldenburg, Christo und Jean-Claude oder auch Picasso gewähren uns nun einen Einblick in ihre Entwürfe, ihre Inspirationen, in eigene Modelle und Skizzen, kurz: in ihren kreativen Schaffensprozess.

1934 begann Kunstgeschichtsprofesser Josephson von der Universität Lund die Sammlung als Archiv. 1941 wurde das Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und seitdem als Museum weitergeführt. Seit 1979 ist das Museum als eigene Einheit ein Teil der Universität Lund.

Das Museum (und das Archiv) haben momentan sage und schreibe 30.000 Gegenstände von Künstlern, welche die Dokumentationen ihres kreativen Schaffensprozesses zur Verfügung stellten. Ich mag, dass die Nah- und Nachvollziehbarkeit hier so wie selten im Kunstbetrieb gewünscht ist. Durch die Ausstellungsräume zu gehen und zu schmökern, ist ziemlich inspirierend.

Und das, ganz ehrlich, kann ich von allem behaupten, was ich bisher über Schweden gelernt habe.

Wenn Malmö nur der Anfang ist. Hier geht es zu unserem Roadtrip durch Südschweden:

Danke an TT-Line, an Malmötown und vor allem an Monika Lennartsson für das Wissen über die 12 Dinge, die man in Malmö nicht versäumen sollte. Ich komme sehr bald wieder! Auch für dieses Mal: mange tak – vielen Dank!

Text und alle Fotos: © Sabine Neddermeyer

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