Auf der Flucht mit Zeus.

Höhle von Psychro auf Kreta

Einmal quer über die Insel zur Höhle von Psychro auf Kreta fahren? Ein Klacks denke ich, mit Blick auf die Karte. Ha, ha, denkt jeder Kreter, wenn die wüsste. Was treibt mich von der Küste hinauf auf die Lasithi Hochebene? Wie immer die pure Neugier! Hier oben befindet sich die berühmte Höhle von Psychro auf Kreta. Angeblich ist es die Geburtsstätte vom Gott Zeus und ich bin noch nie in einer Höhle gewesen.

Immer höher, immer weiter.

schon der Ort Psychro hört sich irgendwie gut an. Die Fahrt dorthin ist gut ausgeschildert, aber es dauert ewig. Die Straße schraubt sich unendlich lange den Berg hinauf. Kreta ist vielleicht nicht groß, dafür hoch! Leider ist die Aussicht heute nicht so berauschend, aber durch die Wolken und den Nebel bekommt die Gegend etwas Mythisches.

Die Lasithi Hochebene liegt ca. 1200 Meter über dem Meeresspiegel und ich sehe ein komplett anderes Kreta als an der Küste. Allein der spektakuläre Weg in diese Landschaft lohnt sich. Mein Hinweis für alle Familien, es gibt Kurven, sehr viele Kurven! Plant zwischendurch unbedingt Pausen ein. Man kommt auf der Strecke an einigen netten Tavernen vorbei. Also lieber einen Tagesausflug daraus machen, statt möglichst schnell hochzurasen und anschließend wieder runter.

In  Psychro angekommen, fahre ich bis zu einem Parkplatz am unteren Eingang zur Höhle. Ich habe Glück, denn heute ist nicht so viel los. Als ich aus dem Auto steige, merke ich erst, wie K.o. ich bin. Das Parken kostet 2 Euro und ich mache mich auf den Weg zur Höhle von Psychro auf Kreta

Mit 1 ES (Eselstärke) den Berg hinauf

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Der Aufstieg zur Höhle von Psychro auf Kreta sieht steil aus und gleich am Eingang empfängt mich der Donkey keeper’s Club mit seinen vielen Eseln. “ …the acent into the cave is better by donkey“. Das überzeugt mich sofort und ich gönne mir den Luxus eines Eselritts. Eine klassische Win-Win-Situation, ich sichere dem Esel seine Existenz und bekomme dafür ein kleines Erlebnis. Außerdem ist es für ihn bestimmt angenehmer, ab und zu einen Touristen den Berg hochzutragen, statt den ganzen Tag auf dem Feld zu schuften. Hoffe ich zumindest.

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Mein Esel ist eine Eselin, die trittsicher den Berg hochläuft. Im Sattel schwankend wundere ich mich, dass sie mit ihren kleinen, harten Hufen auf den blanken Steinen nicht ausrutscht.

Die Flucht mit Zeus führt in die Höhle von Psychro auf Kreta

Oben angekommen höre ich die Diskussion von drei Frauen. Sie überlegen ernsthaft, ob sich der Eintritt lohnt oder ob nicht nur eine gehen sollte und Fotos macht. Dann sparen sie den Eintritt für zwei. Oh man! Ich fahre doch nicht drei Stunden hier her um dann 4€ zu sparen. Aber gut sollen sie machen, wie sie wollen. Ich finde, wer so einen Ausflug plant der sollte sich auf Parkgebühren und Eintritt einstelllen. Ich schmeiße lieber weiterhin mit dem Geld um mich und zahle den Eintritt. Die Höhle ist ein riesiges Loch und über steile Treppen geht es gut 40 Meter in die Tiefe.

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Je tiefer ich steige, desto kühler wird es. Es ist feucht, die Stufen sind ein bisschen rutschig. Es schadet nicht, das Geländer immer schön festzuhalten. Unten angekommen empfängt mich eine Welt aus Stalaktiten, das sind die Tropfsteine, die von der Decke hängen und Stalagmiten, die wachsen unten.

Ich finde es irre! Es fühlt sich an, als wäre ich der Welt in den Schlund geklettert. Würde mich nicht wundern, wenn sie mich jeden Moment wieder ausrülpst. Meine erste Höhle hat mich nicht enttäuscht (kleiner Seitenhieb an alle, die den Eintritt sparen wollen). Jetzt möchte ich natürlich alles wissen über die griechische Mythologie und was die Höhle mit Zeus zu tun hat.

Griechische Mythologie für Anfänger

Ich habe nachgelesen und fasse mal kurz zusammen: Der Vater von Zeus ist Kronos. Er ist der Sohn von Gaia, der Erde und Uranos, dem Himmel. Sein Vater Uranos hasste seine Kinder, die Kyklopen, später auch Zyklopen genannt und die Hekatoncheiren, das waren drei Brüder mit jeweils 50 Köpfen und 100 Händen. Er verbannte sie sofort nach der Geburt tief ins Innerste der Erde. Seine Mutter Gaia litt unter dem ungerechten Schicksal ihrer Söhne. Sie stiftete ihre anderen Kinder, die Titanen an, Uranos zur Strafe zu entmannen. Entsetzt lehnten die ab, bis auf Kronos, der zu dieser Tat bereit war. Er schmiss das Geschlechtsteil seines Vaters einfach hinter sich ins Meer und aus Blut und Sperma entstand Aphrodite. Aber das ist eine andere Geschichte! Kronos wurde durch diese Tat zum Herrscher über die Welt und heiratete später seine Schwester Rea. Aus Angst, selbst eines Tages wie sein Vater entmachtet zu werden, fraß Kronos alle Kinder aus dieser Beziehung auf. So blieb Rea nichts anderes übrig, als zu flüchten. Zeus, ihren jüngsten Sohn, versteckte sie nach der Geburt in eben dieser Höhle vor seinem Vater und statt des Babys gab sie Kronos einen Stein, den sie in ein Tuch gewickelt hatte. Er verschlang diesen, ohne den Betrug zu bemerken und das Kind war gerettet. Zeus soll hier seine Jugend verbracht und später seinem Sohn Minos, dem mythischen König von Kreta, die Gesetze des Landes übergeben haben.

Zurück ans Meer

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Den Kopf voller Götter fahre ich zurück ans Meer nach Agios Nikolaos in das Minos Beach Art Hotel. Am Abend lässt sich die Sonne mal wieder blicken. Ich gehe in meinen wunderbaren Bungalow mit private Pool und fühle ich mich selbst gerade sehr göttlich.

Noch mehr Geschichten über Kreta findest du hier:

 

Text und Fotos: Britta Smyrak

Danke an das Minos Beach Art Hotel für die Übernachtung (jetzt weiß ich auch, wo der Name herkommt), an Car Rental Interoad für den flotten Wagen, der wirklich jede Kurve nimmt, an Condor für den Flug und an die Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr für die Einladung. Meine Meinung und Begeisterung bleiben davon unberührt.