LOOPING goes Kreuzfahrt. Das Kroatien-Schiffsreise-Tagebuch.

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Sexy oder unsexy, das war hier die Frage: Ja, mein Partytalk wird sich für immer verändern. Denn ich bin im Begriff, meine erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria zu beginnen! Ich! Auf einem Kreuzfahrtschiff! Ich, die bis jetzt ja immer behauptete, dass das was für Leute ab 103 wäre. Frühestens. Dabei habe ich es selber noch nicht einmal ausprobiert. Gut, das sollte sich jetzt ändern, wenn ich nicht voller Vorurteile bleiben will. Im Hafen von Rijeka in Kroatien geht’s los. Jetzt. Willkommen in meinem Kreuzfahrt-Tagebuch durch Kroatien. Meine Tour: zur Insel Krk – Insel Rab – zum Zrmanja-Canyon – Zadar – Insel Olib –  Losinj – Cres – und wieder Rijeka.

Meine erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Moin! Ich werde eingeschifft – so nennt man das an Bord gehen – und zwar auf dem luxuriösesten Cruiser von I.D. Riva Tours. Wow, von der Optik her wie eine Yacht: Nicht zu klein, nicht zu groß, wie ich finde. 18 Kabinen mit 38 Betten hat die MY Vita. Die Crew stellt sich vor. Ich bin leicht nervös. 15 Mitreisende gibt’s. Genial, so wenig! Das ist gut für den Anfang, wenn man nicht mit tausenden auf einem Schiff ist. Obwohl: Ist es besser, wenn es mehr Menschen sind, mit denen man sich aus dem Weg gehen könnte? Werden wir uns nach sieben Tagen und Nächten wohl sehr stark hassen?

Tag 1: Kabine 11 wird meine kleine Welt.

Angekommen. Abgelegt. Durchatmen, dass das Gepäck und ich jetzt für eine Woche hierbleiben können. EINE (in Zahlen: 1 Woche!), verrückt. Ich verdränge den Gedanken an die vielen Tage vorsichtshalber und konzentriere mich aufs Horchen. Höre dem sonoren Schiffsmotor zu. Ein ganz klein wenig schwankt das Schiff. Es ist beruhigend. Es wirkt auf mich entschleunigend. Und es ist unglaublich, aber wahr: Ich finde es jetzt schon irgendwie schön, so durchs Mittelmeer geschaukelt zu werden. Den Fakt, dass du dich weiterbewegst, aber dich nicht mal dafür anstrengen musst. Sinnieren statt konzentrieren. Einnicken. Geweckt werden von den Möwen über dem Meer. Aufs Sonnendeck gehen. Lesen. Sonne. Kaffee bestellen. Lesen. Sonnen. Sich in der Kabine vor der Welt verstecken. Lesen. Beglückt einschlafen.

Heimlich denke ich: Mist, das wird gut.

Ich schaue durch einen kleinen runden Kreis. Mein Fenster. Wahnsinnig schön finde ich diesen kleinen runden Kreis. Mehr brauche ich jetzt gar nicht. Eigentlich. Aaaaber: Es ist ja nicht so, dass die Challenge fehlen würde in dieser Woche: Nein, ich habe Termine: tägliches Morgen- und Abendyoga! Bei nur 15 Teilnehmern fällt es schon auf, wenn man da gleich nicht mitmacht. Sonst recht gut funktionierende Ausreden wie „Stau“, „Kind hat getrödelt“, „Babysitter kam zu spät“, „musste leider Überstunden machen“ etc. funktionieren ja auf so einem Schiff eher mäßig. Also raus aus meiner kleinen kuscheligen Welt.

Tag 2: Warmes Ingwerwasser rein, Yogamatte raus.

7 Uhr. Sorry. Viel zu früh für mich. Ja ok, wer will schon am ersten Tag loosen? Ich nicht. Aber geweckt zu werden von den Möwen gefällt mir. Ok, Sportsachen an. Dicken Pullover drüber. Mütze auf. Rauf aufs morgendliche Sonnendeck. Entdecken, dass es die anderen ja auch geschafft haben. Erstaunt sein. Die sind doch aber alle im Urlaub? Hallo?! Wow. Erste Anflüge von Respekt. Mit zehn anderen (gestern Abend waren es noch 15 Leute? Haha, also sind doch noch ein paar fauler als ich). Kleine Genugtuung. Gemeinsam die ersten Sonnengrüße machen. Langsam wird es wärmer. Versuchen, mit geschlossenen Augen die Balance zu halten. Das Schiff schwankt. Ich atme tiefer. Der Glöckner von Krk, die Möwen und mein gleichmäßiger Ujaij-Atem, wir sind in einem geheimen Wettstreit: Wer ist besser, wer hält länger durch, wer hat den längsten Atem?

