Moscheen hopping in Bursa.

Die Wolken wollen nicht weichen, der Regen gesellt sich dazu, wir erreichen Bursa, die Großstadt im Norden im Stimmungstief. Es ist so schade, dass wir auf unserem Roadtrip durch die Westtürkei durch eine Landschaft fahren, die überall als „Küste des Lichts“ beschrieben wird und alles, was ich sehe ist grau in grau. Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir Bursa, hinter uns liegen seit unserem Start 600 Kilometer.

Unterwegs in Bursa

Bursa und nicht Istanbul war die erste Hauptstadt der Osmanen und wird auch als die Wiege des Osmanischen Reiches bezeichnet. Der Verkehr in dieser viertgrößten Stadt der Türkei ist heftig. Navigieren und lenken nicht so einfach und wir verpassen die Zufahrt zum Hotel. Plan B wir fahren direkt zur Grünen Moschee (Yeşil Camii) und parken dort in einer Seitenstraße.

Als wir die Moschee betreten wollen, kommt uns eine Gruppe Frauen im Niqab entgegen, komplett verschleiert in Schwarz. Ich bin wie immer irritiert. Nicht weil mir die Frauen Angst machen, sondern weil ich die Gesichter nicht lesen kann, Kommunikation fast unmöglich scheint und ich neugierig bin. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Frauen ungewollt anstarre und am liebsten ansprechen würde. Ich möchte wissen, wie ihr Leben ist, als Muslima in der Türkei. Wie fühlt es sich an im Niqab durch die Stadt zu laufen. Aber dazu kommt es nicht, weil es weder der richtige Ort, noch der richtige Zeitpunkt ist.

Im Innern der Moschee ist es ganz ruhig, für einen Moment sind wir die einzigen Besucher und flüstern nur noch. Das Klicken unserer Kameras ist zu hören und stört mich.

Gleich gegenüber von der Moschee steht auf einer Anhöhe das Grüne Mausoleum (Yeşil Türbe), auch Grüner Schrein genannt. Es ist das Wahrzeichen der Stadt Bursa und gilt als eines der schönsten Mausolen der Osmanen. Ich finde das achteckige Gebäude eher schlicht. Das Mausoleum wurde von Mehmed I. 1421 n. Chr. erbaut. Vierzig Tage nach Fertigstellung starb dieser und wurde gleich im neuen Mausoleum beigesetzt. Neben ihm liegen seine Söhne, seine Töchter und sein Kindermädchen.

Wir steigen wieder ins Auto und versuchen ein zweites Mal unser Hotel anzusteuern. Noch mal kreisen wir ums ganze Viertel und ich bin froh, als wir den Wagen endlich und irgendwie und halb auf der Straße vor dem Hotel abstellen können. Zur Großen Moschee (Ulu Camii) gehen wir lieber zu Fuß. Vielleicht liegt es an den Moscheen, aber es kommt mir vor als ob in Bursa mehr verschleierte Frauen unterwegs sind, als in Izmir.

Die Große Moschee

Schon auf dem Vorplatz der Moschee herrscht Leben. Männer waschen sich die Hände und Arme, die Menschen gehen aus und ein. Innen dann eine riesige Halle mit einem Brunnen in der Mitte. Drum herum sitzen die Gläubigen und lesen im Koran. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre, viel geselliger als in der Grünen Moschee. Dies ist ein Ort der Begegnung. Spielende Kinder, Stimmengemurmel, ich habe das Gefühl, die Menschen sind hier nicht nur zum Gebet, sondern auch und vor allem um gemeinsam ihre Zeit zu verbringen.

Nach dem Besuch in der Moschee schlendern wir noch ein bisschen durch die Fußgängerzone und sammeln Eindrücke. Ich finde die Stadt auf den ersten Blick nicht wirklich schön, aber ein Zwischenstopp in Bursa ist authentisch. Auf meine To Do Liste für das nächste Mal kommt Bursa Teleferik, die Seilbahnfahrt mit der längsten Einseilumlaufbahn der Welt! Diese überwindet knapp 1400 Höhenmeter und verbindet Bursa mit einem Naherholungsgebiet im angrenzenden Uludag Gebirge. Im Winter ist hier sogar eines der größten Skigebiete der Türkei. Skifahren in der Türkei wäre mal etwas ganz anderes.

Am nächsten Morgen falle ich um 5 Uhr aus dem Bett, weil mein Zimmer direkt gegenüber der Moschee liegt und der Muezzin mich quasi persönlich mit Lautsprecher zum Morgengebet ruft. Ich pelle mich aus den Federn, packe meinen Koffer und weiter geht es, Richtung Süden über Sardes und zurück nach Izmir.

Stay tuned für den dritten Teil „Von Sardes nach Izmir, mein Herz geht auf“.  oder geh zurück zum Anfang, zu Teil eins meiner „Rundreise durch die Westtürkei: Izmir, Pergamon, Troja.“ Beatrice vom Reiseblog „Reisezeilen“ war auch in Bursa. Ihren Artikel mit wunderschönen Bildern findest du hier.

Text und Bilder: Britta Smyrak

 

Die Rundreise durch die Westtürkei wurde mir von Öger Tours ermöglicht. Vielen Dank.

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