Mein Jesus. Dein Jesus. Jesus ist für alle da!

Jerusalem entdecken ©looping-magazin

Jerusalem entdecken. Direkt gegenüber vom Österreichischen Hospiz beginnt die Via Dolores. Nach der Überlieferung ist das die Straße in Jerusalem, die zur Hinrichtungsstätte am Hügel Golgota führte.

Auf dem Kreuzweg zur Grabeskirche

Wer kennt sie nicht, die dramatische Geschichte aus dem neuen Testament, als sich Jesus hier hoch geschleppt hat, das Kreuz auf dem Rücken. Die Via Dolores ist Teil des sogenannten Kreuzweges. Insgesamt gibt es auf diesem Weg 14 Stationen, 8 davon auf der Via Dolorosa selbst.

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Um den Leidensweg Jesu möglichst hautnah zu erleben, stehen Holzkreuze bereit, die von den Pilgern zur Grabeskirche, dem wahrscheinlich heiligsten Ort für die Christen überhaupt, getragen werden können.

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Und weil diese Kirche so wichtig ist, haben gleich sechs christliche Konfessionen das Sagen. Die Griechisch-Orthodoxe, die römisch-katholische Kirche, die Armenische Apostolische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien, die Kopten und die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche. Die Äthiopier leben sogar als kleine Gruppe auf einem Dach der Kirche. Protestantische Konfessionen sind in der Kirche nicht vertreten.

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Die ominöse Leiter

Diese Besitzverhältnisse machen es unglaublich kompliziert, denn jede Glaubensgemeinschaft achtet peinlich genau darauf, die gleichen Rechte zu haben. Bauliche Maßnahmen sind fast unmöglich, da jede Veränderung eine Verletzung des Status quo verursachen könnte und es undenkbar wäre dass zur Gebetszeit der Griechisch-Orthodoxen gehämmert würde und bei den Kopten nicht!

So steht zum Beispiel eine längst nutzlos gewordene Holzleiter an der Fassade über dem Hauptportal. Sie diente im 19. Jahrhundert den Mönchen zum Einstieg in die Kirche, wenn die Tore behördlich geschlossen waren. Seit vielen Jahrzehnten laufen Bestrebungen, sie zu entfernen, doch es ist nicht geregelt, wer dazu befugt wäre.

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Aber nicht nur der Besitz der Kirche ist genau geregelt, sondern auch wer wann wo wie lange beten darf. So muss zum Beispiel das Grab für die tägliche Prozession der Franziskaner pünktlich von den Orthodoxen freigemacht werden.

Besonders kritisch wird die Situation immer zu Ostern, wenn alle Kirchen das Hochfest der Auferstehung feiern. Nicht selten kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Mönchen wegen der nicht eingehaltenen Gebetsordnung. Auch während der Sperrzeiten in der Nacht bleiben Mönche aller Konfessionen in der Kirche! Wegen der unumstößlichen Zeiteinteilung gibt es in der Kirche übrigens auch keine Sommer- oder Winterzeit. Im Sommer ist daher die Zeitverschiebung zu berücksichtigen.

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In der Kirche herrscht Gedrängel, aber da jeder nur ein Zeitlimit hat, ist das verständlich. Männer wie Frauen ringen mit den Tränen, küssen Steine, beten und scheinen glücklich beim Anblick der heiligen Orte wie der Grabeskapelle mit dem Grab Jesu oder dem Salbungsstein beim Eingang der Kirche. Hier soll der Leichnam Jesu für die Bestattung vorbereitet worden sein.

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Jerusalem entdecken, der Mahane Yehuda Markt

Nach dem Besuch der Altstadt erkunde ich noch den Mahane Yehuda Markt etwas außerhalb der Stadtmauer. Der Besuch des über 100 Jahre alten Marktes zwischen Agrippa und Jaffa Straße fühlt sich so herrlich normal an. Wie es sich für einen Markt gehört, gibt es frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren und vieles mehr. Dazwischen finden sich immer wieder kleine Cafés, die wirklich nett aussehen. Für mich war das der perfekte Ausklang für einen spannenden Tag in Jerusalem, dieser Stadt voller Gegensätze.

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Shalom Israel.

Nach einer knappen Woche Rundreise durch Israel mit unglaublich vielen Eindrücken ist es Zeit für ein Fazit und die Antworten auf die zwei Fragen, die mir vor und nach der Reise immer wieder gestellt wurden.

Kann ich nach Israel reisen? Ja du kannst und du solltest es sogar. Das Land bietet für seine Größe unglaublich viel Abwechslung. Du kannst alles haben von moderner Stadt am Meer und Naturerlebnis bis hin zu viel Geschichte und Kultur.

Ist es dort sicher? Ich habe mich sicher gefühlt. Aber was bedeutet das für dich? Jeder Mensch empfindet Sicherheit subjektiv anders. Ich kann nur sagen, dass die Menschen in Israel, die ich getroffen habe sehr nett und aufmerksam waren. Sie leben in einem Land, das immer wieder unter Spannungen und Konflikten leidet, aber sie lassen sich nicht davon abhalten, ihr Leben zu leben. Besonders Tel Aviv strahlt sehr viel positive Energie aus. So gesehen sind es die Israelis gewohnt und sehen es nicht negativ, wenn Militär und Polizei Präsenz zeigen.

In den Straßen von Jerusalem sieht man sowohl ein versöhnliches Zusammenleben als auch Straßensperren und Luftüberwachung. Über die Situation in den besetzten Gebieten kann ich nichts sagen, weil ich nicht dort war. Generell glaube ich, dass ich als Tourist oft einfach außen vor bin. Natürlich kann ich immer zur falschen Zeit am falschen Ort sein, aber das kann mir überall passieren. Um es kurz zu machen, ich würde jederzeit wieder hinfahren. Besonders wenn es bei uns unangenehm kalt ist, denn im November kann ich in Tel Aviv noch im Meer baden und im Landesinneren sind die Temperaturen sehr angenehm. Wenn Du also nicht weißt, wohin im Herbst und Winter, fahr nach Israel!

Hier kannst du meine weiteren Artikel zur Rundreise durch Israel nachlesen:

Von Tel Aviv bis an den See Genezareth

Besuch in einem Kibbuz

Von den Golanhöhen ans Tote Meer und in die Wüste Negev

Endstation Jerusalem

Ueberwachungskameras-jerusalem

Text und Fotos: Britta Smyrak

Auf diesen Roadtrip durch Israel wurde ich vom Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro eingeladen.

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