Von Sardes nach Izmir und mein Herz geht auf.

Mit dem Auto durch die Westtuerkei

Endlich Landstraße! Ich weiß, die Türkei möchte ein fortschrittliches Land sein und ist wahrscheinlich mordsstolz auf ihre vierspurigen Schnellstraßen, die die Landschaft zerschneiden. Aber ich bin ehrlich gesagt froh, als wir endlich abbiegen, auch wenn wir kurz danach hinter einem LKW herzockeln müssen. So sehe ich einfach mehr von der Landschaft und fahre durch verschlafene Dörfer. Das Wetter meint es endlich gut mit uns, die Sonne strahlt und nach gut 5 Stunden sind wir in Sardes angekommen.

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Mit dem Auto durch die Westtürkei. Geheimsache Sardes

Sardes, schon mal davon gehört? Ich nicht und wie es aussieht auch sonst niemand, denn hier ist es wie ausgestorben. Dabei ist diese riesige Ausgrabungsstätte absolut lohnenswert und auch die Geschichte dazu. Sie handelt nämlich vom sagenhaft reichen König Krösus. Bei dem Namen klingelt es! Er war der letzte Herrscher des lydischen Reiches und Sardes war seine Hauptstadt. Krösus regierte von etwa 555 v. Chr. bis 541 v. Chr. Die lydischen Staatsgrenzen umfassten eine viertel Million Quadratkilometer und die Griechen, die an der Westküste der türkischen Halbinsel siedelten, waren ihm tributpflichtig.

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Was aber viel wichtiger war, Sardes lag damals am Gold führenden Fluss Pactolus und Krösus war einer der Ersten, der auf die Idee kam, eine Münzwährung in Umlauf zu bringen. Ausgrabungen haben gezeigt, dass er für die Herstellung einer Legierung aus Silber und Gold sogar schon Schmelzöfen besaß.

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Auf dem Ausgrabungsgelände gehe ich zuerst eine alte Straße entlang. Links stehen Säulen, rechts erkenne ich die Grundrisse von kleinen Geschäften, die an der Außenseite der großen Synagoge lagen. Hier wurde früher fleißig Handel betrieben und am Ende der Straße erreiche ich den Eingang in die Synagoge.

Archäologen gehen davon aus, dass das Leben in der Stadt recht angenehm gewesen sein soll. Die Ruinen des Gymnasions und der Synagoge zeugen von Wohlstand und es ist schon ein Wahnsinn, dass ich über diese uralten Mosaike laufe. Eigentlich müssten sie besser geschützt sein, aber die Türkei hat mehr als 130 antike Stätten. Und die alle aufwendig zu erhalten ist dem Land fast unmöglich.

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Sardes

Aber zurück zu Krösus. Statt seinen Reichtum zu genießen, wollte er mit einer großzügigen Opfergabe das Orakel von Delphi bestechen und herausfinden, ob sich ein Feldzug gegen den immer mächtiger werdenden Perserkönig Kyros lohnt. Die Orakelpriesterin Pythia antwortete rätselvoll: Er würde, wenn er den (lydischen) Grenzfluss Halys überschritte, ein großes Reich zerstören. Krösus nahm das als Siegesgarantie, zog mit seinem Heer gen Osten und zerstörte dadurch sein eigenes Reich, denn er wurde von Kyros geschlagen! Ich liebe diese alten Geschichten.

Türkische Tea Time am Straßenrand

Die Sonne brutzelt auf meinen Schädel, als wir die Ausgrabungsstätte verlassen. Mein Blick fällt sehnsüchtig auf einen Straßenstand an dem eine alte Frau und ihr Mann Tee und Kaffee köcheln.

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Fast ohne Worte bestellen wir Tee und Kaffee. Wahrscheinlich sind wir heute die einzigen Gäste. Wir platzieren uns auf das baufällige Sofa, schlürfen unser Getränk. Neugierig kommen ein paar Kinder näher, setzen sich auf die andere Straßenseite und luken immer wieder zu uns rüber.

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Das ist einer der besten Augenblicke der ganzen Reise. Einfach an der Straße sitzen, die Menschen beobachten, den Mopeds hinterher sehen die an uns vorbeifahren.