Yogalehrerin Iva Hafner ganz rechts

Ich gewinne mit meiner Ausdauer gegen das Glockenläuten, das bei den Yogaübungen den Flow stören möchte. Und werde mit Sonnenstrahlen belohnt, die sich durch meine geschlossenen Augenlider als wunderschöne orangerote Farbe ihren Weg in meinen kaffeelosen Kopf bahnen. So was von angenehm, das Outdoor-Yoga! Der Tag kann kommen.

„Nur net huddele.“

Sagt Wally, die unglaublich herzliche, zierliche Vielreiserin. Sehe ich auch so. Was ist los? Die MY Vita cruist übers Meer, wir haben fürstlich gefrühstückt und die Entscheidungen, die du hier fällen musst, lauten: Vorne oder hinten aufs Sonnendeck? Sonne oder Halbschatten? Lesen oder schlafen? Mit Michaela und Josef aus München schwimmen gehen, obwohl es noch nicht wirklich richtig heiß ist heute? Oder lieber noch ein bisschen ausruhen vor dem Landgang in Rab? Könnte ja durchaus stressig werden, lach …

Interessant, wie sich mein Kopf noch stresst. Gar nicht so einfach, sich runterzufahren. Ich lerne Michalea und ihren Mann kennen. Die beiden fallen mir auf, weil sie – anders als ich – in sich zu ruhen scheinen. Naturcool. Als ich sie mit meiner Einschätzung konfrontiere, dass sie sicher eingefleischte Kreuzfahrer wären, brechen die beiden fast zusammen vor Lachen. Nein, sagen sie, dieses hier ist auch ihr erstes Mal. Sie haben die Reise von einem Yogamagazin gewonnen. Das kann gutes Karma also …

An einer Bucht den Anker zum Baden auswerfen: göttlich.

Ich liebe dieses Geräusch jetzt schon: Das Rattern der Ankerketten in einem gleichen Rhythmus. Ich werde zum pawlowschchen Vorzeigeobjekt, denn ich lerne schnell: Sofort nach diesem Geräusch können wir baden gehen! Danach werden meine Ohren schnell süchtig.

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Es ist wunderbar. Wir schwimmen an einer Stelle, an der nichts los ist: Keine Menschen an Land in Sicht. Keine handtuchreservierten Liegen, keine Sonnenschirmchen, kein gar nichts. Nur wir. Nach einer Weile gesellt sich noch ein anderes kleines Holzkreuzfahrtschiffchen zu uns und entlässt ebenfalls ein paar Menschen ins Meer. Wir alle fühlen uns so wohl, als wir für ein paar Minuten am Ufer pausieren, um vergnügt und irgendwie ein wenig miteinander verbunden, lachend zurückschwimmen. Jeder kann seine eigenen Wege schwimmen, jeder hat sein ganz eigenes Tempo.

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Und noch ein Lieblingsgeräusch: Wenn auf dem Schiff die Glocke geläutet wird, heißt es: Essen ist fertig! Juhu!

Auf der beeindruckend hübschen, herrlich gut erhaltenen Insel Rab mache ich eine Stadtführung – und die unglaublich witzige Zana, unser Guide, leitet die Tour so lustig, wie ich es selten erlebe. Unvergesslich. Wie ich hinterher erfahre, ist ihr Mann Kapitän und meistens unterwegs, weil er Kreuzfahrtgäste umher schippert. Ihre beiden zwei Söhne, der kleine Schmusi (23;-) und der 29-jährige, sind schon mit 14 weg aus Rab nach Zagreb gegangen. Jetzt studieren beide. – Warum ich euch das erzähle? Weil mich die Offenheit, Freundlichkeit und offensichtliche Fleißigkeit in diesen Tagen immer wieder wahnsinnig beeindruckt.

Sie ist extrem in Action – vermietet vier Ferienwohnungen, macht Führungen und gibt Kroatisch-Unterricht. Sie nimmt ihren Stress pragmatisch: „Es gibt viel Gewitter, aber auch manchmal Sonne“.

