Manchmal beginnt Frieden mit etwas ganz Einfachem. Im Kanaan Kochbuch mit einem Teller Hummus zum Beispiel. Genau so erzählen es Oz Ben-David und Jalil Dabit, die Autoren des Kochbuchs „Kanaan – Gerichte und Geschichten aus Israel und Palästina“. Der eine kommt aus Israel, der andere aus Palästina. Zwei Köche, zwei Biografien, eine gemeinsame Überzeugung: dass gutes Essen Menschen verbinden kann. Mitten in Berlin haben sie mit ihrem Restaurant Kanaan einen Ort geschaffen, der mehr ist als ein gastronomischer Treffpunkt – er ist ein Raum für Begegnung, Offenheit und Dialog.
In ihrem Restaurant – und nun auch in ihrem Kochbuch – werden Dinge möglich, die auf den ersten Blick unmöglich scheinen.
Die Freundschaft der beiden begann in der Küche. Und mit Hummus. Beide sind mit diesem Gericht aufgewachsen, tief verwurzelt in ihren jeweiligen Familien- und Esskulturen. Aus dieser gemeinsamen Basis entstand die Idee, den für sie besten Hummus zu entwickeln: eine Verbindung aus der traditionellen palästinensischen Zubereitungsart und dem Geschmack des israelischen Hummus, ergänzt durch neue, eigene Ideen. Herausgekommen ist ein Gericht, das mehr ist als ein Rezept. Wenn Menschen gemeinsam Brot brechen und es in dieselbe Schale Hummus tauchen, entsteht Nähe. Oder, wie Oz und Jalil sagen:
„Make Hummus, not war.“
Über die Jahre ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit sind zahlreiche vegetarische und vegane Rezepte entstanden, geprägt von den Düften und Geschmäckern ihrer Kindheit. Kreuzkümmel, Tahini, Zitrone, frische Kräuter – Zutaten, die Erinnerungen tragen. In der Küche von Kanaan verbinden sich Europa und Naher Osten, Tradition und Moderne. Klassiker wie Shakshuka, Falafel oder Taboulé stehen gleichberechtigt neben modernen Abwandlungen und opulenten Gerichten wie einem reichhaltigen Couscous.
Hummus, Hummus, Hummus
Kaum ein Gericht wird mit so viel Leidenschaft diskutiert wie Hummus. Wer hat ihn erfunden, wo liegt sein Ursprung? Palästinenser beanspruchen ihn ebenso für sich wie Syrer. Israelis erzählen ihre eigene Geschichte, und auch die Libanesen verweisen auf ihren Beitrag. Diese Debatten sind oft emotional – und doch kein Widerspruch. Sie spiegeln die vielfältigen Einflüsse wider, die Hummus seit Jahrhunderten in sich vereint.

Hummus überschreitet Grenzen. Er gehört keinem einzelnen Land, sondern den Menschen. In ihm verdichtet sich die Geschichte der Levante, einer Region voller Austausch, Bewegung und kultureller Nähe. Von dort trat er seine Reise um die Welt an und brachte unzählige Varianten hervor: mit viel Tahini oder kräftiger Zitrone, intensivem Knoblauch oder fein und zurückhaltend. Die Schönheit liegt in dieser Vielfalt – und in der Freiheit, den eigenen perfekten Hummus zu finden.
Rezept aus dem Kanaan Kochbuch: Hummus Kanaan
nach Oz Ben-David & Jalil Dabit
Hummus ist ein vielseitiger Begleiter: als Dip, Brotaufstrich oder zu frischem Gemüse. Entscheidend sind Zeit, Geduld und Achtsamkeit im Umgang mit den Zutaten.
Zutaten (für 6 Personen)
- 300 g getrocknete Kichererbsen
- ¼ TL Natron
- 50 ml eiskaltes Wasser
- 1 TL Salz
- 140 g Tahini
- Saft von 1 großen Zitrone
- ½ TL Zucker
- Olivenöl zum Garnieren
Zubereitung
Die Kichererbsen über Nacht in reichlich Wasser einweichen. Am nächsten Tag abgießen, gründlich abspülen und mit viel kaltem Wasser und dem Natron in einem großen Topf aufkochen. Anschließend etwa 1½ Stunden sanft kochen, bis die Kichererbsen sehr weich sind und sich leicht zwischen zwei Fingern zerdrücken lassen. Währenddessen den entstehenden Schaum und die Schalen mit einem Schaumlöffel abschöpfen.
Die Kichererbsen abgießen, das Kochwasser auffangen und die Kichererbsen unter fließendem Wasser abspülen, um Natronreste zu entfernen. Anschließend die warmen Kichererbsen in eine Küchenmaschine geben, das eiskalte Wasser zufügen und zu einer glatten, cremigen Masse pürieren. Bei Bedarf etwas Kochwasser zugeben.
Nun Salz, Tahini, Zitronensaft und Zucker hinzufügen und weiter pürieren, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. In eine Schale geben, mit Olivenöl beträufeln und am besten warm oder direkt nach dem Abkühlen genießen.
Entdecke die kulinarische Vielfalt Israels und Palästinas
Neben Hummus finden sich in Kanaan viele weitere Rezepte, die die kulinarische Vielfalt Israels und Palästinas widerspiegeln – traditionelle Gerichte ebenso wie moderne Interpretationen.

Jedes Rezept erzählt von Familie, Erinnerung und Alltag. Kanaan ist eine Einladung, zu kochen, zu teilen und Menschen an einen Tisch zu bringen. Vielleicht beginnt genau dort etwas Kleines. Und manchmal ist genau das genug.
Das Kochbuch Kanaan – Gerichte und Geschichten aus Israel und Palästina von Oz Ben-David und Jalil Dabit ist im Südwest Verlag erschienen und kostet rund 30 Euro.