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Hinter uns im Gebüsch meckern die Ziegen, eine Minikatze krabbelt hervor und dann pflückt der Mann auch noch frische Maulbeeren für uns, direkt vom Baum. Großartig! Das ist die Türkei, die ich die ganze Zeit gesucht habe.

Wir verabschieden uns und ich würde am liebsten gleich morgen wiederkommen. Nach kurzer Fahrt erreichen wir einen Parkplatz und stehen vor dem umzäunten Gelände, auf dem sich die Ausgrabungen des Artemistempels befinden. Ein paar Wächter sitzen im Schatten an einem Tisch und beachten uns nicht weiter.

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Mächtige dunkle Säulen erheben sich in den Himmel. Riesige Steinquader bilden alte Mauern. Seit den Pyramiden weiß man, wozu Menschen fähig sind, aber ich bin trotzdem beeindruckt von diesem Monument im Niemandsland. Auch dieser Ort gehört uns ganz alleine.

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Frauen schrubben mit Zahnbürsten bewaffnet die Ruinen, Bauern machen nebenan das Heu. Wahnsinn! Der Tempel liegt mitten in der Natur vor einem tollen Bergpanorama in vollkommener Ruhe.

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Vom Tempel in den Trubel. Auf nach Izmir.

Wir müssen uns beeilen. Wir wollen noch auf den Kemeralti-Basar in Izmir und der schließt um 17 Uhr. Zum Glück ist Izmir nur eine knappe Stunde entfernt. Wir checken schnell im Hotel ein, parken das Auto auf dem Hotelparkplatz und laufen von hier zu Fuß zum Basar. Gerade noch rechtzeitig, denn wir ergattern das letzte frischgebackene Pide. Danach wird die Küche geschruppt und das war es für heute.

Die anderen Händler schließen nicht ganz so pünktlich und wir verlieren uns in den engen Gassen. Der Kemeralti-Basar kommt mir noch sehr authentisch vor. Vielleicht liegt es daran, dass viele Touristen Izmir meiden und Angst vor dem Trubel und der Hektik haben. schliesslich ist Izmir die zweitgrößte Stadt der Türkei hinter Istanbul.

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Ich habe mich in Izmir sehr wohl gefühlt. Auf dem Basar könnte ich stundenlang herumlaufen. Mittendrin sind immer wieder nette Cafés, an Straßenständen werden Miesmuscheln als Streetfood verkauft und am Ende stehen wir vor einer ehemaligen Karawanserie.

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Kızlarağası Hanı ist ein Basar im Basar mit nettem Café im Innenhof und schönen Läden zum Stöbern. Gleich gegenüber befindet sich Kemer 6 Balik, ein gutes Restaurant, in dem wir essen, denn wir haben schon wieder Hunger.

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Vom Basar aus gehen wir zum Wahrzeichen von Izmir, dem Uhrenturm. Der Turm wurde erst 1901 erbaut, ich dachte, er wäre viel älter. Um den Turm herum sitzen in gleichmäßigen Abständen alte Männer und Frauen und verkaufen Körner zum Füttern der Tauben.

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Am Abend zieht es mich an die Uferpromenade. Hier ist ein Café, ein Restaurant nach dem anderen, trotzdem muss ich etwas suchen, bis ich eine nette Weinbar finde. Ist ja auch logisch, schließlich ist die Türkei ein moslemisches Land. Kalter Rotwein oder warmer Weißwein? Ich überlege, ob ich dem Kellner sage, dass es genau anders herum sein muss. Egal, ich trinke den Wein wie er kommt, schaue den Menschen an der Hafenpromenade zu und lasse die Eindrücke auf mich wirken. Die Rundreise mit dem Auto durch die Westtürkei führte mich von Izmir nach Pergamon und Troja bis hoch nach Bursa und wieder zurück nach Izmir.

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Mit mir unterwegs waren Kathrin Lehr vom Reiseblog viel-unterwegs und Beatrice Anton von Reisezeilen. Wir haben die Reise nur zur Hälfte gemacht. Die eigentliche Rundreise an der türkischen Ägäis verläuft von Sardes weiter nach Pamukkale  und Ephesus und dauert insgesamt 8 Tage.

Fotos und Text: Britta Smyrak

Unterstützt wurde unsere Rundreise mit dem Auto durch die Westtürkei von Öger Tours. Vielen Dank.

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