Tage im Meer. Mit Kind und Hund unterwegs auf Langeneß

unterwegs auf Langeneß

Möchtest du auf die Hallig? Ich habe keine Sekunde gezögert! 3 Tage im Meer unterwegs auf Langeneß, da wird ein Kindheitstraum wahr. Die Fähre nach Langeneß fährt zweimal ab Schüttsiel, morgens um 7:15 und nachmittags um 15:15. Wir sind pünktlich am kleinen Fährhafen und ich habe noch genug Zeit, das Auto wie geplant auf dem bewachten Parkplatz für 2 € am Tag abzustellen. Auf der Hallig brauche ich es nicht, da leihen wir uns Fahrräder aus.

Über uns türmen sich dunkle Wolken und wie auf ein Stichwort fängt es genau in dem Moment an zu regnen, als die Fähre anlegt. Es hilft nichts, wir müssen raus und laufen mit unseren Koffern los. Willkommen an der Nordsee. Habe ich schon erwähnt, dass der Wind von vorne kommt? Er bläst von vorne, und zwar kräftig!

Völlig unbeeindruckt von dem Wetter wird die Fähre routiniert entladen, dann dürfen wir an Bord. Unser aufgeweichtes Ticket erntet einen kurzen Blick. Die Tickets für die Fähre habe ich bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei online gekauft. Das hätte ich aber auch vor Ort machen können, das Tickethäuschen ist geöffnet. Die Hin- und Rückfahrt für Erwachsene kostet 15,40 €, für Kinder 7, 70 €, der Hund fährt umsonst.

Wir verkrümeln uns zum Trocknen in den Salon und wärmen uns bei heißem Kakao mit Sahne auf.

Die Überfahrt dauert ziemlich genau zwei Stunden, mit einem Zwischenhalt auf der Hallig Hooge, die bekannteste der 10 Halligen. Der Wind treibt die Wolken vor sich her und es ist ein faszinierendes Wetterschauspiel.

Als wir ankommen, hat der Regen längst aufgehört und die Abendsonne vergoldet die Hallig. Wir sind mit dem Hund unterwegs auf Langeneß und übernachten im Gästehaus Hilligenley, gleich in der Nähe vom Fähranleger, denn hier sind Hunde erlaubt.

„Bei uns in Norddeutschland heisst das MOIN. NUR MOIN … Einfach MOIN! MOIN, MOIN is schon Gesabbel“

Am nächsten Morgen muss ich über das kleine Hinweisschild am Eingang zum Frühstücksraum schmunzeln. Das ist schon ein lustiges Völkchen hier! Aber vor dem ersten Kaffee am Morgen habe ich eh nicht viel zu sagen: MOIN!

Nach dem Frühstück ziehen wir los um die Insel, pardon, die Hallig zu erkunden. (Sag nie, NIE Insel zu einer Hallig, das mögen die Bewohner gar nicht! Ist noch schlimmer als MOIN, MOIN!)

Der Unterschied zwischen einer Insel und einer Hallig

Im Gebiet des heutigen Wattenmeeres siedelten sich vor über 500 Jahren Menschen an, um durch die Gewinnung von Torfsalz ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Salz war damals sehr kostbar, die Arbeit lukrativ. Durch den starken Torfabbau senkte sich das Land ab und wurde immer häufiger überflutet. Schließlich gab es zwei verheerende Sturmfluten 1362 und 1634, die die zusammenhängenden Landflächen auseinanderbrechen ließen. Übrig blieben die höher gelegenen Geestrücken, aus denen die heutigen nördlichen Inseln Amrum, Föhr, Pellworm und Sylt entstanden. Diese Inseln haben einen festen Landkern, der nicht durch marine Sedimentation entstanden ist. Im Gegensatz dazu bildeten sich die Halligen durch die Anspülung von Schlick. Halligen sind Marschland das knapp 1-2 Meter über dem normalen Hochwasser aus dem Meer ragt und erst im 20. Jahrhundert wurden sie durch Uferbefestigung stabilisiert. Um sich besser zu schützen, schütten die Halligleute außerdem Hügel aus Klei auf, die sogenannten Warften, auf denen sie ihre Häuser und Ställe bauen. Über die Jahrhunderte verschwanden immer wieder Halligen und Warften mussten aufgegeben werden. Die Hallig Langeness ist mit ca. 10 Kilometer Länge, 21 Warften und gut 100 Bewohnern die größte und die jüngste Hallig. Sie wuchs aus drei Halligen zusammen deren einst trennende Priele hier und da noch zu erkennen sind. In den Herbst- und Wintermonaten heißt es bis zu 30 mal „Landunter“. Dann steigt das Wasser der Nordsee und überflutet für 24 Stunden das komplette Land bis auf die Warften.

Im Watt unterwegs auf Langeneß

Laut Gezeitenkalender ist jetzt die beste Zeit für eine kleine Wattwanderung, denn das Wasser zieht sich zurück. Also Gummistiefel an und los. ICH LIEBE DAS WATT! Die Tatsache, dass ich auf dem Meeresboden laufe fasziniert mich.

Kind und Hund nutzen die Gelegenheit für den obligatorischen Wettlauf.

Mit dem Fahrrad unterwegs auf Langeneß

Unsere Fahrräder leihen wir am Kiosk auf der Rixwarf am Fähranleger aus. Die Leihgebühr beträgt 6 € am Tag. Zurückgeben müssen wir die Räder spätestens um 18 Uhr. Mit Rückenwind geht es Richtung Horizont. Das Land ist flach, die Straße schnurgerade, kein Baum weit und breit. Ich bin froh, dass die Sonne scheint, denn Unterstellen wäre nicht möglich.

Im Frühjahr von Januar bis Mai werden die Salzwiesen der Hallig von knapp 30.000 Gänsen bevölkert. Bis auf die 5000 Graugänse sind sie allerdings nur auf der Durchreise. Im Mai machen sie sich auf den Weg nach Sibirien, wo sie den Sommer verbringen und brüten. Im Winter fliegen sie dann zurück nach Frankreich in die Provence und im Frühjahr sind sie wieder auf der Hallig.

Sie beäugen uns skeptisch und mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Dann und wann erheben sie sich in die Lüfte, fliegen über unsere Köpfe und wechseln die Wiese. Ich hoffe jedes Mal, dass mir kein Vogel auf den Kopf kackt. Können Gänse beim Fliegen kacken? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Der Hund läuft an der Leine perfekt neben dem Fahrrad her, als wenn er nie zuvor etwas anderes getan hätte.

Wir fahren bis ans Ende der Hallig zum Damm, wo die Loren stehen. Für Halligbewohner besteht die Möglichkeit, mit diesen Loren über die Hallig Oland aufs Festland zu gelangen. Heute fahren die Loren mit Elektromotor, früher wurde dafür das Segel gehisst.

Und im Gegenwind zurück

Hin ging es ruckzuck, zurück müssen wir ganz ordentlich strampeln und brauchen für die Strecke gefühlt doppelt so lange. Es passiert übrigens vielen Touristen, dass sie sich die Zeit falsch einteilen, mit dem Wind ans Ende der Hallig fahren und gegen den Wind nicht mehr rechtzeitig zurück bei der Fähre sind. Es bleibt ihnen dann nichts anderes übrig, als für eine Nacht auf der Hallig zu bleiben. Zum Glück haben wir das Problem nicht. Wir müssen es heute Abend nur noch ins Hotel Ankers’s Hörn zum Abendessen schaffen. Hab ich einen HUNGER!

Text und Bilder Britta Smyrak

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