Reise durch Israel. Zwischen Faszination und Irritation.

Sonnenaufgang-See-Genezareth-israel

War ich bisher von Religion jeglicher Glaubensrichtung verschont, so wird sich das beim Blick auf meine Route in den nächsten Tagen schlagartig ändern. Bevor ich Tel Aviv verlasse, statte ich dem Rothschild-Boulevard noch einen kurzen Besuch ab. Viel zu kurz, wie sich zeigt, denn um den Bauwerken der Bauhaus Architektur gerecht zu werden sollte man mindestens einen halben Tag einplanen und auch in die Seitenstraßen schauen. Kommt also auf meine To-do-Liste für Tel Aviv. Man sieht sich ja immer zweimal im Leben, mindestens!

Von Caesarea …

Eine knappe Stunde nördlich von Tel Aviv liegt die antike Stadt Ceasarea, bzw. das, was von ihr übrig geblieben ist. Diese Hafenstadt wurde zur Zeit der römischen Herrschaft von Herodes gegründet und zu Ehren der römischen Kaiser Caesarea genannt. Hier standen einst riesige Tempel, große Bäder und Palastanlagen. Heute kann man noch die Überreste des Hippodroms sehen und das komplett restaurierte Amphitheater begehen. Leider hat das Theater den antiken Charakter etwas verloren.

Auf dem Gelände wird alle 10 Minuten ein Multimediafilm in wechselnden Sprachen gezeigt. Es lohnt sich den kurzen Film anzusehen, um eine Idee von der damaligen Bedeutung und Größe der Stadt zu bekommen. Wie überall im Mittelmeerraum kamen nach den Römern die Perser und Araber, gefolgt von den Christen. Die Stadt wurde im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals erobert, geplündert und wieder aufgebaut. Der Ausgangsbereich und der mächtige Wall zeugen von der Zeit der Kreuzfahrer aus dem 13. Jahrhundert. 1275 wurde Caesarea vom Sultan Baibars erobert, die Bevölkerung getötet oder versklavt und die Stadt verfiel.

… nach Haifa, …

Weiter geht es durch Haifa, der nördlichen Hafenstadt, wo ich von oben einen fantastischen Blick auf die Bahai-Gärten werfe. Wer ein bisschen mehr Zeit mitbringt, der sollte eine geführte, kostenlose Tour durch diese wunderschönen akkuraten Gärten machen. Man steigt dabei über die 19 Terrassen von der mittleren Stadt hinab bis in die “German Colony” im unteren Stadtteil. Auf halber Höhe erhebt sich mit seiner goldenen Kuppel der Schrein des Bab (arab. Pforte), in dem der Religionsbegründer der Bahai-Religion begraben ist.

Unvergessliche-Rundreise-durch-Israel-bahai-garden-ausblick

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich bis zu meiner spannenden Rundreise durch Israel noch nie von der Bahai-Religion gehört habe. Es ist eine unabhängige monotheistische Religion und die Bahai folgen den Lehren des Baha’u’llahs, der von 1817 bis 1892 lebte. Er wird von den Bahai als der vorläufig, letzte in einer Reihe von Gottesboten angesehen.

… nach Nazareth …

Nazareth ist die größte arabische Stadt Israels. Touristenbusse mit Pilgern gehören hier zum Alltag und ich habe das Gefühl, jeder Quadratzentimeter ist heilig. Wir gehen am Marienbrunnen vorbei und schauen zuerst in die griechisch-orthodoxe Gabrielskirche. An dieser Stelle ist Maria beim Wasserholen angeblich der Erzengel Gabriel erschienen und hat ihr verkündet, dass sie ein Kind bekommen werde. Liebevoll sind Genesungsbilder von Gläubigen an das Geländer gebunden, Familienbilder mit Genesungswünschen an der Wand aufgestellt.

Das Gegenstück dazu ist die Verkündigungs-Basilika. Folgt man nämlich dem römisch-katholischen Glauben, dann erschien der Erzengel Gabriel in jener Verkündigungsgrotte, über die die Basilika gebaut wurde. Wäre ja auch zu einfach, wenn sich die Religionen mal einig sind.

Nicht weit von Nazareth entfernt, befindet sich Kafr Kanna, bei uns bekannt unter Kana. Hier steht die katholische Hochzeitskirche, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt haben soll. Auch heute noch ist es sehr beliebt, hier zu heiraten. Wer das nicht möchte, also ich, der kann sich gegenüber ein paar kitschige Souvenirs ansehen und den Hochzeitswein kosten. Mir ist er ein bisschen zu herb.

… und zum See Genezareth.

Der heutige Tag endet spät im Kibbutz Nof Ginosar direkt am See Genezareth. Ich bin umringt von Pilgern und brauche erstmal eine Pause. Die Nacht ist mild und ich gehe runter zum Ufer des Sees. Der Vollmond scheint und lässt das Wasser glitzern. Ich grübel noch ein bisschen über Glauben und Religion nach und bin gespannt was mich auf dem Weg zum Toten Meer erwartet.

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Text und Fotos: Britta Smyrak

Meine spannende Rundreise durch Israel. Danke an das Staatliche Israelische Verkehrsbüro, das mich dazu eingeladen hat.

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