Frankfurt, das Comeback des Bahnhofviertels

Frankfurt, das Comeback des Bahnhofviertels

Wird das jetzt eine Liebeserklärung? Nicht ganz, aber ich stehe kurz davor. Mein Gott hat es mir diese Stadt schwer gemacht. Das Einzige, was mir schon immer gefallen hat, waren die Hochhäuser, vor allem bei Nacht. Aber das alleine reicht nicht. Doch bei jedem Besuch ist etwas Schönes hängen geblieben, kam ein Mosaiksteinchen hinzu und jetzt bin ich bereit für eine kleine Lobeshymne: Frankfurt, so langsam wirst du mein.

Das Comeback des Bahnhofviertels

Frankfurt ist krass, wahrscheinlich die krasseste Stadt in Deutschland, denn nirgendwo können die Gegensätze größer sein. Hier die Hochhäuser der Banken, das große Geld, dort nur einen Steinwurf entfernt das Elend auf der Straße. Du merkst es vor allem, wenn du am Hauptbahnhof aussteigst und nichts ahnend die Kaiserstraße entlang läufst. Das ist kein netter Spaziergang, denn du wirst angebettelt von Junkies und es stinkt nach Pisse. Dein erster Reflex, nichts wie weg hier.

Die Stadt hat einige Versuche unternommen, das Bahnhofsviertel aufzuräumen, die Drogenabhängigen von der Straße zu kriegen, weg von den Drogen, aber es hat nichts gebracht. Nur 10% schaffen den Ausstieg. Was soll man machen mit den Menschen, die am Leben scheitern? Aus den Augen aus dem Sinn, das hat in Frankfurt nicht funktioniert und das spricht für diese Stadt. Statt die Junkies zu vertreiben, werden ihnen Räume zur Verfügung gestellt. Sauberes Drogenbesteck satt Drogentote, die Bilanz geht auf und Frankfurt ist längst nicht mehr die Drogenhauptstadt der Republik. Aber das soll kein Artikel über Drogenpolitik werden.

Links von der Kaiserstraße liegt das Rotlichtviertel, hier stehen die sogenannten Laufhäuser. Besonders beliebt während der Installateur- und Handwerkermesse, weniger während der Buchmesse in Frankfurt. Geschlechtsverkehr ab 25 € Basispreis. Das Zimmer kostet 140 € Miete am Tag, da kann sich jeder ausrechnen, wie lukrativ das ist und vor allem für wen. Rechts der Kaiserstraße befindet sich das neue Szeneviertel mit angesagten Bars und Restaurants.

Vorbild für den Rest der Stadt oder den Rest des Landes.

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, durch Reibung entsteht Hitze und es tut sich was im Viertel. Über 100 Nationen teilen sich den Raum zwischen Bahnhof, Innenstadt, Main und dem vornehmen Westend. Hipster treffen auf Banker, Mützenträger auf Turbanträger, Kostüm auf Schleier. Coole Hotels, Restaurants und Bars eröffnen, die Partyszene erobert die Straße und oft sind es Viertel wie dieses, die plötzlich in sind.

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Die Angst vor dem anders sein, die Angst vor dem Fremden hat in diesem Viertel mit 60 % Ausländeranteil keine Chance und das ist gut so. Dieses Nebeneinander gefällt mir und ich hoffe, die Mischung bleibt erhalten. Selbst ein Kiosk hat hier das Zeug zum Kult. Im Yok Yok, gleich neben dem angesagten Lokal Maxi Eisen, bekannt für seine Pastrami Sandwiches, gibt es nichts, was es nicht gibt, das verspricht zumindest übersetzt der Name. Die Getränkeauswahl ist groß und das Bier kostet nur einen Bruchteil des üblichen Preises an der Bar. Diese Tatsache trägt besonders am Abend sehr zur Beliebtheit bei.

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Weiter geht mein Spaziergang, vorbei am skurrilen Hammermuseum über der Schumacherei Lenz bis zum Restaurant Walon&Rosetti. An großen Holztischen wird in diesem angesagten Restaurant von Radu Rosetti das leckere Essen serviert, und nicht nur der Nachtisch, auch die Kellner sind eine Augenweide.

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Hier könnte ich den ganzen Abend verbringen, später an die Bar wechseln und noch später zurück ins Hotel schlendern. Empfehlen kann ich dir für diese Gegend das 25hours Hotel by Levi’s. Es liegt in Laufweite, einmal quer durch das Rotlichtviertel.

Nette Crew, die noch jede Menge mehr Frankfurttipps für dich parat hat, schöne Zimmer und eine Dachterrasse, die ich mir unbedingt im Sommer nochmal ansehen muss.

Wie sieht die Zukunft aus?

Spannend wird die Zukunft des Viertels. Die derzeitige Wohnungsmiete liegt bei ca. 13-18 € der Quadratmeter kalt, Tendenz stark steigend, denn die Investoren haben das Viertel entdeckt und nicht jeder wird bleiben können. Die Künstler verlassen wegen der hohen Mieten für ihre großen Ateliers bereits die Stadt, obwohl doch gerade hier das Geld wäre um Kunst zu kaufen. Es bleibt also spannend. Auf der Karte findest du meine Tipps für das Bahnhofsviertel und die Route zum Nachspazieren.

Text und Fotos: Britta Smyrak

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Frankfurt, das Comeback des Bahnhofviertels. Danke an Thomas Cook für die Einladung nach Frankfurt und an 25 hours Hotel by Levi’s für die Übernachtung.

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