MEET THE LOCALS: Von Johannesburg nach Jordanien

Von Johannesburg nach Jordanien

Manche Lebensläufe fangen schon so herrlich an, davon träume ich nachts. Von diesen drei Kindern haben mindestens zwei mit ihren 2, 4 und 6 Jahren schon mehr Länder gesehen als meine Mutter in ihrem ganzen Leben. Meike, Deutsche und ihr Mann, Amerikaner, lebten zunächst gemeinsam in Frankfurt, anschließend in Washington DC, dann in Tripoli und Johannesburg. Vor einem Jahr wurden sie nun nach Jordanien geschickt. Ich bin natürlich total fasziniert und muss sie unbedingt ein bisschen ausfragen, wie das so ist: von Johannesburg nach Jordanien.

Jordanien-Kamel

Meike, dein Mann ist im US diplomatischen Dienst. Wie geht ihr jetzt damit um, dass alle denken, in Jordanien sei es gefährlich zu leben?

Es ist nicht gefährlich hier – zumindest nicht so, wie man anderswo denkt. Wir führen jedenfalls ein ganz normales Leben. Schule, Arbeit, Einkaufen, Ausgehen – das machen wir alles so, wie die Jordanier auch. Es gibt keine Ausgangssperre, keine Verbote, keine Einschränkungen.

Jordanien ist zur Zeit wie eine kleine Insel des Friedens mitten im Chaos.

Trotzdem gibt es natürlich Ängste und immer wieder Warnungen – und zwar vor Terroranschlägen in Jordanien. Dann wird ab und an empfohlen nicht zu einem bestimmten Einkaufszentrum zu gehen oder eine bestimmte Region in der Stadt zu meiden. Plötzlich sieht man an jeder Straßenecke Polizeikontrollen, dann wieder nicht. Dazu kommen die Grenzgebiete zu Syrien und dem Irak – mitten in der Wüste, im menschenleeren Land – das kann man nicht kontrollieren, zumindest nicht mit den Mitteln, die die Jordanier zur Verfügung haben. Da haben wir dann natürlich schon ab und zu ein ungutes Gefühl – zum einen weil wir schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben. Wir waren in Libyen stationiert, als die Revolution ausbrach. Niemand hatte gedacht, dass so etwas passieren könnte. Zum anderen weil Jordanien als Mitglied der Koalition gegen den Islamischen Staat eben auch Ziel für terroristische Übergriffe geworden ist.

Welche Dinge schätzt du oder die Kinder besonders an eurem aktuellen Zuhause?

Um ehrlich zu sein, gibt es solche und solche Tage. Dann ist das meiste eigentlich schrecklich: Der Müll auf der Straße, der Schimmel an den Wänden, die Leute fahren wie die Verrückten. Sie schludern bei der Arbeit („so machen wir das halt in Jordanien“ heißt es dann). Oder sie empören sich über die Idee der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Generell ist hier sowieso alles „Insha’allah“ – das heißt: „wenn Gott will“. Eigenverantwortung gibt es oft nicht. An den anderen Tagen ist es dann aber ganz anders. Denn auch das ist wahr: Die Jordanier sind ausgesprochen gastfreundliche Menschen – und kinderlieb sind sie auch.

Wenn ich mit unseren drei Kindern unterwegs bin, werde ich bevorzugt behandelt. Das tut natürlich gut.

Und: Jordanien ist auch ein schönes Land. Grün ist zwar eine Farbe, die man hier nur wenige Wochen im Jahr sieht aber es gibt viel zu entdecken. Die Felsenstadt Petra, die Wüste und ihre Schlösser, das Tote Meer, die alte Römerstadt Jerash – wir haben eigentlich immer etwas zu tun.

Jordanien-Felsenstadt-Petra

Die Landessprache ist ja nicht gerade easy zu lernen. Ihr bleibt noch 2 Jahre. Was macht ihr, um in kurzer Zeit besser zu werden?

Mein Mann und ich haben Arabisch gelernt. Ein Jahr lang. Das war 2009. Das hilft schon, auch wir in der Zwischenzeit viel wieder vergessen haben.

Aber wir können die Schrift lesen und uns auf der Straße auch mit den meisten Menschen unterhalten.

Trotzdem: Arabisch ist eine schwere Sprache. In jedem arabischsprachigen Land wird ein anderer Dialekt gesprochen und – die größte Schwierigkeit – in Jordanien ist fast alles bilingual. Selbst wenn ich also arabisch spreche, geantwortet wird mir meistens auf Englisch.

Jordanien-Amphitheater-Amman

Wohnt ihr in einer besonderen Siedlung in Amman?

Wir wohnen so, wie ein Jordanier aus dem Mittelstand auch wohnen würde: In einem Appartement, in einem Mietshaus, auf einer Ebene, mit Schimmel an den Wänden und Abflüssen, die regelmäßig verstopfen. Weil bei uns in der Nähe aber nicht nur Jordanier, sondern auch noch andere Ausländer wohnen, haben wir einen Wachposten, also einen Soldaten mit automatischem Schnellfeuergewehr, vor der Tür. Das ist natürlich etwas gewöhnungsbedürftig.

Jordanien-Amman-Häuser-Drachen

Wie kann ich mir ein ganz normales Wochenende von euch vorstellen?

Ganz normal ist bei uns eigentlich nur eins: Unser Wochenende ist Freitag und Samstag. Sonst ist bei uns immer alles ganz unterschiedlich. Mal haben die Kinder eine Veranstaltung in der Schule, oder wir treffen uns mit Freunden, oder wir bleiben zu Hause und matschen in unserem kleinen Hof oder wir machen einen Ausflug – meistens sind es Tagesausflüge.

Jordanien-Wüste-Wadi-Rum

Jordanien ist ja nicht gerade ein großes Land. Wenn man jetzt nicht nach Petra oder in die Wüste nach Wadi Rum fährt, dann schafft man das ganz bequem an einem Tag. Besonders gefallen uns die Zitadelle in Amman, Jerash und auch die Wüstenschlösser sind faszinierend.

Danke, liebe Meike, für das Stillen meiner Neugier. 

Interview: Sabine Neddermeyer; Fotos: Meike Giordono-Scholz

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