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische AdriaErste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria Yogalehrerin Iva Hafner

Apropos Sonne: Das ist übrigens Iva Hafner, unsere Yogalehrerin. Wenn sie nicht Yoga macht, läuft sie Halbmarathons oder veranstaltet diese in Kroatien. Diese unglaubliche Frau vereint auf diesem Trip alle, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Menschen, die wie Josef und Michaela seit über 20 Jahren Yoga machen. Und  Menschen wie Klaus und Kerstin, ein tolles Paar aus Leipzig, die das erste Mal Yoga machen.

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Daumen hoch bei mir für so viel Offenheit: Ich weiß nicht, wie viele Menschen auf eine einwöchige Tour gehen, ohne die Sportart zu praktizieren, um die es dann zwei Mal pro Tag geht. Elisabeth aus München hingegen ist schon zum fünften Mal auf Kreuzfahrt. Für ihren Mann und die Dorfbewohner aus Istrien, wo sie ein Haus haben, hat sie vor 18 Jahren kroatisch gelernt. Sie ist auf ihren Reisen immer alleine unterwegs. Also: keine Stereotypen. Keine Schubladen. I love it.

Tag 3: Geweckt werden vom Plätschern des Wassers am Bug.

Guten Morgen! Der Plan für heute: Abfahrt aus Rab zur Rafting Tour. Davor: um 7 Uhr 45 eine 90-minütige Yoga Session. Und davor: Um 7 Uhr bitte Zunge abschaben zur Reinigung (schlägt unser Yogaguru Iva vor – es soll klasse sein – ooookaaaayyy, der Weg zu einem Profi-Yogi ist lang), zum Detoxen warmes Zitronenwasser trinken. Nach dem Sonnengrüßen auf dem obersten Deck duschen, frühstücken, Lunchpakete einsacken und ab zum Zrmanja-Canyon auf zum Raften. Der Stress bricht ja fast aus! (Ich beliebe zu scherzen …)

Leinen los für eine Rafting-Tour!

Es macht nicht nur irre Spaß, hier durch die Gegend zu paddeln. Der Zrmanja-Canon ist auch irre hübsch. Diese Farben machen mich echt fertig. Also, Kroatien, jetzt weiß ich, warum immer alle von dir schwärmen!

Erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria

Chillen hat Pause, jetzt wird’s lustig. Totaler Adrenalinkick ist die Stelle, die man im freien Fall meistern muss. Die meisten von uns flippen total aus, oh Gott, macht das Spaß, mehr davon!

Auf der Fahrt zurück bin ich ausgepowert, glücklich, ein Stück schlauer um die beknackte Vorstellung, dass Kreuzfahrten langweilig sein müssten. Ja, wie war das noch gleich mit dem Nie-auslernen?

Das Programm hier ist der Knaller, abwechslungsreich zusammengestellt. Die wunderbar quirlige Heike aus der Nähe von Köln, alleinreisende Ehefrau und Mutter zweier Kinder, erklärt, dass sie immer wieder Touren durch Kroatien buche, wegen eben dieser Abwechslung.

Es werden zum Beispiel Fahrrad-Touren angeboten, bei denen du immer wieder wählen kannst, ob es leicht, mittel oder anspruchsvoll werden soll. Die exakt auf dich angepassten Fahrräder werden auf dem Schiff mittransportiert. Geht wohl auch extrem super mit mittelgroßen Kindern. Oder du machst die sogenannte Cappuccino-Tour, wo du täglich entscheiden kannst, ob du heute eine kroatische Insel mit dem Fahrrad erkunden willst, ob du wandern willst oder ob du einfach gechillt mit Käffchen dein Buch weiterliest.

Zusammenfassung für heute: Langeweile geht anders!

Es ist alles so anders als in meinen bösen Vorurteilen. So gut! Fortsetzung folgt …

 

Herzlichen Dank für diese erste Kreuzfahrt durch die kroatische Adria an Frank von Grafenstein Freizeit- und Tourismuswerbung und Konsti Gaitanides von I.D. Riva Tours für das Revolutionieren meiner Gedanken und Vorstellungen über Kreuzfahrtreisen. Es ist der Hammer und ich will sofort wieder los auf’s Meer und zu diesen wunderbaren Orten. Danke auch an alle Menschen, die sich mir und meiner Kamera in dieser Form geöffnet haben. Es war mir ein Fest. 

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